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Heimweg

- Gedicht von Anna Ritter

Heimweg

Wie schön das war, wenn wir am späten Tag
Durch die besonnten Felder heimwärts gingen,
Müd` und bestaubt, und doch des Weges froh;
Wenn rings die Heimchen an zu zirpen fingen,
Und durch das Korn ein heimlich Flüstern zog,
Wie ein verfrühtes, ahnungsvolles Schauern
Von Tod und Ernte. Düster hob die Stadt
Mit ihren alten, festgefügten Mauern
Sich von dem klaren Abendhimmel ab,
Die Glockenklänge riefen uns wie Grüße,
Denn jeder Schritt der wandermüden Füße,
Er trug uns näher an ein lieblich Ziel. -
Die ersten Häuser! An den Fensterscheiben
Bekannte Mienen, hinter Thor und Thür
Der Kinder lautes, ausgelassnes Treiben ...
Die Nachbarn traten hier und dort herfür
Mit Gruß und Handschlag, daß wir froh empfanden,
Wie tausend Fäden aus dem engen Kreis
Des eigenen Geschicks ins Weite liefen
Und uns dem Leben Anderer verbanden.
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Das liegt nun Alles wie ein Traum zurück -
Ein schönes Bild, begraben mit den andern,
Und wollt` ich heut` den Weg noch einmal gehn,
Ich müßt` ihn einsam und in Thränen wandern!

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