Wissenswertes

+ Lyrik
+ Epik
+ Dramatik

Anzeigen



A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Märchen - Richard Wilhelm: Chinesische Volksmärchen

Yang Oerlang

Die zweite Tochter des Himmelsherrn stieg einmal zur Erde hernieder und pflegte heimlichen Verkehr mit einem sterblichen Menschen, namens Yang. Als sie wieder zum Himmel zurückkam, gebar sie einen Sohn. Der Himmelsherr ward sehr zornig über diese Entweihung des Himmels. Er verbannte sie auf die Erde und deckte sie mit dem Wu-I-Berge zu. Ihr Sohn aber, Oerlang geheißen, der Enkel des ... weiterlesen


Anzeigen


Die Nacht auf dem Schlachtfeld

Es war einmal ein Kaufmann, der mit seinen Waren vom Süden nach Schantung wanderte. Es war etwa um die zweite Nachtwache, da erhob sich ein heftiger Nordsturm. Er sah zur Seite der Straße Heine Herberge, deren Lichter eben angezündet wurden. Er ging hinein, um einen Trunk zu sich zu nehmen und bestellte Nachtquartier. Die Leute in der Herberge machten Einwände. Ein alter Mann hatte Mitleid ... weiterlesen


Hilfe in der Not

Zwanzig Meilen östlich von Gingdschou ist der Mädchensee. Er hat einige Meilen im Geviert. Er ist von dichtem, grünem Gebüsch und hohen Wäldern rings umgeben. Sein Wasser ist klar und tiefblau. Oft zeigt sich darin allerlei Wundergetier. Die Leute der Umgegend haben dort einen Tempel errichtet für die Drachenprinzessin. In dürren Zeiten wallfahrten sie alle dahin, um zu ... weiterlesen


Die Grabschänder

In Hangtschou war ein Mann namens Dschu. Der lebte vom Gräberraub. Er hatte sechs, sieben Gesellen um sich versammelt. Zur tiefen Nachtzeit, wenn alles schwarz und dunkel war, nahmen sie die Hacken zur Hand und durchstreiften die Gegend. Sie waren unzufrieden, daß sie viel mehr trockenes Gebein fanden als Gold und Silber. So richteten sie eine Geistertafel her, um zu erkunden, wo Schätze ... weiterlesen


Der Fuchs und der Rabe

Der Fuchs versteht es zu schmeicheln und viele Listen zu gebrauchen. Einst sah er einen Raben, der mit einem Stück Fleisch im Schnabel auf einem Baum sich niederließ. Der Fuchs setzte sich unter den Baum, sah zu ihm empor und begann ihn zu loben.

»Eure Farbe«, begann er, »ist reines Schwarz; das zeigt mir, daß Ihr die Weisheit Laotses habt, der sein Dunkel zu wahren weiß. Die Art, ... weiterlesen


Die Geister der Erhängten

Der große Dichter Su Dung Po liebte es, von Geistern zu erzählen; doch hatte er selber keinen je gesehen. Ein anderer namens Yüan Dschan hat eine Abhandlung geschrieben, daß es keine Geister gebe. Da kam eines Tages ein Gelehrter und begehrte ihn zu sehen.

»Seit alten Zeiten«, fing er an, »gibt es wahre Geschichten von Göttern und Geistern. Wie kommt Ihr nur dazu, daß Ihr sie ... weiterlesen


Die acht Unsterblichen I

Es geht die Sage, daß im Himmel acht Unsterbliche wohnen. Der erste heißt Dschung Li Küan. Er lebte zur Zeit der Han-Dynastie und fand den großen Zauber des Goldzinnobers (Stein der Weisen). Er konnte Quecksilber schmelzen und Blei verbrennen und sie verwandeln in gelbes Gold und weißes Silber. Er konnte leibhaftig durch die Luft fliegen. Er ist das Haupt der acht Unsterblichen.

... weiterlesen


Die Mondfee

Zur Zeit des Kaisers Yau lebte ein Fürst, namens Hou I, der war ein starker Held und guter Schütze. Einst gingen zehn Sonnen am Himmel auf, die schienen so hell und brannten so heiß, daß die Menschen es nicht aushalten konnten. Da gab der Kaiser dem Hou I den Befehl, nach ihnen zu schießen. Der schoß nun neun von den Sonnen herunter. – Er hatte aber auch ein Pferd, das war so schnell, ... weiterlesen


Der Scherge

In einer Stadt in der Nähe der Kiautschoubucht war einmal ein Scherge namens Dung. Als er eines Tages von der Suche nach Dieben zurückkam, war die Dämmerung schon hereingebrochen. Ehe er den Fluß bei der Stadt durchwatete, setzte er sich am Ufer nieder, steckte sich ein Pfeife an und zog die Schuhe aus. Als er aufsah, erblickte er plötzlich einen Mann mit rotem Hut, in der Kleidung eines ... weiterlesen


Die verstoßene Prinzessin

Zur Tangzeit lebte ein Mann namens Liu I, der war in seiner Doktorprüfung durchgefallen. So reiste er wieder nach Hause zurück. Sechs, sieben Meilen hatte er hinter sich, da flog im Feld ein Vogel auf. Sein Pferd ward scheu und rannte über zehn Meilenweit, ehe es sich halten ließ. Da sah er eine Frau, die hütete Schafe am Abhang eines Berges. Er blickte sie an; sie war wunderschön von ... weiterlesen


Schwarze Künste

Die Wilden im Südwesten üben viele schwarze Künste. Häufig locken sie mit ihren Töchtern Leute aus dem Mittelreiche an, indem sie diese ihnen zur Ehe versprechen. Die armen Leute müssen dann Arbeit für sie tun, und die Ehe kommt schließlich doch nicht zustande. So war einmal ein Sohn aus armer Familie, der versprach sich als Schwiegersohn bei einem Wilden. Drei Jahre mußte er Arbeit ... weiterlesen


Die Menschwerdung der fünf Alten

Ehe Himmel und Erde sich getrennt hatten, war alles ein großer Ball von Wasserdunst, der hieß das Chaos. Zu jener Zeit formten sich die Geister der fünf Grundkräfte, und es wurden fünf Alte daraus. Der eine hieß der gelbe Alte, das war der Beherrscher der Erde. Der zweite hieß der rote Herr, das war der Beherrscher des Feuers. Der dritte hieß der dunkle Herr, das war der Beherrscher des ... weiterlesen


Das Mädchen mit dem Pferdekopf

In uralten Zeiten lebte einmal ein Greis, der ging auf Reisen. Niemand war zu Hause, als nur seine einzige Tochter und ein weißer Hengst. Jeden Tag fütterte die Tochter das Pferd. In ihrer Einsamkeit hatte sie Heimweh nach ihrem Vater.

