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Forderungen.

- Gedicht von Karl Egon Ebert

Forderungen.

Der Dichter.

Maler, weißt so schon zu fesseln
Manchen flücht‘gen Augenblick,
Male mir des Liebchens Treue,
Einen Kuss mir nur zurück.

Der Maler.

Dichter, weißt so viel zu sagen
Von des Jenseits gold’nem Schein,
Dichte wieder mir ins Leben
Meinen toten Freund herein.

Der Dichter.

Kann ich auch nicht Tote wecken,
Ist doch Traum mein guter Bot‘,
In dem Freund will ich ihn senden
In das ew’ge Morgenrot.

Warm und treu will ich ihn schildern,
Wie er lebte, wie er war,
Und du hast ihn neu gewonnen
Aus der dunkeln Totenbahr‘.

Der Maler.

Kann ich auch nicht Treue malen,
Und den Kuss, wie heiß er brennt,
Will ich doch die Holde bilden,
Wie sie wohl dein Herz noch kennt.

Blickst du dann nach ihren Lippen,
Die sich öffnen, wie zum Gruß,
Rückst du schnell die Zeit zurücke,
Und du fühlst den glüh’nden Kuss.

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