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Herbstweben

- Gedicht von Fridolin Hofer

Herbstweben

Wie leis die Stunde rinnt!
Der Herbsttag spinnt
Kein Aschentuch um Weg und Weite,
Am Wald und Welt.

Unterm Nußbaum im Feld
Sitz` ich sinnend, den Hund zur Seite,
Der schläferig träg
Zwischen den Pfoten die Schnauze vergräbt,
Indes seines Bäuchleins Blasbalg sich senkt und hebt.

Ich bin wie gebannt von all der Stille;
Dämmernd hör` ich noch dann und wann
Aus dem nahen Tann Des Hähers heisres Geschrille —
Dann lautlos tiefe Todesstille!

Plötzlich, da raschelt was;
Doch seltsam, es zittert
Nicht Laub noch Gras.
Mein Pudel springt auf.
Was der wohl wittert?
Gleich drauf
Blitzt grell ein schein
Feldlängs über das Dorf hinein,
Zuckt über Dächer und Schlot
Blaßrot
Den Goldhelm empor der Seelenkapelle,
Und flugs ist die Helle
Verloschen, verloht.

Da, horch! klenkt bang, bang
Das Glöcklein ein Vaterunser lang
Kling, klang, kling — und bleibt stumm,
Schauernd entblöß` ich mein Haupt:
Der Tod geht um!

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