So redete sie einmal im Scherz zu ihrem Pferd: »Wenn du mir meinen Vater zurückbringst, so will ich dich heiraten.«

Kaum hatte das Pferd die ... weiterlesen


Der Kuhhirt und die Spinnerin

Der Kuhhirt war von Hause aus arm. Mit zwölf Jahren trat er bei einem Bauern in Dienst, seine Kuh zu weiden. Nach einigen Jahren ward die Kuh fett und groß, und ihre Haare glänzten wie gelbes Gold. Es war wohl eine Götterkuh.

Eines Tages, als er im Gebirge weidete, begann sie plötzlich mit Menschenstimme zu dem Kuhhirten also zu sprechen: »Heute ist der Siebenabend. Der Nephritherr ... weiterlesen


Der Ameisenkönig

Es war einmal ein Gelehrter. Er wanderte aus seiner Heimat aus und zog nach Emsendorf. Dort war ein Haus, von dem die Rede ging, daß es nicht ganz geheuer sei. Doch war es schön gelegen und von einem hübschen Garten umgeben. Darum mietete er sich dort ein. Eines Abends saß er über seinen Büchern. Plötzlich kamen mehrere hundert Ritter in das Zimmer herein gesprengt. Die waren winzig klein, ... weiterlesen


Die sprechenden Silberfüchse

Die Silberfüchse gleichen den Füchsen; aber sie sind gelb, brandrot oder weiß. Auch sie können die Menschen beeinflussen. Es gibt eine Art, die kann im Laufe der Jahre die Menschensprache erlernen. Man nennt sie die sprechenden Füchse.

Südwestlich von der Kiautschoubucht steht am Meeresstrand ein Berg, der hat die Form eines Turmes und wird daher Turmberg genannt. Auf dem Berg steht ... weiterlesen


Die drei waltenden Götter

Es gibt drei Herren im Himmel und auf der Erde und im Wasser, die heißen die drei waltenden Götter. Sie sind alle Brüder und stammen von dem Vater des Mönches am Yangtsekiang. Als der auf dem Fluß fuhr, wurde er von einem Räuber ins Wasser geworfen. Dort ist er aber nicht wirklich ertrunken; sondern es kam ein Triton des Wegs. Der nahm ihn mit und brachte ihn ins Drachenschloß. Der ... weiterlesen


Die Höhle der Tiere

Es war einmal eine Familie, die hatte sieben Töchter. Eines Tages ging der Vater aus, Holz zu suchen; da fand er sieben Wildenteneier. Er brachte sie nach Hause und dachte nicht daran, sie seinen Kindern zu geben. Er wollte sie selber mit seiner Frau essen. Abends wachte die älteste Tochter auf und fragte, was die Mutter da koche. Die Mutter sagte: »Ich koche Wildenteneier. Ich gebe dir ... weiterlesen


Der fliegende Oger

In Sianfu lebte ein alter Buddhistenmönch, der liebte es, durch einsame Gegenden zu wandeln. Auf seinen Wanderungen kam er an den Kuku-Nor. Da sah er einen dürren Baum, der war tausend Fuß hoch und viele Klafter dick. Innen war er hohl, so daß man von oben das Licht des Himmels hineinscheinen sah.

Er war einige Meilen weiter gegangen, da sah er von ferne ein Mädchen in rotem Rock, ... weiterlesen


Der freundliche und der schlimme Fuchs

Es war einmal ein Mann, der ehrte die Füchse sehr. In seinem Zimmer hatte er einen Altar für sie errichtet; da zündete er täglich Weihrauch an. Und an allen Festtagen des Jahres brachte er als Speis- und Trankopfer Hühner und Wein dar. So ward sein Besitz von Tag zu Tag ger mehrt. Trieb er Handel, so machte er stets reichen Gewinn. Bebaute er das Feld, so hatte er stets doppelte ... weiterlesen


Die Blumenelfen

Es war einmal ein Gelehrter, der hatte sich von der Welt zurückgezogen, um geheimen Sinn zu erlangen. Er lebte einsam in der Verborgenheit. Um sein Häuschen herum hatte er allenthalben Blumen und Bambus und andere Bäume gepflanzt. Ganz versteckt lag es da im dichten Blumenhain. Nur einen Knaben hatte er bei sich als Diener, der wohnte in einer besonderen Hütte, um seine Befehle auszuführen. ... weiterlesen


Wie einer den Höllenfürsten beschimpfte

Zur Zeit, als die Gin-Tartaren in das chinesische Reich einzubrechen begannen, dessen Nordhälfte sie an sich rissen, so daß der Sungdynastie nur noch der Süden verblieb, da lebte der treue und tapfere Feldherr Yüo Fe. Der hatte dem Heer der Tartaren schon manche Niederlage beigebracht und war im Begriff, sie gänzlich zu besiegen. Es war aber ein verräterischer und hinterlistiger Minister in ... weiterlesen


Der Roßberg-Geist

Am Fuß des Rossbergs ist ein Dorf. Da war ein Bauer, der vom Getreidehandel lebte. Alle fünf Tage ging er in den Flecken östlich vom Dorf auf den Markt. Jener Markt war etwa eine Meile weit und von dem Dorfe durch einen Felsrücken getrennt.

