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Die Weibertreu

- Gedicht von Ludwig Pfau

Die Weibertreu

An Justinus Kerner.

In des Schwabenlandes Gauen,
Aus der Auen lichtem Glanze
Steiget frei ein schöner Berg,
In der Reben duft`gem Kranze.

Gleichwie eine Mauerkrone
Auf dem Haupte, trägt er oben
Einer Burg versunkne Pracht,
Von Akazien überwoben.

Und ein Thurm, der viel gesehn,
Schauet stumm und kahl hernieder;
Aber nächtlich um ihn her
Säuseln dumpfe Heldenlieder.

Seufzer ziehn und Harfentöne
Dort, wie irrende Gedanken,
Daß im Mondlicht die erschrocknen
Zweige auf und nieder schwanken.

Doch alljährlich kehrt die Nacht,
Wo die Burg sich neu belebet,
Wo der längst versunknen Gruft
Manches Heldenbild entschwebet.

Wo die Mauern, wo die Thürme
Kühn sich in die Wolken bauen
Und in ihrer alten Pracht
In das Thal herniederschauen.

Wo die Fraun, von Liebe stark,
Um`s gewölbte Thor sich schaaren,
Und mit ihrer theuern Last
Ziehn die Burg hinab in Paaren.

Und am Fuß der Weibertreu
Steht ein Haus auf grünen Matten;
Wie ein Kind in Schutzgeists Hut,
Ruht es in des Berges Schatten.

Noch ein Thurm aus alter Zeit
In des Hauses Garten stehet,
Draus gar manchesduft`ge Lied
Grüßend zur Ruine wehet.

Und die Geister ziehn herab,
Hören wohlbekannte Klänge,
Wie aus ihrer Jugendzeit.
Längstverklungne Minnesänge.

Leise tanzen sie um`s Haus,
Grüßend ihren biedern Dichter,
Ihren alten Geisterfreund,
Bis verglühn der Sterne Achter.

Horch! schon hat der Hahn gekräht,
Und die Morgenlüfte wehen;
Da zerstäubt der leichte Schwarm,
Den nur Sonntagskinder sehen.

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