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Märchen - Ignaz und Joseph Zingerle: Kinder und Hausmärchen aus Süddeutschland

Der glückliche Schneider

Es war einmal ein blutarmer Schneider, der kam auf den Gedanken, sein Schwein an den König zu verkaufen, um doch einen ehrlichen Preis dafür zu bekommen. Er fuhr also damit in die Hofburg, und da ihm gerade ein Bedienter in den Weg kam, erkundigte er sich, wieviel er etwa bei dem König für seine Ware verlangen dürfe.

»Verlange nur die gruselnde Henne«, antwortete ihm der ... weiterlesen


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Die zwei Hafner

Zwei Hafner waren mitsammen auf der Wanderschaft. Da traf es sich einmal, daß sie beim Einbruch der Nacht noch im Wald waren und daran denken mußten, hier zu übernachten. Es ging aber die Rede von diesem Wald, daß darinnen Hexen hausten und auf einem hohlen Baum ihre nächtlichen Zusammenkünfte hielten.

An diesen hohlen Baum kamen die zwei Hafner, und der eine von ihnen sagte, darin ... weiterlesen


Das Kasermännlein

In alter Zeit ging einmal ein Bauernknecht auf das Bergmahd, um Heu herabzuholen. Auf dem Weg dahin kam er an einer Sennhütte vorbei, die leer stand. In diese schrie er mutwillig hinein: »Kasermandl, wenn ich zurückkomme, mußt du mir Buttermilch geben!«, und ging seinen Weg weiter.

Der Bursche war bald auf dem Heumahd droben, besorgte lustig und froh seine Arbeit und dachte nicht ... weiterlesen


Die verstorbene Gerechtigkeit

Vor langer Zeit lebte ein gewaltig reicher und mächtiger Graf, dem alles nach seinem Kopf gehen mußte. Er fragte nicht nach Recht und Billigkeit, sondern schaltete und waltete nur nach Willkür. Da kam er einmal auf einem Spazierritt zu einem großen, schönen Landhaus, das ihm gar sehr in die Augen stach. Er besichtigte deshalb das ganze Gehöft und ritt dann vor das Haus hin, wo eben der ... weiterlesen


Der Ziegenhirt

Es war einmal ein armer Holzhacker, der lebte sehr sparsam mit seinem Weib und seinem Kind, denn nur mit der größten Anstrengung konnte er sich und den Seinigen den nötigen Lebensunterhalt verschaffen. Als er aber starb, härmte sich das Weib so ab, daß sie ihm bald nachfolgte und Hiesl, so hieß das Kind, ganz einsam und verlassen dastand. Nachdem er zwei Tage und zwei Nächte bei dem Grab ... weiterlesen


Der Stinkkäfer

Vor langer, langer Zeit lebte ein armer Knabe, der eine böse Stiefmutter hatte. Sie war ihm so feindlich gesinnt, daß er ihr nichts recht machen konnte und alle Tage Scheltworte und Schläge bekam. Einmal gab sie dem guten, armen Kind einen großen Korb und sprach: »Mach dich, kleiner Darm, gleich in den Wald hinaus und suche Moosbeeren, und bringst du den Korb nicht voll zurück, so sollst ... weiterlesen


Die zwei Schächtelchen

Es waren einmal ein Mädchen und ein Bübchen, die nahmen einander bei der Hand und gingen in den Wald hinaus, wo sie einen Platz wußten, der von Erdbeeren dicht überwachsen war. Als sie dort ankamen und die roten Dingerchen ihnen entgegenlachten, juchzten sie auf vor Freude, nahmen ihre Körbchen hervor und knieten auf den Boden hin. Sie pflückten, soviel nur die Hände ertaten1, und ... weiterlesen


Die zwei Königskinder

Es waren ein König und eine Königin, die hatten sich lieb und waren fein miteinander wie die Engel im Himmel. Noch war es nicht lange her seit ihrer Hochzeit, da brach ein furchtbarer Krieg aus. Der König mußte Abschied nehmen von seiner lieben Gemahlin und dem Feind entgegenziehen.