Eines Tages kam er etwas betrunken vom Markte heim. Er ritt auf seinem Maultier und kam eben bei dem Felsrücken vorüber, als er plötzlich an ... weiterlesen


Der Affe Sun Wu Kung

Im fernen Osten, mitten im großen Meer, ist eine Insel, die heißt: der Berg der Blumen und Früchte. Auf diesem Berge stand ein hoher Fels. Der hatte seit Anbeginn der Welt alle geheimen Samenkräfte von Himmel und Erde, Sonne und Mond in sich aufgenommen; dadurch erhielt er übernatürliche Zeugungskraft. Eines Tages barst er und gebar ein steinernes Ei. Es war rund wie eine Kugel. Aus ... weiterlesen


Der Feuergott

Lange vor Fu Hi war der Zauberschmelzer (Dschu Yung) Herrscher der Menschen. Er erfand den Gebrauch des Feuers, und die Nachwelt lernte von ihm, die Speisen zu kochen. Seine Nachkommen wurden darum mit der Wahrung des Feuers beauftragt. Er selbst aber wurde zum Feuergott ernannt. Er ist eine Verkörperung des roten Herrn, der als einer der fünf Alten zu Anbeginn der Welt sich zeigte. Der ... weiterlesen


Konfuzius

Als Konfuzius geboren ward, da kam ein Kilin und spuckte einen Nephritstein aus, darauf stand geschrieben: »Sohn des Wasserkristalls, du wirst einst ungekrönter König werden!«

Er wuchs heran und ward neun Fuß hoch. Er war schwarz und häßlich im Gesicht. Seine Augen standen hervor, seine Nase war aufgestülpt. Die Lippen bedeckten die Zähne nicht, und die Ohren hatten große ... weiterlesen


Warum Hund und Katze einander feind sind

Ein Mann und eine Frau hatten einen goldenen Ring. Das war ein Glücksring, und wer ihn besaß, hatte immer genug zu leben. Sie wußten es aber nicht und verkauften den Ring für wenig Geld. Kaum war der Ring aus dem Hause, da wurden sie immer ärmer und wußten schließlich nicht mehr, woher sie genug zum Essen nehmen sollten. Sie hatten auch einen Hund und eine Katze, die mußten mit ihnen ... weiterlesen


Die Himmelskönigin

Die Himmelskönigin, auch heilige Mutter genannt, war bei ihren Lebzeiten eine Jungfrau aus Fukien, namens Lin. Sie war rein, ehrfürchtig und fromm von Art. Als sie siebzehn Jahre alt war, starb sie, ohne verheiratet gewesen zu sein. Sie zeigt ihre Macht auf dem Meere, darum wird sie von den Schiffern fromm verehrt. Wenn sie unerwartet von Wind und Wogen überfallen werden, so rufen sie sie ... weiterlesen


Die Sekte vom weißen Lotos

Es war einmal ein Mann, der gehörte der Sekte vom weißen Lotos an. Er verstand es, durch schwarze Künste die Massen zu betören, und viele, die nach seinen Zauberkünsten begehrten, nahmen ihn zum Lehrer.

Eines Tages wollte der Zauberer ausgehen. Da stellte er in der Halle eine Schüssel auf, die mit einer andern Schüssel zugedeckt war und befahl den Lehrlingen, auf sie achtzugeben. ... weiterlesen


Das große Wasser

Es war einmal eine Witwe, die hatte ein Kind. Das Kind hatte ein gutes Herz, und alle Leute hatten es lieb. Eines Tages sagte das Kind zu seiner Mutter: »Alle andern Kinder haben eine Großmutter, ich allein habe keine. Das macht mich sehr traurig.«

»Wir wollen dir eine Großmutter suchen«, sagte die Mutter.

Nun kam einmal eine alte Bettlerin vors Haus, die war sehr arm und ... weiterlesen


Wie Muliän seine Mutter aus der Hölle holte

Muliän war ein berühmter Buddhist aus der Tangzeit. In früher Jugend ging er ins Kloster und erwachte zur Erkenntnis des Sinns und ward zum Buddha. Seine Mutter aber war roh und neidisch in ihrem Wesen. Sie mißachtete die Gottesgaben, trat das Brot mit Füßen; Nahrungsreste lagen allenthalben bei ihr auf dem Boden umher. Und wenn ein Bettler kam und um Essen bat, so achtete sie seiner ... weiterlesen


Der Bergelf

Bergelfen sind Berggeister; sie wohnen in Bäumen und Felsen und lieben es, die Menschen zu erschrecken.

Es war einmal ein Gelehrter, der hatte sich in einen Bergtempel zurückgezogen, um zu studieren. An einem Sommerabend saß er im Hofe, der Kühlung genießend. Plötzlich hörte er einen Windstoß, und das Tor des Tempels fuhr weit auf. Es kam ein Ungetüm hervor, das sah aus wie ein ... weiterlesen


Der Mönch am Yangtsekiang

Der Buddhismus entstand im südlichen Indien auf der Insel Ceylon. Dort lebte der Sohn eines brahmanischen Königs. Er hatte in seiner Jugend die Heimat verlassen und abgesagt allem Wünschen und Fühlen. Mit großer Selbstverleugnung kasteite er sich, um alle lebenden Wesen zu retten. Mit der Zeit erreichte er geheimen Sinn und wurde Buddha genannt.

Zur Zeit des Kaisers Ming Di der ... weiterlesen


Die Heiligenscheine

Alle wahren Götter haben auf dem Kopfe einen runden Schein. Wenn die geringeren Götter oder Teufel diesen Schein sehen, so ducken sie sich und wagen nicht, sich zu regen. Der Himmelsmeister auf dem Drachentigerberg pflegt steten Verkehr mit allen Göttern. Eines Tages kam der Kriegsgott Guan Di herabgestiegen, als eben der Beamte des Nachbarkreises zu Besuch beim Himmelsmeister war. Der ... weiterlesen


Der große Vater Hu

Der große Vater Hu ist ein Fuchsgeist. Wenn die Füchse mit der Bereitung des Lebenselixiers beinahe fertig sind, so können sie Wunder tun. Sie werden dann in die kaiserlichen Opferlisten eingetragen.

