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Märchen - Hans Stumme: Maltesische Märchen

Die drei Anklagen

Es war einmal ein Mann; der zog seines Weges dahin und traf mit einem anderen Manne zusammen, der einen Esel hatte; das Tier war auf dem Wege niedergestürzt. Der Mann rief ihm zu, ihm zu helfen den Esel auf die Beine zu bringen. Das tat der erste, riss hernach aber dem Esel den Schwanz aus. Der Mann verklagte ihn.

Hierauf zog der Verklagte seines Weges weiter in ganz verzweifelter ... weiterlesen


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Caterina

Caterina arbeitete auf dem Lande, auf dem Felde, in einsamer Gegend, sowie im Stalle. Da, wo sie war, war auch ein junger Mensch; der wollte sie heiraten. Er wollte sie zu seiner Braut machen; als er ihr aber einen Antrag stellte, liess sie ihm erwidern, sie wolle ihn nicht haben. Einst, an einem Nachmittage, suchte sie ihn auf; und als sie ihn verliess, waren gegen zwei Stunden verstrichen. ... weiterlesen


Goldähre

Einmal lebte ein kleines Mädchen. Sie hatte ein Haupthaar, das auf dem Erdboden nachschleppte und gelb wie Gold aussah. Diese Kleine war so schön, dass man sie stets ›Goldähre‹ nannte. Aber, ach, – Goldähre besass eine Menge hässlicher Fehler und schlechter Gewohnheiten, – mehr als sie Haare auf dem Kopfe hatte!

Eines schönen Tages sass unsere Goldähre auf ... weiterlesen


Der Schakal und der Igel

Einst trafen der Schakal und der Igel zusammen. Der Schakal sprach: »Ist es dir recht, dass wir ein Stück Feld gemeinschaftlich besäen?« »Jawohl!« versetzte der Igel. Als die Saat dann emporgewachsen war, sprach der Igel zum Schakal: »Jetzt müssen wir teilen!« »Teilen wir also, was dasteht!« »Was willst du haben? Das Untere oder das Obere?« »Ich nehme das Obere!« »So mähe!« ... weiterlesen


Runzelschmutzchen

Es war einmal ein Mann; der besass ein Weizenfeld, auf das er sich täglich begab, um aufzupassen; denn die Vögel kamen immer und frassen ihm den Weizen weg. Er machte schliesslich eine Puppe aus Lumpen und hing sie an einem Baume auf, damit sie im Winde hin und herbaumele und die Vögel erschreckt würden.

Eines Tages kam der Königssohn dort vorüber, der sich gerade auf der Jagd ... weiterlesen


Die sieben Schläfer

Sie hatten ununterbrochen siebentausend Jahre geschlafen. Nach siebentausend Jahren standen sie auf. Einer von ihnen sprach: »Ältester Bruder, du kannst jetzt gehen und etwas kaufen, was wir essen!« Der älteste Bruder erwiderte: »Ja! Gib mir das Geld!« Der andere gab das Geld ihrem Ältesten. Der letztere ging fort und kam nach einem Laden, zu dessen Besitzer er sprach: »Gib mir ein Pfund ... weiterlesen


Dschahan und die Kichererbsen

Es war einmal einer, der Dschahan hiess. Einst sprach er zu seiner Mutter: »Gieb mir einen Centime, damit ich Kichererbsen dafür kaufe!« Seine Mutter gab ihm einen Centime, und er holte sich Kichererbsen. Hernach sprach sie zu ihm: »Mein Junge, ich muss ausgehen und die Messe hören.« Als sie fort war, machte er die Tür auf und ging hinaus. Draussen war eine Frau; zu der sprach er: »Heb' ... weiterlesen


Der goldene Adler

In einer gewissen Stadt befand sich ein gewisser Schuster; der hatte drei sehr schone Mädchen. Einst kam ein feiner Herr bei ihnen vorbei; als er die drei Mädchen erblickte, fand er an einer von ihnen Gefallen und wollte sie heiraten. Er trat beim Schuster ein und liess sich drei paar Schuhe anmessen. Beim Weggehen sprach er: »Meister, ich wünsche, dass du die eine deiner Töchter an mich ... weiterlesen


Der Vogel, der durch seinen Gesang das Alter um ei

Es war einmal ein König; der besass drei jugendliche Söhne. Der älteste hiess Tillu, der zweite Guttu und der jüngste Giuseppe.

