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Das Weltgericht

- Gedicht von Albert Knapp

Das Weltgericht

Aus dem Alt-Lateinischen

Jenen Tag, den Tag der Wehen,
Muß die Welt im Brand vergehen,
Wie Prophetenspruch geschehen.

Weh! wie zittern dann die Schaaren,
Wird der Rchter niederfahren,
Alles streng zu offenbaren:

Die Posaun` in Wundertönen,
Die durch alle Gräber dröhnen,
Ruft zum Thron den Erdensöhnen!

Tod, Natur, sie schau`n mit Beben
Alle Kreatur sich heben,
Antwort vor Gericht zu geben.

Und ein Buch wird vorgetragen,
Das da wird von Allem sagen,
Weltgerichtsspruch aufzuschlagen.

Also, vor des Richters Walten wird,
was heimlich, sich entfalten,
Vor der Rache nichts behalten.

Ach! wie werd` ich dann bestehen?
Wen zum Anwald mir erflehen,
Wenn Gerechte schier vergehen?

Herr, vor dessen Wacht wir beben,
Freie Gnade kannst du geben;
Rett`, o Gnadenquell, mein Leben!

Liebevoller Jesu, stehe,
Wie ich Ziel war deiner Mühe,
Daß ich jenem Zorn entfliehe!

Mir nach war dein Schritt gewendet,
Du am Kreuz für mich verpfändet;
So viel Müh` sey nicht verschwendet!

Rächer mit der heil`gen Wage,
Tilge wider mich die Klage
Vor dem großen Rügetage!

Sieh`, ich seufze schuldbeladen,
Schamroth über solchem Schadest;
Hör` mein Flehen, Gott, in Gnaden!

Du, der schuldfrey sprach Marien,
Und dem Schächer noch verziehen,
Hast auch Hoffnung mir verliehen.

Unwerth ist mein Fleh`n zu nennen,
Doch du Treuer, wollst mir gönnen,
Nicht in ew`ger Glut zu brennen!

Zu den Schafen mich geleite,
Von den Böcken in die Weite
Stelle mich zur rechten Seite!

Wenn Verworf`ne dein Verdammen
Niederstürzt in Pein und Flammen,
Ruf mit Sel`gen mich zusammen!

Flehend neig` ich Haupt und Hände,
Glimmt mein Herz wie Asche; —
Wende Dich zu mir an meinem Ende! —

(O des Tages voller Zä`hren;
Wenn vom Gtaube wiederkehren
Zum Gericht die Sünderschaaren!
Gott, dann woll`st du gnädig fahren!
Jesu, frommer König du,
Führe sie zu deiner Ruh!)

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