Als die Mandschus nach China kamen, da machten sie Mukden zu ihrem Ahnensitz und errichteten daselbst einen großen Tempel, der einem hohen Würdenträger zum Schütze anvertraut wurde. ... weiterlesen


Der Fuchs und der Donner

Es heißt, daß wenn der Fuchs das Lebenselixier bereitet, er sich verwandeln kann. Er muß aber dreimal dem Schicksal des Todes durch den Donner entgehen, ehe er es zur Vollendung bringt. Das gelingt ihm nicht leicht. Er hat aber mehrere Arten, dem Schicksal zu entgehen. Manchmal verbirgt er sich im Hause eines vornehmen Mannes oder unter dem Bette eines Gelehrten oder Mönches.

Wer ihm ... weiterlesen


Die goldene Büchse

Zur Tangzeit lebte ein Graf im Lager von Ludschou. Der hatte eine Sklavin, die konnte sehr gut die Laute spielen und war auch im Lesen und Schreiben geübt, so daß der Graf sie gebrauchte, um seine geheimen Briefe zu schreiben.

Einst war im Lager ein großes Fest. Die Sklavin sprach: »Die große Pauke klingt heut so traurig; dem Mann ist sicher ein Unglück begegnet.«

Der Graf ... weiterlesen


Nü Wa

Nü Wa war die Schwester des Fu Hi. Sie half ihm bei der Ordnung der Ehe. Während nämlich früher Männer und Frauen sich nach Belieben verheiratet hatten, wurden von ihr die Namen der Stämme festgestellt. Leute aus demselben Geschlecht durften sich nun nicht mehr heiraten. Die Ehe ward geschlossen nach dem Befehl der Eltern. Ein Ehevermittler war nötig, und da man noch kein Geld hatte, ... weiterlesen


Der Fuchs und der Tiger

Der Fuchs begegnete einst einem Tiger. Der zeigte ihm die Zähne, streckte die Krallen hervor und wollte ihn fressen. Der Fuchs sprach: »Mein Herr, Ihr müßt nicht denken, daß Ihr allein der Tiere König seid. Euer Mut kommt meinem noch nicht gleich. Wir wollen zusammen gehen, und Ihr wollet Euch hinter mir halten. Wenn die Menschen mich sehen und sich nicht fürchten, dann mögt Ihr mich ... weiterlesen


Das Zauberfaß

Es war einmal ein Mann, der grub auf seinem Acker ein großes, irdenes Faß aus. Er nahm es mit nach Hause und sagte zu seiner Frau, sie solle es rein machen. Wie nun die Frau mit der Bürste in das Faß fuhr, da war auf einmal das ganze Faß voll Bürsten. Soviel man auch herausnahm, es kamen immer neue nach. Der Mann verkaufte nun die Bürsten, und die Familie hatte ganz gut zu leben.

... weiterlesen


Der alte Mann

Es war einmal ein Mann, der hieß Huang An. Er mußte wohl über achtzig Jahre alt sein, und doch hatte er das Aussehen eines Jünglings. Er nährte sich von Zinnober. Stets ging er nackt. Selbst im Winter zog er keine Kleider an. Er saß auf einer Schildkröte, die war drei Fuß lang. Einst fragte ihn jemand: »Wie alt ist wohl diese Schildkröte?« Er erwiderte: »Als Fu Hi die Netze und Reusen ... weiterlesen


Yang Gui Fe

Der Kaiser Ming Huang aus dem Hause Tang hatte zur Lieblingsfrau die berühmte Yang Gui Fe. Sie bezauberte ihn so durch ihre Schönheit, daß er alles tat, was sie wollte. Sie brachte ihren Vetter an den Hof, der ein Spieler und Trinker war, so daß sich um seinet willen ein Murren gegen den Kaiser erhob. Schließlich brach ein Aufstand aus, und der Kaiser mußte fliehen. Er floh mit seinem ... weiterlesen


Morgenhimmel

Es war einmal ein Mann, der war schon zweihundert Jahre alt; aber er war noch immer frisch und stark wie ein Jüngling. Da gebar ihm seine Frau ein Kind, und als das Kind drei Tage alt war, starb sie. Der Vater gab das Kind der Nachbarin und sagte, sie solle dafür sorgen. Dann ging er fort von Hause und verschwand. Als das Kind der Nachbarin ins Haus gebracht ward, da wurde es gerade am ... weiterlesen


Der Kriegsgott

Der Kriegsgott Guan Di hieß eigentlich Guan Yü. Zur Zeit, als der Aufruhr der gelben Turbane das Reich durchtobte, tat er sich mit zwei andern, denen er auf der Straße begegnet war, und die ebenso wie er von Vaterlandsliebe beseelt waren, zu einem Freundschaftsbunde zusammen. Der eine war der spätere Kaiser Liu Be, der andere hieß Dschang Fe. Die drei kamen in einem Pfirsichgarten zusammen ... weiterlesen


Der Geisterseher

Es war einmal ein Mann, der mit einigen neugierigen Freunden zusammen Klopfgeister rief. Eines Tages hatte sich ein berühmter Doktor aus dem Mittelalter eingestellt. Aber die Reden, die er führte, waren roh und ungebildet, und seine Gedichte reimten sich nicht recht. Er war auch immer gleich zur Stelle, wenn man ihn rief.

Einmal, als sie mitten im Fragen und Antworten waren, gab er den ... weiterlesen


Der König Mu von Dschou

Zur Zeit des Königs Mu von Dschou kam aus dem äußersten Westen ein Magier, der konnte durchs Wasser und Feuer gehen, Metall und Steine durchdringen, Berge und Flüsse verkehren, Städte und Burgen versetzen, ins Leere steigen, ohne zu fallen, gegen Festes stoßen, ohne ein Hindernis zu finden: tausenderlei Wandlungen verstand er in unerschöpflicher Fülle. Und nicht nur der Dinge Gestalt ... weiterlesen


Weibertreu (Dschuang Dsï und seine Frau)

Es war einmal ein großer Gelehrter, der hieß Dschuang Dsï. Er ging zu Laotse in die Lehre. Einst schlief er bei Tage ein; da träumte ihm, er sei ein Schmetterling und flatter ezwischen den Bäumen und Blumen des Gartens umher in ungetrübter Freude. Er erzählte diesen Traum dem Laotse.

