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Täuschung

- Gedicht von Ludwig Storch

Täuschung

Wie kann dein Herz mir Liebe schwören,
Wenn du nach fernen Ländern ziehst?
Magst du nicht selber dich betbören:
Du könnest mir nur angehören,
Wenn ohne Leid dumir entfliehst?

Die Hand zum Abschied dir zu reichen,
Den Mund zum ernsten Scheidekuß,
Stand ich vor dir im bittern Schweigen.
Dein trocknes Aug` ward meinem weichen
Gemüth zum schmerzlichsten Verdruß.

Mich zog der Sehnsucht starke Kette
Dir in die weite Ferne nach.
Daß dort ich nie begrüßt dich hätte!
Daß dort ich in des Stromes Bette
Beschlossen meinen letzten Tag!

Dich freute nicht — o laß mich weinen! -
Der treuen Liebe starkes Band.
Es ist ein Wähnen und ein Meinen,
Ein flüchtig Wünschen, täuschend Scheinen,
Was deine Liebe du genannt.

Ich schied und schaukelte auf Kähnen
Den Strom hinaus. — O Liebesqual
Mit der Verzweiflung wildem Sehnen!
Die Fluthen tranken meine Thränen,
Und fiebernd kam ich in mein Thal.

Die Thränen, die das Aug` mir nässen,
Sind eines Kindes Schmerzenszoll,
Das einen Tag ein Glück besessen.
Und es nun missen und vergessen
Und Andern überlassen soll.

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