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An den König

- Gedicht von Johann Peter Eckermann

An den König

Wenn der Sonne Kraft die Erde
Wärmend, wie sie thut, erquickt,
Jedes Jahr ein neues Werde
Sie mit Blatt und Blüthen schmückt,
Ist der Vogel froh im Laube,
Bien` und Käfer summt heran,
Und im Menschen lebt der Glaube:
Alles sey für ihn gethan.

An dem Fuße der Vulcane
Wenn ein Volk sich angebaut,
Oder nah dem Oceane
Kühn zu siebten sich getraut,
Dann durch Feur- und Wasserschwalle
Tausende wenn sie vergehn,
Glaubt der Mensch in solchem Falle
Ihn zu strafen sey`s geschehn.

So, im Vollgenuß der Wonnen,
Stört ein Unfall Glück und Ruh,
Schiebt der Mensch, wie er gesonnen,
Gern den ew`gen Göttern zu.
Seines eignen Herzens Triebe:
Langmuth, Zornes - Raserey,
Haß, Gerechtigkeit und Liebe
Legt den Himmlischen er bey.

Aber sie, im großen Gange,
Schreiten fort die ew`ge Bahn;
Ob wir jauchzen, ob uns bange,
Ficht sie nun nicht weiter an.
Unserm Glück, wie unsern Nöthen,
Stehet fest ihr ew`ger Rath.
Armen Menschen ist das Reden,
Mächt`gen Gittern ist die That.

So auch Du, ein Herr der Erde,
Schreitest groß in Thaten fort;
Deinem Machtgebot: `Es werde!`
Fruchtet`s hin von Ort zu Ort.
Breiten Pfaden Deiner Sonnen
Strömet Segensfülle nach;
Leuchtend, wie Du früh begonnen,
Wärmst Du nun am vollen Tag.

Das Geschick von Millionen
Hegend treu an Deiner Brust,
Bist im Strafen wie Belohnen
Immer groß und Dir bewußt;
Denn Du weißt wohin Du zielest,
Und so gehst Du Deine Bahn:
Wenn des Ganzen Glück Du fühlest,
Ficht das Weitre Dich nicht an.

In des eignen Landes Gränzen
Schränkt Dein Wirken sich nicht ein,
Wo Verdienstes Sterne glänzen
Glänzt auch Deiner Gnade Schein.
Aller Orten zu erregen
Gutes, wie ein Fürst vermag,
Folgt Dein Reich auf allen Wegen
Deinen Königs-Schritten nach.

Wie Du nun in neusten Tagen
Hier den größten Mann geehrt,
Hat, wo edle Herzen schlagen,
Jedes Herz Dir zugekehrt.
Du verzeihe dem Poeten
Wie er`s Dir gedeutet hat.
Armen Menschen ist das Reden,
Mächt`gen Göttern ist die That.

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