Der sprach zu ihm: »Im Anfang, als die Welt entstand, warst du ein weißer Schmetterling. Der fand ... weiterlesen


Die drei Übel

Es lebte einst in alten Zeiten ein junger Mann, der hieß Dschou Tschu. Er war über alle Maßen stark, so daß ihm niemand widerstehen konnte. Er war wild und unbotmäßig, und immer gab es Händel und Schlägereien in seiner Nähe. Doch wagten ihn die Ältesten des Ortes nie ernstlich zu bestrafen. Auf dem Kopfe trug er einen hohen Hut, auf den er zwei Fasanenschwänze gesteckt hatte. Seine ... weiterlesen


Der Geist vom Wuliän-Berg

Im Westen der Kiautschou-Bucht ist der Wuliän-Berg, wo es viele Geister gibt. Dort lebte einmal ein Scholar, der spät in der Nacht noch auf war und las. Als er vors Haus trat, erhob sich plötzlich ein Sturm, und ein Ungetüm streckte die Klauen nach ihm aus und packte ihn beim Haar. So hob es ihn in die Luft und trug ihn weg. Es fuhr mit ihm am Meerblickturm vorbei. Das ist ein buddhistischer ... weiterlesen


Wie der Molo die Rosenrot stahl

Zur Zeit der Tangdynastie gab es Schwertmeister verschiedener Art. Die ersten, das waren die Schwertheiligen. Sie konnten sich nach Belieben verwandeln, und ihr Schwert war wie der Blitzstrahl. Ehe sichs die Leute versahen, waren ihre Köpfe schon gefallen. Doch waren diese Männer hohen Sinns und mischten sich nicht leicht in Weltgeschäfte ein. Die zweite Art, das waren die Schwerthelden, Sie ... weiterlesen


Notscha

Die älteste Tochter des Himmelsherrn hatte den Feldherrn Li Dsing geheiratet. Ihre Söhne hießen Gintscha, Mutscha und Notscha. Mit der Geburt des Notscha verhielt es sich aber also: Drei Jahre und sechs Monate war seine Mutter guter Hoffnung. Da träumte ihr bei Nacht, daß ein Taoist zu ihr ins Zimmer kam. Erzürnt wies sie ihn hinaus. Er aber sprach: »Schnell empfange den göttlichen ... weiterlesen


Der geizige Bauer

Es war einmal ein Bauer, der führte Birnen nach dem Markt. Weil sie sehr süß und duftend waren, hoffte er einen guten Preis dafür zu bekommen. Ein Bonze in zerrissener Mütze und zerfetzten Kleidern trat an den Wagen heran und bat um eine. Der Bauer wies ihn ab, doch der Bonze ging nicht. Da ward der Bauer böse und begann ihn zu beschimpfen. Der Bonze sprach: »In Eurem Wagen habt Ihr viele ... weiterlesen


Strafe des Unglaubens

Es war einmal ein Mann, der hieß We Be Yang. Er ging mit drei Jüngern in den Wald und kochte dort das Lebenselixier. Da er aber wußte, daß nicht alle seine Jünger von ganzem Herzen seinen Lehren glaubten, beschloß er sie zu prüfen.

Er sprach zu ihnen: »Das Lebenselixier ist nun zwar fertig, doch weiß ich noch nicht, ob es Kraft hat. Ich will zuerst davon dem Hunde geben, um zu ... weiterlesen


Die Geister des gelben Flusses

Die Götter des gelben Flusses heißen Daiwang (Großkönig). Seit vielen hundert Jahren nämlich berichten die Flußaufseher fortwährend, daß in den Wellen des Flusses sich allerlei Ungetüme zeigten, zuweilen in der Gestalt von Drachen, zuweilen in der Form von Rindern und Pferden, und immer wenn solch ein Wesen sich zeigt, folgt eine große Überschwemmung. So baute man denn dem Fluß ... weiterlesen


Der Morgen- und der Abendstern

Es waren einmal zwei Söhne des goldenen Himmelsgottes. Der eine hieß Hesperus, der andere Luzifer. Die beiden gerieten einst in Streit, und Hesperus schlug dem Luzifer die Hüfte entzwei. Da taten die beiden Sterne einen Schwur, sich nie mehr zu sehen. Hesperus kam immer nur abends hervor und Luzifer immer nur in der Früh, und erst wenn Hesperus verschwunden ist, wird Luzifer wieder sichtbar. ... weiterlesen


Wie einer aus Gier nach dem Kleinen das Große ver

Es war einmal eine alte Frau, die hatte zwei Söhne. Ihr großer Sohn war ohne Kindesliebe und verließ Mutter und Bruder. Der jüngere aber diente ihr, so daß alle Leute von seiner Kindlichkeit erzählten.

Eines Tages wurde draußen vor dem Dorf Theater gespielt. Da trug er seine Mutter auf dem Rücken hin, damit sie zusehen könne. Vor dem Dorf aber war eine Schlucht. Dort glitt er aus ... weiterlesen


Der Arzt

Sun Sï Mo war schon in früher Jugend in aller Weisheit wohl bewandert. Lange hielt er sich im Gebirge versteckt. Erst als der Kaiser Tai Dsung das Tanghaus begründete, kam er hervor. Der Kaiser wollte ihm ein Amt geben; er aber lehnte ab und war als Arzt den Menschen hilfreich. Er trug einen hohlen eisernen Ring, in dem eine Kugel rollte. Den schüttelte er und ging durch Dörfer und ... weiterlesen


Dschang Liang

Dschang Liang stammte aus einem der Staaten, die von dem Kaiser Tsin Schï Huang vernichtet worden waren. Er wollte sich für seinen König rächen und sammelte deswegen Gesellen um sich, den Tsin Schï Huang zu ermorden.

