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Das Marienbild

- Gedicht von Johann Georg Jacobi

Das Marienbild

Da wo die Tausend-schönchen blühn,
Das Wiesenbächlein quillt,
Da steht an einer Linde grün
Ein schön Marienbild.

Am Bilde, stattlich anzusehn,
Ein Kranz von Rosen hängt,
Und noch ein Kränzchen wunderschön
Mit Rosmarin vermengt.

Wer bracht; in seinem frommen Sinn
Die Kränze so vereint?
Das tat wohl eine Schäferin
Mit ihrem trauten Freund.

Das Mädchen da die Schaafe trieb.
Am Bächlein auf und ab,
Vorbei dem Bild, und hatt` es lieb.
Und manchen Blick ihm gab;

Und kniete vor dem Strahlenschein:
»Gib meiner Seele Ruh!
Laß mich in Demut heilig sein,
Holdseligste, wie du!«

Sein Herze wurd` ihm leicht und froh;
Der Blumen allgenug
Es wachend und in Träumen so
Zur grünen Linde trug.

Und als die Linde golden schien
Im frühen Sonnenglanz:
»Wer hieng den frischen Rosmarin
Um meiner Blumenkranz?«

Da kniet` es nieder in den Tau,
Ward irrig im Gebet;
Ein Tränchen war im Auge blau,
Bis an den Abend spät.

Das Mädchen nun die Schaafe trieb
Am Bächlein auf und ab;
Und hatte noch was anders lieb,
Und Seufzer oft ihm gab.

Da kniet` es in den Abendtau;
Es hatte keine Ruh;
Da schloß es nicht sein Auge blau
Bis an der Morgen zu.

Doch als die Linde golden schien,
Da faß im Sonnenglanz
Ein junger Hirt auf seinen Knien
Vor einem frischen Kranz.

Das Mädchen auf die Erde sah;
Gieng auf die Wiese schnell;
Der Hirte war ihm plötzlich nah
Wohl an dem Bächlein hell.

»O Mädchen! wenn die Jungfrau dich
Vom Himmel hören soll,
O Mädchen! Mädchen! höre mich.
Bin treuer Liebe voll.«

O flieh, entfliehe! Nimmermehr,
Du junger Hirte! Nein!
Betrüben würd` ich allzusehr
Den heil`gen Engel mein.

»Dein Engel hat mich hergeführt,
Die Wiese mir gezeigt,
Dein Engel hat mein Herz gerührt,
Und dich zu mir geneigt.«

Das Mädchen, wie die Rose rot,
Der Hirte bleich und blaß:
Will sein getreu bis in den Tod:
Und beider Wangen naß.

Da bringt in ihrem frommen Sinn
Die Kränze si vereint
Alltäglich noch die Schäferin
Mit ihrem trauten Freund.

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