Wie er nun im Feld stand, erhielt er eines Tages einen Brief von seiner Mutter, darin stand ... weiterlesen


Warm und kalt aus einem Mund

Es war einmal ein Mann, der schlug tief im Wald Holz. Zu diesem kam ein Waldmännlein, das gar freundlich zu ihm sprach. Es war aber sehr kalt, denn es war mitten im Winter, und den Mann, der Holz hackte, fror es sehr an seinen Händen. Oft legte er die Axt beiseite und hauchte in die hohlen Hände, um sie dadurch zu erwärmen.

Das Waldmännlein sah dies und fragte ihn, was das zu ... weiterlesen


Die Kröte

Ein mutwilliger Bub legte einmal einen brennenden Schwamm1 auf den Rücken einer großen Kröte, die an einer Mauer saß. Da kniete das arme Tier auf, faltete die Vorderpratzen und sah den Knaben so flehend an, daß er gleich den Zunder wegnahm. Die Kröte war aber eine arme Seele gewesen.



(mündlich aus Absam)

Fußnoten

1 Schwamm = Zunder


Die schöne Wirtstochter

Es war einmal eine schöne Wirtin, die hatte eine Tochter, die noch weit schöner war als sie selber. Die Wirtin war aber ein überaus eitles Ding, und es jagte ihr allemal die Galle auf, sooft sie von den Gästen zu verstehen bekam, daß das Wirtstöchterlein den Leuten weit besser gefalle als die Frau Mutter. Schließlich wurde sie so eifersüchtig, daß sie ihren Knechten den Auftrag gab, ... weiterlesen


Das fromme Kind

Es war einmal ein gar gutes, frommes Mädchen, das trieb die Schafe auf den Berg und hütete sie dort. Auf dem Berg war aber ein Bildstöcklein der Muttergottes, und dem machte das Mädchen Kränze und band ihm Blumensträuße zusammen. Einmal wand es ihm wieder ein Kränzlein, und da lief es um Blumen so hin und her, daß es voll Ritze wurde. Und wie es mit dem Kranzl fertig war, war es schon ... weiterlesen


Die Schlange

Vor alter Zeit, da noch das Schloß auf dem Hügel droben stand, lebte darin ein Graf mit seiner Hausfrau. Sie hatten Güter in Hülle und Fülle und hätten das glücklichste Paar sein können, wenn ihnen nicht ein Kind und der häusliche Friede gefehlt hätten. Vom frühesten Morgen bis spätabends zankten und haderten Graf und Gräfin, und er hieß seine Frau nie anders als die hale1 ... weiterlesen


Die zwei Künstler

Ein Goldschmied und ein Wahrsager kamen an einem Sonntag in einem Wirtshaus zusammen. Sie fingen an, mit ihren Künsten zu prahlen, und da keiner dem andern nachgeben wollte, so beschlossen sie, es etwas gelten zu lassen. Sie wetteten also dreihundert Gulden, die derjenige bekommen sollte, der in einer Woche das größere Kunststück zuwege bringen würde.

Der Goldschmied ging schon am ... weiterlesen


Der Bauernbursche

Ein Bauernbursche ging an einem Sonntagabend von seiner Heimat weg, um zu einem Mädchen heimgarten zu gehen. Er hatte ziemlich weit bis zum Haus des Mädchens, und sein Weg führte ihn über einen Bach und dann durch einen pechfinsteren Wald.

Da stand mitten zwischen den riesigen Bäumen eine Kapelle, und dort erblickte der Bursche einen großmächtigen Kerl, den er nicht kannte. Er ... weiterlesen


Die Drachenfedern

Es war einmal vor langer Zeit ein reicher Wirt, der hatte eine wunderschöne Tochter. Neben dem Wirtshaus wohnte in einer gemieteten Hütte ein armer Holzhacker mit seinem Sohn. Dieser war ein lebensfroher, rüstiger Junge, der schönste Bursche im ganzen Dorf und dazu noch recht brav und arbeitsam. Immer war er guter Dinge und zur Arbeit aufgelegt, nur wenn er die Liese, die Wirtstochter, sah, ... weiterlesen


Der Riese

Unversehens kam einmal ein Hütebub in eine Berghöhle und erblickte da zu seinem Schrecken einen Mordskerl von einem Riesen. Der saß an einem Tisch, stützte den schweren Kopf auf die Hand und schnarchte wie ein Trompeter. Der Bub hatte keinen Schneid, den langen Lümmel aufzuwecken, und lief Hals über Kopf in das Dorf.