Tsin Schï Huang machte einst eine Reise durch das Land. Als er in die Landsteppe von Bo Lang kam, da bewaffnete Dschang Liang seine Leute mit eisernen Hämmern, um ihn ... weiterlesen


Der alte Dschang

Es war einmal ein Mann, den nannte man den alten Dschang. Er lebte in der Nähe von Yangdschou auf dem Lande als Gärtner. Sein Nachbar, namens We, hatte ein Amt in Yangdschou. Seine Tochter war eben im Alter, daß sie heiraten sollte. Darum berief er eine Ehevermittlerin und trug ihr auf, einen hübschen Bräutigam zu suchen. Der alte Dschang hörte das und war erfreut. Er richtete Wein und ... weiterlesen


Die acht Unsterblichen II

Es war einmal ein armer Mann, der hatte schließlich gar kein Obdach mehr und keinen Bissen zu essen. Da legte er sich müde und matt draußen am Weg neben einem kleinen Feldgotttempelchen nieder und schlief ein. Da träumte ihm: Der alte weißbärtige Feldgott kam aus seinem Häuschen und sagte ihm: »Ich weiß dir eine Hilfe, morgen kommen hier am Wege die acht Unsterblichen vorbei; vor denen ... weiterlesen


Der Drache nach dem Winterschlaf

Es war einmal ein Gelehrter, der las im oberen Stockwerk seines Hauses. Es war ein wolkiger Regentag und trübes Wetter. Da sah er ein kleines Ding, das leuchtete wie ein Glühwurm. Es kam auf den Tisch gekrabbelt. Wo es gegangen war, hinterließ es schwarze Brandspuren, gekrümmt wie die Spuren eines Regenwurms. Allmählich schlängelte es sich auf das Buch, und auch das Buch wurde schwarz. Da ... weiterlesen


Die schöne Giauna

Es war einmal ein Nachkomme des Konfuzius. Dessen Vater hatte einen Freund, der im Süden Beamter war und den jungen Mann als Sekretär anstellte. Als er aber an dem Orte seines Wirkens ankam, da war der Freund des Vaters schon gestorben. Er war nun in großer Verlegenheit, da er nicht die Mittel hatte, um wieder heim zu reisen. So suchte er denn zunächst eine Unterkunft in dem Kloster Puto, wo ... weiterlesen


Wie über zwei Pfirsichen drei Helden zu Tode kame

Der Herzog Ging von Tsi liebte es im Anfang seiner Regierungszeit, Helden um sich zu sammeln. Darunter waren besonders drei, die außerordentlich tapfer waren. Der erste hieß Gung-Sun Dsiä, der zweite hieß Tiän Kai Giang, dritte hieß Gu I Dsï. Alle drei wurden vom Fürsten hoch geehrt. Durch diese Ehren aber wurden sie übermütig, lärmten bei Hofe und übertraten die Sitten, die zwischen ... weiterlesen


Weiberworte trennen Fleisch und Bein

Es waren einmal zwei Brüder, die wohnten in demselben Hause. Der Große hörte auf die Worte seines Weibes und kam darob mit seinem Bruder auseinander. Der Sommer hatte angefangen, und es war Zeit, die hohe Hirse zu säen. Der Kleine hatte kein Korn und bat den Großen, ihm zu leihen. Der Große befahl seinem Weib, es ihm zu geben. Die nahm das Korn, tat es in einen großen Topf und kochte es ... weiterlesen


Die bemalte Haut

In Taiyüanfu lebte ein Mann namens Wang. Er ging eines Morgens aus, da traf er ein Mädchen, die trug ein Bündel am Arm und war einsam unterwegs. Sie kam mit ihren kleinen Füßen nur schwer voran. Er beschleunigte den Schritt und holte sie ein. Da war es ein entzückendes Mädchen von etwa sechzehn Jahren.

Sie gefiel ihm recht gut, und so begann er: »Was geht Ihr in dieser frühen ... weiterlesen


Das Oger-Reich

In Annam lebte ein Mann namens Sü, der, fuhr als Kaufmann über das Meer. Plötzlich wurde er von einem großen Sturme an eine ferne Küste verschlagen. Zerklüftete Berge erhoben sich, von üppigem Grün bewachsen. Doch sah er auf dem Lande etwas, das Menschenwohnungen glich. So nahm er denn Wegzehrung zu sich und stieg ans Ufer. Kaum war er ins Gebirge eingetreten, so sah er auf beiden Seiten ... weiterlesen


Die beiden Scholaren

Es waren einmal zwei Scholaren. Der eine hieß Liu Tschen, und der andere hieß Yüan Dschau. Die waren beide jung und schön. An einem Frühlingstage gingen sie miteinander in das Tiän Tai-Gebirge, um Heilkräuter zu pflücken. Da kamen sie an einen Berghang, wo auf beiden Seiten die Pfirsichbäume in üppiger Blüte standen. Mitten drin öffnete sich eine Höhle, da standen zwei Jungfrauen ... weiterlesen


Das Glückskind und das Unglückskind

Es war einmal ein stolzer Fürst, der hatte eine Tochter. Die Tochter aber war ein Unglückskind. Als die Zeit herangekommen war, da sie heiraten sollte, da ließ sie alle Freier sich vor ihres Vaters Schloß versammeln. Sie wollte einen Ball von roter Seide unter sie werfen, und wer ihn fing, der sollte ihr Gatte werden. Da waren nun viele Fürsten und Grafen vor dem Schloß versammelt. Mitten ... weiterlesen


Der neunköpfige Vogel

Vor langen Zeiten lebten einmal ein König und eine Königin, die hatten eine Tochter. Eines Tages ging die Tochter im Garten spazieren. Da erhob sich plötzlich ein sehr großer Sturm, der sie mit sich führte. Der Sturm kam aber vom neunköpfigen Vogel. Der raubte die Prinzessin und brachte sie in seine Höhle. Der König wußte nicht, wohin seine Tochter verschwunden war. So ließ er im ganzen ... weiterlesen


Die drei Reimer

In einem Hause waren drei Töchter. Die älteste heiratete einen Doktor, die zweite heiratete einen Magister, die dritte aber, die besonders klug war und geschickt im Reden, heiratete einen Bauer.

