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DA DRAUSSEN FALLEN SIE, TAUSEND

- Gedicht von Otto zur Linde

DA DRAUSSEN FALLEN SIE, TAUSEND

Da draußen fallen sie, tausend
Im Tag; die Sense geht sausend
Durchs Korn in Todes Hand.

Was ist das? Wohl leer ist von Männern
Die Stadt. Doch mit bunten Bändern
Geschmückt ist der Mädchen Gewand.

Was ist das? Wenn wir auch schicken Fraun,
Greise und Kinder in Fabriken,
Und ein Volk lebt Tag, Wochen und Jahre dahin,

Als wäre des Krieges Ereignis
Kein Wirkliches, kaum ein Gleichnis,
Und ohne anderen Sinn

Denn höhere Löhne im Lande
Und eine Wucherer Bande
Und teurerer Genuß.

Was ist das? Die Gier ist verschärfet,
Die zuckenden Glieder werfet
Ihr toll in wirbelnden Fluß.

Das Bier ist dünn. Doch die Weiber
Biegen begehrliche Leiber;
Urlaubers Puppchengesicht

Auf allen Straßen am Festtag —
An Ostfront, Süden, und West mag
Der Tod stehn. In Deutschland aber nicht.

Was ist das? Wenn auch wohl Weinen
Der Witwen. So doch kein Erscheinen
Des Heiligen im Kriegesernst.

Tod ist Unglück, kein Erhabenes;
Was Beendetes ists, Begrabenes —
Taufe der Herzen? Heiligung der Schmerzen?
Brennende Jenseitskerzen? Oh allerfernst.

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