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Sommerfriede.

- Gedicht von Karl Gerok

Sommerfriede.

Von dieser Feldhöh in des Birnbaums Schatten,
Wie schaut sichs schön hinaus ins heitre Land!
Wie friedlich sonnen sich die grünen Matten,
Die falben Saaten in des Mittags Brand;
Wie glänzt der Himmel drüberhin im satten,
Azurnen Blau gleich fernen Gletscherspitzen
In langer Reih die Haufenwolken blitzen.

Wie säuselt leis der sommerliche Friede
In lauen Lüftchen durch die weite Flur;
Vom Freudenrausch des Wonnemondes müde,
Zu stillem Wirken fasst sich die Natur;
Die Lerche ruht vom lauten Jubelliede,
Bescheiden zirpt im Gras die Grille nur,
Die letzte Rose ist am Hag zerfallen,
Nun darf im Wind das blühnde Mohnfeld wallen.

Wahr ists, des Jahres Jugend ist verflogen,
Verweht des Lenzes holder Blütenduft,
Doch auch des Frühlings Wetter sind verzogen,
Die Donner ruhn, gereinigt glänzt die Luft,
Der Sommer waltet mild am Himmelsboden,
Indes die Wachtel durch das Kornfeld ruft,
Und will zum Schluss das Beste noch besche[e]ren,
Den Saft der Reben und die Frucht der Ähren.

Schön war der Lenz; doch willig, ohne Klage
Füg ich, Natur, mich deinem heilgen Gang;
Im Wonnemond verträumt ich meine Tage
Und schwärmte nachts beim Nachtigallgesang,
Nun geht mein Herz in friedevollem Schlage,
Genesen von des Frühlings Sturm und Drang;
Mag auch der Wind vom Hag die Rosen streifen:
Wenn nur im Feld die goldnen Ähren reifen.

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