Nun traf es sich, daß ihre Eltern Geburtstag feierten. Da kamen die drei Töchter mit ihren Männern, um ihnen Glück und langes Leben zu wünschen. Die Schwiegereltern bereiteten für ihre drei ... weiterlesen


Das geraubte Mädchen

Im Westen der alten Hauptstadt Lo Yang lag ein verfallenes Kloster. Dort stand eine ungeheure Pagode, mehrere hundert Stockwerke hoch. Auf ihrer Spitze konnten noch immer drei bis vier Menschen stehen.

In der Nähe wohnte ein schönes Mädchen; die saß eines Tages, als der Sommer heiß war, im Hofe, um sich zu kühlen. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, der das Mädchen ... weiterlesen


Der herzlose Gatte

Hangtschou war früher die Hauptstadt des südlichen China. Deshalb hatten sich viele Bettler dort zusammengefunden. Die Bettler pflegten einen Führer zu wählen, der amtlich bestätigt wurde zur Aufsicht über die Ausübung des Betteins. Er hatte darüber zu wachen, daß die Bettler die Einwohner der Stadt nicht belästigten. Er bekam von allen Bettlern ein Zehntel ihrer Einnahmen. Bei Schnee ... weiterlesen


Bestrafte Habgier

Es lebte ein Mann südlich vom Yangtsekiang. Der hatte eine Stelle als Lehrer angetreten in Sütschoufu an der Grenze von Schantung. Als er dort ankam, war das Schulhaus noch nicht fertig. Man hatte in der Nachbarschaft ein zweistöckiges Haus entlehnt, in dem der Lehrer vorläufig wohnen und Schule halten sollte. Das Haus stand außerhalb des Dorfes, in der Nähe des Flußufers. Eine weite ... weiterlesen


Der König von Huai Nan

Der König von Huai Nan war ein Weiser aus dem Hause Han. Da er aus königlichem Geblüte war, war er vom Kaiser mit einem Land belehnt worden. Er pflegte Verkehr mit Gelehrten; auch konnte er Zeichen deuten und die Zukunft vorhersagen. Mit diesen Gelehrten zusammen hat er das Buch verfaßt, das unter seinem Namen geht.

Eines Tages kamen acht Greise, ihn zu sehen. Alle hatten weißen Bart ... weiterlesen


Wer ist der Sünder

Es waren einmal zehn Bauern, die gingen miteinander über Feld. Sie wurden von einem schweren Gewitter überrascht und flüchteten sich in einen halb zerfallenen Tempel. Der Donner aber kam immer näher, und es war ein Getöse, daß die Luft ringsum erzitterte. Kreisend fuhr ein Blitz fortwährend um den Tempel her. Die Bauern fürchteten sich sehr und dachten, es müsse wohl ein Sünder unter ... weiterlesen


Laotse

Laotse ist eigentlich älter als Himmel und Erde. Er ist der gelbe Alte, der mit den anderen vieren die Welt geschaffen. Zu verschiedenen Zeiten aber hat er sich auf der Erde unter verschiedenen Namen gezeigt. Seine berühmteste Menschwerdung jedoch ist die als »altes Kind« (Laotse) mit dem Namen Pflaume (Li). Das ging aber so zu: Seine Mutter empfing ihn auf übernatürliche Weise und trug ihn ... weiterlesen


Der Panther

Es war einmal eine Witwe, die hatte zwei Töchter und einen kleinen Sohn.

Eines Tages sagte die Mutter zu den Töchtern: »Verwahrt mir das Haus gut! Ich will zur Großmutter gehen mit eurem kleinen Bruder.«

Die Töchter versprachen es. Dann ging die Mutter weg. Unterwegs begegnete ihr ein Panther und fragte, wohin sie gehe.

Sie sprach: »Ich will mit meinem Kind zu meiner ... weiterlesen


Der alte Drachenbart

Zur Zeit des letzten Kaisers der Suidynastie war die Macht in den Händen des kaiserlichen Oheims Yang Su. Der war stolz und verschwenderisch. In seinem Saale waren Chöre von Sängerinnen und Tänzerinnen aufgestellt, und dienende Mädchen waren aller seiner Winke gewärtig. Wenn die Großen des Reiches kamen, ihn zu besuchen, so blieb er gemächlich auf seinem Ruhebett sitzen bei ihrem ... weiterlesen


Der unartige Knabe

In der Nähe von Kiautschou lebte ein Gelehrter. Der war einige Meilen von seinem Heimatsort entfernt als Hauslehrer bei einem reichen Manne angestellt. Er hatte einen fünfzehnjährigen Sohn, den er zu Hause zurückließ. Der Knabe hatte die heiligen Schriften schon gelernt und war eben daran, sich im Aufsatzmachen zu üben. Sein Vater befahl ihm, fleißig zu arbeiten. Er gab ihm zwölf ... weiterlesen


Die Drachenprinzessin

Im Dungting-See ist ein Berg. In dem Berge ist ein Loch. Es ist so tief, daß es keinen Boden hat.

Einst ging ein Fischer dort vorüber, der glitt aus und fiel hinein. Er kam in eine Gegend voll gewundener Wege, die über Berg- und Talhänge führten mehrere Meilen weit. Schließlich kam er an ein Drachenschloß, das auf einer großen Ebene lag. Dort gab es grünen Schlamm, der reichte ihm ... weiterlesen


Das treue Mädchen

Unter den Wilden im Süden gibt es sehr viele Stämme. Da gibts die Hui, die Li, die Yau, die Babesifu und viele andere. In Kuangsi haben sie dreiundachtzig Niederlassungen. Die stärksten aber sind die Li. Unter ihnen nun herrscht die Sitte, daß wenn ein Mädchen mannbar wird, man für sie immer erst einen vorläufigen Ehemann ins Haus nimmt. Nach ein paar Monaten bekommt der Mann dann Aussatz ... weiterlesen


Die Froschprinzessin

Am mittleren Yangtsekiang wird der Froschkönig sehr eifrig verehrt. Er hat einen Tempel; dort gibt es Frösche zu Tausenden und aber Tausenden, zum Teil von riesiger Größe. Wer sich den Zorn des Gottes zuzieht, in dessen Hause treten seltsame Erscheinungen auf: Frösche hüpfen auf Tischen und Betten umher; in schlimmeren Fällen kriechen sie selbst an den glatten Wänden empor, ohne daß sie ... weiterlesen