Keuchend erzählte er den Bauern, was er gesehen habe und wie er ... weiterlesen


Kugerl

Beim Sandhügel droben hauste vor langer Zeit ein Wichtlein.

Es war kaum drei Spannen groß und lief immer nur im Hemd umher, so daß sich die Leute oft darüber ärgerten. Sonst legte aber das Zwerglein den Menschen nichts in den Weg, sondern tat ihnen manchen Dienst. Es hackte ihnen Streu, hütete die Kühe und half bei Arbeiten zu Hause und auf dem Feld. Auch gab er den Kranken ... weiterlesen


Die vier Tücher

»Ihr seid nun groß und stark«, sagte ein Vater zu seinen vier Söhnen, »und müßt euch auch einmal in der Welt umsehen – vielleicht macht ihr euer Glück –, hier könnt ihr doch nicht immer bleiben.«

Darüber waren die rüstigen Jungen sehr erfreut und wollten nun alle zugleich in die Fremde gehen, denn schon lange war das ihr sehnlichster Wunsch. Der Vater aber ... weiterlesen


Der Fürpaß

Einmal sind auch ein Mandl und ein Weibele gewesen, die nichts gehabt haben als die Not und jeden Kreuzer haben anschauen müssen. Das Leben ist ihnen nie verleidet, und der Mann hat oft zum Weib gesagt: »Wir sind zufrieden, und was braucht's mehr?«

Einmal hat der Mann fortgehen müssen, und davor hat er dem Weib aufgetragen, recht zu sparen und etwas für den Fürpaß zu ... weiterlesen


Die rätselhaften Antworten

Es kam einmal ein Herr in ein Bauernhaus und fand da einen Knaben. Weil er ihn gerade allein sah, dachte er sich, es sei sonst niemand im ganzen Haus, und fragte, wo denn der Vater wäre. Der Knabe schaute ihn gescheit an und sagte: »Der Vater ist auf das Feld hinausgegangen, um aus einem Schaden zwei zu machen.«

Der Herr verstand diese Worte des Knaben nicht und bat ihn, er möchte ihm ... weiterlesen


Vom armen Bäuerlein

Es war einmal ein armes, armes Bäuerlein, das nichts hatte als eine halbverfallene Hütte für sich und seine Hausfrau zur Wohnung, eine magere Kuh im Stall und Hunger und Not als Tischgenossen.

Aber beide arbeiteten fleißig und bewahrten sich vor dem größten Mangel und sagten oft selber zueinander, es könnte doch noch schlechter sein. Endlich aber wollte auch die Arbeitsamkeit nicht ... weiterlesen


Die Fanggen

Ein Büblein verirrte sich tief in den Wald und konnte um alle Welt nimmer herausfinden. Wie es schon lange Zeit so herumgeirrt war und ihm immer bänger zumute wurde, kam ein uraltes Weib daher, welches recht schmutzig und zerlumpt aussah. Die Alte ging auf das Büblein zu und lud es ein, ihr zu folgen. Das Büblein aber fürchtete sich sehr und hatte keine Lust mitzugehen. Es nahm allerlei ... weiterlesen


Der gehende Wagen

Es lebte einmal in einer großen, schönen Stadt ein reicher Mann mit einer Tochter, die er sehr liebte. Alles, was sie nur wünschte, gewährte er ihr; nie hatte sie von ihm oder von den Dienstboten eine abschlägige Antwort erhalten.

