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An Thills Grab

- Gedicht von Friedrich Hölderlin

An Thills Grab

Der Leichenreihen wandelte still hinan,
Und Fackelnschimmer schien auf des Teuren Sarg,
Und du, geliebte, gute Mutter!
Schautest entseelt aus der Jammerhütte,

Als ich, ein schwacher, stammelnder Knabe noch,
O Vater! lieber Seliger! dich verlor,
Da fühlt ichs nicht, was du mir warst, doch
Mißte dich bald der verlaßne Waise.

So weint ich leisen Knabengefühles schon,
Der Wehmut Träne über dein traurig Los,
Doch jetzt, o Thill! jetzt fühl ichs ernster,
Schmerzender jetzt über deinem Hügel,

Was hier im Grab den Redlichen Suevias
Verwest, den himmelnahenden Einsamen.
Und, o mein Thill ! du ließst sie Waisen?
Eiltest so frühe dahin, du Guter?

Ihr stille Schatten seines Holunderbaums!
Verbergt mich, daß kein Spötter die Tränen sieht
Und lacht, wann ich geschmiegt an seinen
Hügel die bebenden Wangen trockne.

O wohl dir! wohl dir, Guter! du schläfst so sanft
Im stillen Schatten deines Holunderbaums.
Dein Monument ist er, und deine
Lieder bewahren des Dorfes Greisen.

O daß auch mich dein Hügel umschattete
Und Hand in Hand wir schliefen, bis Ernte wird,
Da schielten keine Vorurteile,
Lachte kein Affe des stillen Pilgers.

O Thill! Ich zage, denn er ist dornenvoll,
Und noch so fern, der Pfad zur Vollkommenheit;
Die Starken beugen ja ihr Haupt, wie
Mag ihn erkämpfen der schwache Jüngling?

Doch nein! ich wags! es streitet zur Seite ja
Ein felsentreuer, mutiger Bruder mir.
O freut euch, selige Gebeine!
Über dem Namen! Es ist – mein Neuffer.

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