Der älteste sprach einst zu seinem Vater: »Vater, die Leute haben mir gesagt, dass es in einem Lande, weit drinnen im Innern, einen Vogel gebe, der durch seinen Gesang das Alter um ein Jahr verjünge.« »Nein, mein Sohn!« versetzte der König; »bitte! ... weiterlesen


Der Kater

Es war einmal ein Müller; der hatte drei Söhne. Er besass weiter nichts als seine Mühle, einen Esel und einen Kater. Als er starb und die Söhne kamen, damit die Erbteilung ausgeführt würde, schickten sie weder nach Advokaten noch nach Notaren, sondern verteilten gleich alles untereinander: der älteste Sohn nahm die Mühle, der mittlere den Esel und der dritte den Kater. Diesem dritten ... weiterlesen


Der siebenköpfige Drache

Es war einmal ein Knabe und ein Mädchen, die Geschwister waren. Sie besassen drei Schafe. Der Knabe pflegte diese auf die Weide zu treiben, während das Mädchen zu spinnen pflegte.

Einst weidete der Knabe auch die Schafe, und während er dies tat, kam ein Mann auf einem Pferde daher, der einen Hund bei sich hatte. Er sprach zum Knaben: »Wir wollen ein Tauschgeschäft machen: ich gebe ... weiterlesen


Diamantina

Es war unter anderen einmal eine Witwe; die hatte zwei Töchter: die ältere war das Bild ihrer Mutter, in Gesicht und Manieren glich sie ganz der Mutter. Aber weil dieser beiden Herz schlecht war, und sie stolz und anmassend waren, konnte sie niemand leiden, vielmehr hasste sie jedermann. Die jüngere Tochter dagegen war freundlich mit jedermann und liebte jeden, und jedermann liebte sie. ... weiterlesen


Der Brief

Es lebte einst eine sehr schöne Frau. Jeden Abend ging diese Frau aus und in der Stadt spazieren, und eine Menge junger Leute, die sich (in sie) verliebt hatten, (liefen) hinter ihr her und gingen allemal nach ihrem Hause mit, ohne dass sie jemand später wieder zu sehen bekommen oder gehört hätte, was aus ihnen geworden sei.

Da war nun ein junger Mann, mutig ohnegleichen, – der ... weiterlesen


Sonne und Mond

Es war einmal ein König; der musste auf eine Reise ziehen, und seine Frau blieb mit seiner Mutter daheim. Erstere gebar zwei Kinder, deren Namen waren Sonne und Mond. Die Mutter des Königs schrieb nun ihrem Sohne, dass seine Frau einen Kater und eine Katze (geboren) habe. Und zur Nachtzeit schloss die Königin-Mutter die junge Frau im Keller ein und gab ihr allemal bloss ein Stück Brot und ... weiterlesen


Leila und Keila

Im Türkenlande lag eine Stadt; in dieser Stadt lebte ein gewisser Statthalter, dessen Herz sehr schlecht war, und der, weil er keine Bezahlung von Seiten des Sultans erhielt, die Armen zu bedrücken pflegte.

Einmal hatte er einen Handel mit einem armen Tischler, und um sich zu rächen, legte er ihm auf; eine Summe von dreihundert Unzen Gold zu bezahlen. Der arme Tischler besass weiter ... weiterlesen


Die Schullehrerin

Es war einmal einer namens Gianni; der wollte eine staatlich Angestellte heiraten, weshalb man ihr immer eine Frau, die das Verlöbnis zustandebringen sollte, nachsandte. Zuletzt fand er aus, dass das junge Mädchen in einer Schule sei, wo sie Unterricht erteilte. Nun sandte er ihr durch die Vermittlerin Briefe in Menge; aber sie erfuhr nichts davon.

Eines Tages stellte sich Gianni ... weiterlesen


Der Priester Don Paulo

Der Priester Don Paulo hatte einen Diener. – Es klopfte an die Tür; Don Paulo öffnete die Tür, und zwei Herren traten ein. »Wie geht's, Sor Don Paulo? Ja, wir kommen, um dich einzuladen, denn heute über acht Tage heiratet unser Kind.« Don Paulo setzte ihnen nun etwas vor und wünschte ihnen dann Lebewohl mit den Worten: »Ich hoffe kommen zu können.«

Der Diener, der ein sehr ... weiterlesen


Der Affe, der ein Mädchen entführte

Es war einmal ein Mädchen; das schnitt etwas Gras vom Felde. Ein Affe kam vorbei, packte sie und nahm sie mit, und zwar nach dem Meere. Er nahm einen grossen Feigenbaumstamm her und beförderte das Mädchen auf den Stamm, während er auch selbst aufstieg. Dann begann er zu rudern und fuhr so auf dem Baumstamme dahin. Er gelangte nach einem Lande, an dem nicht allzuviel Dampfer vorüberzufahren ... weiterlesen


Der Fischersohn

Es war einmal ein König; der hatte eine Tochter, aber immer wünschte er, es möchte ihm auch ein Sohn werden. Deshalb fragte er immer seinen Koch, ob er ihm nicht irgendwoher einen Knaben verschaffen könne, damit er ihn grossziehe. Der Koch sagte ihm, dass er einen armen Fischer kenne, der ihm vielleicht einen seiner Knaben übergäbe, dass er ihn grossziehe.