Wie sie größer geworden und zu einer schönen Jungfrau herangewachsen war, bat sie der Vater, sie sollte sich doch aus den ersten Häusern der Stadt ... weiterlesen


Die drei Holzhacker

Drei Knechte waren einmal im Wald, um Holz zu fällen. Sie sahen, wie ein landfremder Mensch öfter an ihnen vorüber in den Wald zu einem gewissen Baum ging, der, nachdem er sich dort eine Zeitlang aufgehalten hatte, aus ihrem Blick bald verschwand. Aus Vorwitz gingen sie endlich auch zu besagtem Baum hin, setzten die Axt an seinen Stamm und fällten ihn. Als der Baum mit großem Geräusch zu ... weiterlesen


Schneider Freudenreich

In uralter Zeit, als anstatt der Murbrüche noch die schönsten Wälder Hügel und Wand bekleideten, lebte ein armes Schneiderlein, das nur mit Mühe sein tägliches Brot sich erwarb und sich schwer durchs Leben brachte. Oft litt er Hunger und konnte seinen Durst nur am Brunnen stillen. Da dachte er sich einmal: Heute ist Festtag und ich will mich auch einmal satt essen. Er kochte sich ein ... weiterlesen


Vom reichen Ritter und seinen Söhnen

In alter Zeit, als die Männer noch eiserne Hemden und lange Schwerter trugen, lebte ein starker Ritter, der hieß Sehrreich, weil er im ganzen Land als der Reichste galt. Er wohnte mit seinen drei Söhnen Veit, Jörg und Hans oben auf seinem Schloß, und wenn auch sonst niemand bei ihnen war als nur wenige Diener, so waren doch alle voll Frohsinn. Wollte aber manches Mal die Langeweile als ... weiterlesen


Das Birkenreis

Es lebte einmal eine arme, arme Mutter; die hatte kein Brot, um sich und ihr Kind zu nähren. Sie und ihr Knabe lebten nur von fremder Leute Gnade, und wenn sie ihre Wassersuppe kochen wollten, so mußten sie selbst in den Wald gehen, um sich das Holz zu holen. Das war eine gar traurige Wirtschaft, wobei der Hunger der Koch und der Schmalhans der Hauser war. Einmal hatte die Mutter wieder kein ... weiterlesen


Beutel, Hütlein und Pfeiflein

Es war einmal ein Vater, der hatte drei Buben und vermachte jedem von ihnen ein kostbares Erbstück. Für den ältesten bestimmte er einen Geldbeutel, der nie leer wurde, für den zweiten ein Hütlein, durch das man alles bekam, was man sich nur wünschte, und für den jüngsten ein Pfeiflein, mit dem man sich so viele Soldaten herbei- und fortpfeifen konnte, wie einem in den Kopf ... weiterlesen


Der Schafhirt

Ich weiß nicht, wie lange es etwa her ist, da lebten einmal ein Herr und eine Frau, die ein einziges Kind hatten. Dies war ein frischer Bursche, dem das Stillsitzen nicht taugen wollte. Schon in früher Jugend bat er seine Eltern, sie möchten ihm doch erlauben, in die Welt hinauszuziehen und sein Glück zu versuchen.

»Nein«, sprach der Vater, »bevor du nicht sechzehn Jahre alt bist, ... weiterlesen


Der Grindkopf

Es war einmal ein recht armes Bäuerlein, das oft nicht wußte, wie es sich und seinem Weib den Hunger stillen sollte. Da ging es nun einmal in den Wald hinaus und klaubte Holz. Da stapfte ein großer fremder Mann daher, der hatte einen grünen Hut und eine lange Hahnenfeder darauf, und sein Gesicht schaute recht wild aus. »Du«, sagte er zum Bäuerlein, »ich weiß, daß du dich sehr hart ... weiterlesen


Noch ein Märchen von der Krönlnatter

Es lebte vor langer Zeit, als du, mein Kind, noch den Pfeiffaltern nachflogst, eine kreuzbrave Magd, die bei einem Bauern im Dienst war. Sie tat treu und redlich ihre Pflicht, sah auf die Sache und das Vieh ihres Dienstherrn und arbeitete von frühmorgens bis spätabends.

Im Haus, in dem sie Ehehalt war, wohnte auch eine Krönlnatter. Das scheckige Würmchen, das ein hellglänzendes ... weiterlesen


Der starke Hansl

Ein armes Bäuerlein hatte viele Knaben, mit denen er sich hart durcharbeitete; denn ein jeder hatte einen großen Löffel, keiner aber konnte etwas verdienen. Nachdem sie aber größer geworden waren, mußten sie aus dem Haus, um sich ihr Brot durch der Hände Arbeit selbst zu verdienen. Der älteste davon, Hansl genannt, war ein sehr starker Bursche, der bald bei einem Bauern einen Platz fand; ... weiterlesen


Die Wette

Büblein, wie heißt du?

