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Am Thumsee.

- Gedicht von Josef Mauthner

Am Thumsee.

Wie sieht sie blaß! In mädchenhaftem Trutze
Reißt sie vom Haupt die schützende Kapuze
Und läßt das Wetter toben nach Gefallen,
Sie ist, bei Gott! die Mutigste von Allen!

Vom Sturm gerüttelt beugen sich die Föhren —
Ich rufe sie, sie aber will nicht hören —
Ihr schaffts Genuß, umglüht von Feuerzeichen
Das lose Haar sich aus der Stirn zu streichen.

Der Donner zerrt das Echo aus den Klüften,
Die Felsengeister rauschen in den Lüften —
Sie aber jauchzt auf blitzumzücktem Plane:
`Wer um mich wirbt vermalt sich dem Orkane.`

Ich werb` um dich! In meinem Herzen zittert
Dein wilder Pulsschlag, wenn es hochgewittert —
Ich nahe dir — wenn rings die Fluten branden,
Dünkts köstlich mir an deinen: Mund zu landen!

Zu dir, zu dir! Die dunklen Wolkenjagden
Zerflattern scheu, aufleuchtet hellsmaragden
Der Alpensee. Im schwanken Wellenstreiter
Rast fessellos der Sturm der Liebe weiter.

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