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Romanze

- Gedicht von Julius Wilhelm Fischer

Romanze

Die Meute klafft, das Horn erschallt,
Die Gräfin steigt zu Rosse
Und fliegt dahin in den grünen Wald,
Gefolgt vom glänzenden Trosse.

Wie steht das enge Kleid so gut
Dem schönen, wilden Kinde!
Wie nickt die Feder auf ihrem Hut
Im frischen Morgenwinde!

Und als sie kamen zum grünen Wald,
Wo Hirsch` und Rehe springen,
Ha, wie das schallt und wiederhallt,
Wann die lustigen Hörner klingen!

Dem Zuge stets die Gebieterin
Vorauf voll Kraft und Wonne,
Mit fröhlichem Sinn durch den Forst dahin, —
Und höher steiget die Sonne.

Da plötzlich in Waldeseinsamkeit
Sieht sie ein Kloster ragen,
Grau und moosig, kühl und weit,
Einen Bau aus alten Tagen.

Sie stößt in`s Hörn, es trägt der Wind
Das Zeichen schnell in die Ferne:
Mein fröhlich Gesind, zu Haus` geschwind!
Hier ruhe und raste ich gerne.

Bald ruft der lockende Silberklang
Sie her von allen Wegen —
Ein Glöcklein tönet und Chorgesang
Schallt mächtig ihnen entgegen.

Sie zügelt ihr Roß, still hält der Troß,
Dem ernsten Liede zu lauschen,
Das machtvoll sich in das Thal ergoß,
Wie Waldeswasser rauschen.

Sie stützt ihr Haupt in die schöne Hand:
Von den Stimmen, die dort schallen,
War eine ihr gar wohl bekannt, —
Ach, einst die liebste von allen!

Sie neigt ihr Gesicht noch zweifelnd, da spricht
Keck ihre Lieblingszofe: Hört ihr Herrn Walters Stimme nicht?
Einst klang sie an unserm Hofe.

Da nie ihm lächelte euer Mund,
Ist er ein Mönch geworden,
Der lieblichste Sänger noch jetz und
Im ganzen, frommen Orden.

Und mächtiger schwellen die Töne an:
Maria, Holde, Reine!
Doch unter all den Stimmen kann
Man wohl erkennen die Eine.

Die Gräsin lauschet und bleibet stumm.
Verloren in schmerzliches Sinnen —
Dann wirft sie plötzlich ihr Roß herum
Und jagt im Fluge von hinnen.

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