Der Koch begab sich dann ... weiterlesen


Margherita

Margherita sprach bei sich: »Ich habe vor, ehe ich sterbe, noch viele Leute auszuplündern!« – Einst starb ein kleines Mädchen. Margherita ging aus und suchte zu erfahren, wo man das Kind beerdigte, um hingehen und es aus dem Grabe holen und mitnehmen zu können. So zog sie denn nach Mittag, als die Leute schliefen, aus, öffnete das Grab, entnahm ihm das Kind und begab sich mit ihm zu ... weiterlesen


Der Herr im Kasten

Es war einmal ein Herr; der wollte in die Familie einer Dame mit drei Töchtern einheiraten. Er begehrte die jüngste zur Frau; drum liess er bei ihr anfragen, aber sie wollte ihn nicht. Da wollte er sie gar nicht mehr einfach heiraten, sondern sie entführen.

Er begab sich nun zu einem Tischler und sprach zu ihm: »Lege mich in einen Kasten aus Glas und schmücke mich mit Blumen!«1 ... weiterlesen


Die Kapuziner

Es war einmal ein Haus; in ihm lebten eine Frau und ein Mann; der Mann war ein Räuber, die Frau besass ein mitleidiges Herz.

Einst brach die Nacht an, – da kamen drei Kapuziner dort vorüber. Jenes Dorf kannten sie nicht. Sie sahen einen Lichtschein in der Ferne, gingen ihm nach und klopften an. Sie fanden jene Frau vor, zu der sie sprachen: »Maria, wir sind fremde Leute; mögest ... weiterlesen


Von einem Jungen, der aus dem Elternhause floh

Es war einmal ein Junge; dessen Eltern waren arme Leute. Einst schickten sie ihn fort, Öl zu kaufen; er verspielte aber unterwegs das Geld für das Öl. Darauf wagte er sich nicht nach Hause, denn er hatte Angst, dass seine Eltern ihn durchprügeln würden. Er begab sich an das Seeufer bei der Stadt; dort lag gerade ein Schooner mit zahlreichen Matrosen, denen er lange Zeit zusah. Schliesslich ... weiterlesen


Die Geldbörse

Es war also einmal ein Mann; der wanderte nach Hause – er kam von der Arbeit – und fand einen grossen Beutel voll Geld. Sofort versetzte er sich einen Schlag an die Stirn und rief aus: »Hier ist mein Glück! Nun brauche ich nicht mehr zu arbeiten! Ich bin jetzt ein Herr und will nun reisen!« Und mit diesen Worten begann er, des Weges weiterzuziehen. Er erblickte ein Haus, das zu ... weiterlesen


Die sieben krummen Zitronen

Da war einmal ein König; der war schon lange verheiratet. Er wünschte, es möchte ihm ein Sohn werden. Nach einer gewissen Zeit ward ihm ein Sohn. Der König hatte aber ein Gelöbnis getan: wenn ihm ein Sohn würde, so wolle er eine Quelle, die Öl fliessen liesse, für die Armen herstellen.

Nachdem er die Ölquelle gemacht und viele Zeit verflossen und der Knabe gross geworden war, ... weiterlesen


Der Mann und seine Schwester

Es war einmal eine Frau und ein Mann, – alte Leute. Und diese Frau sprach zum Manne: »Wir haben ein paar Schafe; geh' hin und weide sie!« Der Mann nahm die Schafe und zog mit ihnen aus und begab sich mit ihnen auf ein Feld, wo er sie zu weiden begann. Während sie das Gras abfrassen, kam der Herr des Feldes herbei, der zu dem Manne sprach: »Was machst du hier? Schämst du dich nicht ... weiterlesen


Der Priester Don Isidoro

Don Isidoro hatte fünfzehn Schuljungen; die musste er immer spazieren führen. Schliesslich sagte er einmal zu den Jungen: »Der Atem wollte mir bei dem Spaziergange, den wir gemacht haben, ausgehen. Ich denke, ich muss krank sein; ich werde einmal hingehen und mit einem Arzte sprechen.« Als er den Arzt daraufhin anredete, sprach dieser zu ihm: »Nein! Dir fehlt nichts; Du hast kein inneres ... weiterlesen


Einleitende Bemerkungen über den Inhalt der Samml

Die hier veröffentlichten Stücke sind die Übersetzung der Texte meiner mit der vorliegenden zugleich erscheinenden Schrift »Maltesische Studien. Eine Sammlung prosaischer und poetischer Stücke in maltesischer Sprache, nebst Erläuterungen« Leipzig 1904 (oder: Leipziger semitistische Studien, I. Band, 4. Heft, also das dem vorliegenden vorangehende Heft der jungen Serienpublikation). Jene ... weiterlesen