»Hansele.«

Wenn du Hansele heißt, so muß ich dir schon wieder einmal ein Geschichtlein von einem Hansl erzählen.



Hansl hieß ein recht dummer Bauer, der kaum bis fünf zählen konnte. Dieser fuhr einmal mit seiner Kuh auf den Markt, und weil das Vieh bald so langsam forttrottete wie eine Schnecke, bald mit seinen schwerfälligen Füßen ... weiterlesen


Das Berggeistl

Es war einmal ein blutarmes Weib, das lag sterbenskrank und hatte weder einen Bissen Brot noch einen roten Pfennig zu Hause. Da sprach es zu seinem einzigen Kind, das ein gar braves, frommes Mädchen war: »Geh in den Wald, Moidele, und suche Beeren! Die kannst du dann in die Stadt tragen und dort verkaufen.«

Das Mädchen nahm sein Weidenkörbchen, ging in den Wald hinein und kam immer ... weiterlesen


Sauerkraut und Totengebeine

Vor langer Zeit lebte ein armes Bäuerlein, das drei Töchter hatte. Die beiden älteren waren schön und gescheit, die jüngste konnte eben nicht mit ihrer Schönheit prahlen, und auch am Verstand schien es ihr zu fehlen. Die zwei stolzen Dinger taten über die Maßen groß und nobel und mußten immer schöne Kleider haben, um den reichsten Bauerntöchtern nicht nachzustehen. Wenn sie dann so ... weiterlesen


Der schlafende Riese

Es schlief einmal ein Riese knietief und schnarchte, daß die Bäume weit und breit zitterten. Da fuhr ein Fuhrmann mit seinem Lastwagen, an dem acht Paar Rosse zogen, des Weges daher und dachte sich: Das ist heute doch ein Sturmwind, daß die Bäume so sausen.

Als er schon lange gefahren war, kam er zum Riesen, hielt ihn für einen Berg und fuhr darüber. Er fuhr wacker zu und glaubte ... weiterlesen


Die Drude

Es war einmal ein steinreicher Herr, und dieser hatte eine absonderliche Magd. Sie ging jede Nacht aus und kam oft erst am frühen Morgen zurück, weil sie eine Drude war und einen großen Trieb in sich fühlte, andere zu drücken. Um dies zu tun, schlich sie in dunkler Nacht in die Schlafzimmer und drückte die Schläfer so, daß sie nicht mehr imstande waren, sich zu bewegen.

... weiterlesen


Hansl Gwagg-Gwagg

Es war einmal eine Mutter, die hatte drei Söhne, von denen der jüngste Hansl hieß und, wie wohl mehrere seines Namens, ein rechter Lappe war. Außer den drei Buben besaß die Mutter nur noch ein kleines Hüttlein, und das war zu klein, als daß alle drei darauf hin hätten heiraten können. Nachdem das Weib lange hin und her gedacht hatte, was denn da anzufangen sei, kam sie auf einen ... weiterlesen


Der Vogel Phönix, das Wasser des Lebens und die W

Es verirrte sich einmal ein junger Ritter auf der Jagd dergestalt, daß er um alles in der Welt den Rückweg nimmer finden konnte. Von allen Seiten umstanden ihn alte Tannen, moosige Lärchen und riesige Fichten, und kein Weg und kein Steig zeigte ihm den Heimweg. Da war er gar traurig und suchte von neuem einen Ausweg, doch es war umsonst. Es begann schon Abend zu werden, und die letzten ... weiterlesen


Der Hirtenknabe

Es war einmal ein armer Bauernbub, der hatte für eine Gemeinde die Geißen zu hüten und bekam dafür nichts als die Kost. Wenn er mit seinen Tierlein den Berg hinaufzog und genug geschnellt und gejuchzt hatte, schaute er oft lange Zeit seine Hosen und seine Joppe an und fing an, die Löcher zu zählen, die täglich mehr wurden. Er hatte das tiefste Mitleid mit sich selbst, weil ein gar so ... weiterlesen


