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Den Wald durchläuft verworrner Stimmen Klang

- Gedicht von Paul Heyse

Den Wald durchläuft verworrner Stimmen Klang

Den Wald durchläuft verworrner Stimmen Klang,
Der Winde seufzender Gesang,
Des Taubers Gurren tief im Neste;
Am Tag der Mücken schwirrend Geigenspiel,
Und nun das Mondlicht durch die Büsche fiel,
Des Hirsches Ruf, der dumpfgepreßte.

Horch! endlos sich verschlingend irrt und schweift
Das süße Flüstern. Welcher Sinn begreift,
Was die Natur hinstammelt sommertrunken!
Wir lauschten, unter Farn` und Dorngerank,
Vom Wald umsäuselt auf der dunklen Bank,
Und zählten hoch am Firmament die Funken.

Ich hielt den Mund dicht an dein Ohr gepreßt.
Weich wie das Vögelchen im Nest
An deinem Busen lag mein Herz gebettet.
Wir sprachen - was? wir wußten`s selber nicht;
Ein Stammeln war`s, wie wenn die Seele spricht,
Vom Bann der Weisheit losgekettet.

Wie Blume, Baum und Strauch war uns geschehn.
In unvernünftig sel`gem Einverstehn
Fing unser Innres wortlos an zu lallen.
Was Wunder! Sind nicht unsere Herzen auch
Ein Stück Natur, wie Blume, Baum und Strauch,
Des Einklangs froh mit den Geschwistern allen?

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