Dschahan und die Kichererbse

Es war einmal ein Junge namens Dschahan; der hatte einst zu seiner Mutter gesagt: »Gib mir einen Centime!«, worauf sie erwiderte: »Wozu einen Centime?« »Damit ich Bohnen dafür kaufe.« »Bohnen haben Schalen!« »Dann werde ich Nüsse kaufen.« »Die haben auch Schalen!« »Dann werde ich Kichererbsen kaufen!« »Gut!« sprach die Mutter und gab ihrem Dschahan drei Centimes, und er ging ... weiterlesen


Die Prinzessin, welche hundert Jahre schlief

Es war einmal ein König und eine Königin; sie hatten keine Kinder, weswegen sie sehr betrübt waren und wünschten, sie hätten einen Knaben oder ein Mädchen. Schliesslich gebar die Königin ein Mädchen und freute sich so sehr über das Kind, dass sie alle Zauberinnen ihres Landes zu sich berief und einlud, zur Taufe des Kindes zu kommen. Nach der Feierlichkeit nahm man ein Frühstück ... weiterlesen


Angiolina

Angiolina hatte fünf Brüder, die junge Leute waren. Diese hatten ein Zimmer zum Schlafen für sich allein, und Angiolina schlief in einem anderen Zimmer allein. Sie waren bemittelte Leute.

Da waren nun zwei Einbrecher; die verabredeten sich, sie zu bestehlen. Der eine von ihnen sprach zu seinem Genossen: »So etwas bekommen wir nicht leicht fertig, denn es sind fünf Männer da; sie ... weiterlesen


Der goldene Löwe

Es war einmal ein König; der hatte eine Tochter, und diese wollte gern heiraten. Ihr Vater, der König, wollte sie aber nicht gern hergeben. Da sprach er zu ihr: »Ich werde dich in einem grossen Garten verstecken, in welchem – nach meiner Meinung – dich kaum jemand finden kann.« Und dann schickte ihr Vater, der König, Briefe herum: dass er eine Tochter zu verheiraten habe; wer ... weiterlesen


Dschahan

Es war einmal eine Frau; die hatte einen Jungen mit Namen Dschahan; er war faul und wollte nichts arbeiten. Sein Vater hatte deshalb immer seinen Zank mit seiner Frau: »Ich muss immer arbeiten, und der Junge sitzt da! Sieh' doch zu, dass du ihn irgendwohin auf Arbeit schickst!«

Dschahan kam nun zu einem Manne, für den er Kleiderstoffe verkaufen musste. Der gab ihm ein Stück Tuch, und ... weiterlesen


Kugelchen

Es war einmal ein Mann, der Holzhacker war. Er hatte eine Frau und zehn Jungen; der älteste war zehn, der jüngste fünf Jahre alt. Die Leute waren sehr arm, und da sie diese Jungen hatten, konnten niemals alle satt zu essen bekommen. Der jüngste war eigentlich ein ganz winziges Stückchen Mensch; und weil er, als er geboren wurde, wie eine Kugel aussah, nannten sie ihn »Kugelchen«. So klein ... weiterlesen


Die siebenköpfige Schlange

Es war einmal ein Junge; der befand sich bei einem Schmiede. Letzterer hatte eine grosse Eisenstange da. Er sprach einst zum Jungen: »Giuseppe, geh' und hole ein paar Leute; sie sollen diese Eisenstange fortrollen!« »Es ist gar nicht nötig, dass ich Leute hole!« versetzte der Junge. Der Schmied sprach: »Ich kann sie nicht fortrollen; dazu habe ich keine Kraft!« Und er fuhr fort: »Geh', ... weiterlesen


Die Nichte

Es war einmal ein Mann; der klebte einmal Anschlagzettel an die Wände. Die Zettel hatten den Inhalt: Es befände sich ein sehr hoher Herr in einem anderen Lande, dem seine Frau gestorben sei Wenn sich hier auf Malta jemand befände, der mit ihr verwandt sei, so möge er hinreisen und sich zu jenem hohen Herrn begeben; denn die Tote habe einst geäussert, sie habe Verwandte auf Malta. – ... weiterlesen


Die drei Wünsche

Es war einmal ein recht armer Mann; der hatte eine sehr hübsche Frau geheiratet. Eines Tages hatten sie sich ins warme Bett gelegt, da sie vor Kälte klapperten, und begannen sich zu unterhalten und sich zu sagen, was sie tun würden, wenn sie viel Geld hätten. »Wäre ich reich«, so sprach die Frau, »da würdest du sehen, wie zufrieden ich wäre!« »Ich wäre da auch zufrieden«, versetzte ... weiterlesen