Der Esel

Vor uralter Zeit war bei einem Grafen auf einem Schloß ein gar braves, stilles Mädchen im Dienst. Sie diente ihrer Herrschaft treu und redlich und lebte in Zucht und Sittsamkeit. Dies und ihre Schönheit gewannen ihr die Herzen aller, und die Gräfin liebte das Mädchen fast wie ihr eigenes Kind. So lebte es schon manches Jahr auf dem Schloß vergnügt und glücklich, als ihr plötzlich ein ... weiterlesen


Der Gang zur Apotheke

Es wurde einmal ein Knabe in die Apotheke geschickt, um ein Nichts im Wasserl zu holen. Er fürchtete den Namen der Arznei zu vergessen und sagte daher auf dem Wege immer vor sich hin: »Nichts im Wasserl – nichts im Wasserl.«

Einige Fischer, die am Weg saßen und seine Worte hörten, wurden darob überaus zornig, gaben ihm eine Anzahl Ohrfeigen und sagten, er müsse nicht sagen: ... weiterlesen


Der daumenlange Hansl

An dem Saum eines großen Waldes stand eine elende Hütte, worin zwei arme Eheleute mit ihren elf Söhnen wohnten; diese waren aber sehr klein und der älteste von ihnen nicht viel größer als eines Mannes Daumen, so daß man ihn allgemein den daumenlangen Hansl nannte.

Da die Eltern sehr arm waren und das nötige Brot nicht mehr auftreiben konnten, so dachten sie daran, sich die Kinder ... weiterlesen


Die verwunschene Prinzessin

Es ist schon lange her, da hatte einmal ein mächtiger Kaiser eine Heerschau angeordnet. Die Soldaten mußten von nah und fern zusammenkommen und sich auf einem weiten Feld in zwei Reihen aufstellen. Da ritt nun der Kaiser mit seiner goldenen Krone auf dem Haupt mitten durch und besah sich die Krieger.

Unter anderen bemerkte er einen sehr alten Veteranen, dessen Haare schon schneeweiß ... weiterlesen


Der Menschenfresser

Einmal verspätete sich ein Büblein, das Erdbeeren suchte, im Wald. Es dunkelte schon, und an ein Nachhausekommen war nicht mehr zu denken. Da dachte das Büblein: Vielleicht wohnen Leute in der Nähe, bei denen ich übernachten kann. Wart, ich will mal auf einen Baum klettern und schauen, ob nirgends ein Haus zu sehen ist. Gedacht, getan. Es spuckte sich in die Hände und kletterte auf eine ... weiterlesen


Löwe, Storch und Ameise

Es war einmal eine arme, arme Witwe, die aus einem sehr vornehmen Geschlecht stammte und einen einzigen Sohn hatte. Sie wohnte mit ihm in stiller Einsamkeit in einem Wald und erzog ihn zu aller Zucht und Tugend. Der Knabe, der Johannes hieß, nahm lernbegierig die guten Lehren seiner Mutter auf und machte ihr Freude und erweckte ihr die schönsten Hoffnungen. Nur eines wollte ihr nicht gefallen, ... weiterlesen


Das Gromoaser Mannle

A Gromoaser Mannle hat an Stöcken in der Hand hgöt, ist af a Büchele auch'n gangen. Droben hat ar g'schrieren: »Hui, hui!«



(mündlich im Ötztal)


Der Klaubauf

Es hatten einmal zwei blutarme Leute ein recht böses Kind, das ihnen viel Verdruß machte. Die Mutter sagte wohl oft zu ihm: »Wenn du nicht folgen willst, so geb ich dich dem Klaubauf.« Aber das fruchtete wenig bei dem Rangen, der seine Wege ging und die Ermahnungen seiner Eltern in den Wind schlug. So trieb er es lange Zeit.

Da nahte denn wieder der St.-Nikolaus-Tag, und am Vorabend ... weiterlesen


Das Bäuerlein

Es war einmal ein Bäuerlein, das nichts hatte als ein Weib und eine Kuh und sich sein Brot damit verdienen mußte, daß es das Vieh des ganzen Dorfes hütete. Das Bäuerlein war aber bei den übrigen Bauern nicht gut eingetragen, weil im ganzen Dorf keine Kuh fett werden wollte als die Kuh des Bäuerleins und weil an jedem Abend nur seine Kuh satt und vollgestopft nach Hause kam, die übrigen ... weiterlesen


Der gescheite Bauer

Es arbeitete einmal ein Bauer auf dem Feld, daß ihm die Rippen krachten. Da ritt just der Kaiser vorbei, und wie dieser den Bauern so rüstig arbeiten sah, rief er ihm zu: »Nit zu fleißig!«

»Dies machen die zweiunddreißig«, antwortete der Bauer, »und die sieben müssen die fünf erhalten, und dann muß noch etwas übrigbleiben.«

Der Kaiser schaute bei dieser Antwort den ... weiterlesen


Die Heugabel

Es kam einmal ein Bauer zu seinem Nachbarn und bat ihn recht inständig, er möchte ihm doch helfen beim Heueinführen. Denn er habe so gewaltig viel auf den Wiesen liegen, daß seine Leute allein nicht imstande seien, alles heute noch einzubringen. Der Nachbar aber machte dicke Ohren und schlug ihm die Bitte ab.

Nachmittags, als der Bauer sein Heu zu einem Haufen zusammengerecht hatte, ... weiterlesen


Der Advokat

Vor alter Zeit lebte ein Advokat, der das Recht verkehrte, wann und wie es ihm taugte, und sich weder um Hölle noch um Himmel kümmerte. Einmal mußte er wieder vor Gericht erscheinen und eine Aussage eidlich bekräftigen. Er legte seinen Eid ab, schwor aber falsch. Da erschien der Teufel in leibhaftiger Gestalt, wollte den Rechtsanwalt beim Kragen nehmen und in die Hölle tragen. Man holte, ... weiterlesen


Der Bettler

Ein Bettelmännlein kam einmal auf eine Alpe und bettelte um einen Ziegenkäse. Er bekam auch ein ordentliches Stück, denn die Almer waren mitleidige Leute und gaben gern von dem, was sie hatten. Das Stück Käse legte der Bettler in seinen zerlumpten Hut, und während er seines Weges fortging, schaute er nicht immer auf den Boden, sondern jeden Augenblick betrachtete er wieder seinen ... weiterlesen


Die Schleifersöhne

Ein Scherenschleifer, der zwei Söhne hatte, wollte in eine Stadt fahren, wo er immer viele Arbeit fand und sich deshalb jährlich längere Zeit aufzuhalten pflegte. Der Weg dahin führte durch einen Wald. Der Schleifer zog seinen Karren, und die zwei Knaben schoben das elende Fahrzeug, wie sie es gewöhnlich taten. Aber heute wollte die Fahrt nicht vorwärts gehen, denn der Weg war schlecht, ... weiterlesen


Die drei Soldaten und der Doktor

Es kamen einmal in einem Wirtshaus drei abgedankte Soldaten zusammen und ein Doktor. Die Soldaten fragten den Doktor, ob er auch gut kurieren könne. »Freilich kann ich das«, sagte der Doktor. »Ich will euch, während ihr schlaft, die Arme abnehmen und Herz und Augen herausreißen und das alles wieder hineinmachen, ohne daß ihr es merkt.«

Soldaten sind ein leichtes Blut, daher ... weiterlesen


Eichhörnchen, Käfer, Maus

Es lebte einmal ein reicher, mächtiger König; dieser hatte nur eine wunderschöne Tochter, die aber so ernst und so traurig war, daß sie noch nie in ihrem Leben gelacht hatte. Da der König gerne einen Eidam und Nachfolger im Reich gehabt hätte, so fragte er seine Tochter, ob sie nicht heiraten wollte.

»O ja«, war ihre Antwort, »aber nur jenen Jüngling, der mich zum Lachen bringt, ... weiterlesen


Das verzauberte Schloß

Es lebte einstens ein reicher, mächtiger Graf. Dieser hatte drei Söhne, von denen die älteren zwei ziemlich herangewachsen waren, als ihre liebe Mutter starb; der dritte war aber noch sehr jung und klein. Die älteren beiden hatten keine größere Freude, als auf die Jagd zu gehen oder mit den Pferden sich herumzutummeln und den jüngsten Bruder zu necken; denn dieser blieb den ganzen Tag ... weiterlesen