Abendrot

Am fünften des fünften Monats wird am Yangtsekiang das Drachenbootfest gefeiert. Man höhlt aus Holz einen Drachen aus, malt ihm den Schuppenpanzer auf und schmückt ihn mit Gold und bunten Farben. Ein geschnitztes, rotes Geländer umgibt das Schiff, Segel und Flaggen sind aus Seide und Brokat. Das Hinterteil des Schiffes heißt Drachenschwanz. Es ragt über zehn Fuß hoch empor. Daran ist an ... weiterlesen


Des Tigers Lockspitzel

Daß der Fuchs des Tigers Furchtbarkeit entlehnt, ist nur ein Gleichnis; daß aber der Tiger seine Lockspitzel hat, das liest man häufig in Geschichtenbüchern, und auch Großväter reden viel davon, so daß wohl etwas Wahres daran sein muß. Es heißt, daß, wenn der Tiger einen Menschen frißt, sein Geist sich nicht entfernen kann, und der Tiger benutzt ihn dann als Lockspitzel. Wenn er auf ... weiterlesen


Der gütige Zauberer

Es war einmal ein Mann, der hieß Du Dsï Tschun. Er war in seiner Jugend verschwenderisch und kümmerte sich nicht um sein Vermögen. Er war dem Wein ergeben und trieb sich den ganzen Tag herum. Als er seinen Besitz durchgebracht hatte, verstießen ihn die Seinen. Eines Tages in der harten Winterzeit ging er mit leerem Magen, zerrissenen Kleidern und barfuß in der Hauptstadt umher. Der Abend ... weiterlesen


Der kleine Jagdhund

In Schansi lebte ein Scholar, dem war es in der Gesellschaft der anderen zu lärmend. Darum schlug er seine Wohnung in einem Buddhistentempel auf. Er hatte jedoch sehr darunter zu leiden, daß in dem Raum Wanzen, Mücken und Flöhe in großer Zahl waren, so daß er die ganze Nacht nicht schlafen konnte.

Einst ruhte er nach dem Essen auf dem Bette aus. Da kamen plötzlich zwei kleine Ritter ... weiterlesen


Der Priester vom Lauschan

Es war einmal ein Mann, namens Wang, ein Sohn einer alten Familie, der von Jugend an die Lehren des Taoismus hochschätzte. Er hörte, daß im Lauschan viele Unsterbliche lebten. So nahm er seine Bücherkiste auf den Rücken und wanderte dort hin.

Als er einen Gipfel erstiegen hatte, erblickte er einen einsamen Tempel. Ein Taoist saß auf einem runden Strohkissen. Langes Haar fiel ihm ... weiterlesen


Die gefährliche Belohnung

Bei dem Großen Berge lebte ein Mann namens Hu Wu-Bau. Der ging einmal auf dem Berge spazieren. Da traf er unter einem Baume einen Boten in rotem Gewände, der ihm zurief: »Der Herr des Großen Berges möchte dich sehen!« Der Mann erschrak gar sehr, doch wagte er keinen Widerspruch. Der Bote hieß ihn die Augen schließen, und als er sie nach einer kleinen Weile wieder öffnen durfte, da stand ... weiterlesen


Edelweiß

Ho Huans Vater war frühe gestorben. Er hatte ihn in zarter Jugend zurückgelassen. Der Knabe war überaus klug und begabt. Mit elf Jahren wurde er als Wunderkind in die Kreisschule aufgenommen. Seine Mutter liebte ihn über alle Maßen und ließ ihn nie zur Tür hinaus. Als er dreizehn Jahre alt war, kannte er noch nicht einmal seine verschiedenen Verwandten.

Im selben Dorfe lebte ein ... weiterlesen


Ying Ning oder die lachende Schönheit

Wang Dsï Fu aus Lo Tiän in Gü Dschou hatte als Kind seinen Vater verloren. Er war sehr begabt und bestand schon mit vierzehn Jahren sein erstes Examen. Seine Mutter hütete ihn mit Sorgfalt und ließ ihn nicht einmal alleine von Hause fort. Sie verlobte ihn mit einer geborenen Siau, die vor der Hochzeit starb. Es war noch keine neue Verbindung eingeleitet, da traf es sich, daß er am ... weiterlesen


Die Rache

Es war einmal ein Knabe namens Ma. Sein Vater unterrichtete ihn selbst im Hause. Das Fenster des oberen Stockwerks ging hinten hinaus auf die Terrasse des alten Wang, der einen Chrysanthemengarten hatte. Eines Tages stand der Knabe frühe auf. Er stand ans Fenster gelehnt und sah zu, wie der Tag zu dämmern begann. Da stieg der alte Wang auf seine Terrasse und begoß seine Chrysanthemen. Wie er ... weiterlesen


Das Heimweh

Yüo Dschung war aus Sianfu. Sein Vater starb früh. Er kam nach dessen Tode zur Welt. Die Mutter war Buddha ergeben, aß nichts Unreines und trank keinen Wein. Als ihr Sohn heranwuchs, liebte er den Trunk und fröhliche Unterhaltung. Im stillen mißbilligte er die Art seiner Mutter. Häufig brachte er ihr fette und süße Speisen und suchte sie zum Essen zu überreden; aber stets schickte ihn ... weiterlesen


Fuchsfeuer

Es war einmal ein Bauer, der war jung und stark und kam eines Abends spät vom Markte heim. Der Weg führte an dem Garten eines reichen Herrn vorbei, in dem viel hohe Gebäude standen. Plötzlich sah er drinnen etwas Helles in die Höhe schweben, das leuchtete wie eine Kristallperle. Er wunderte sich darüber und stieg über die Mauer in den Garten, aber da war kein Mensch zu sehen; nur von ... weiterlesen


Wie das Heiraten des Flußgotts aufhörte

Zur Zeit der sieben Reiche lebte ein Mann namens Si-Men Bau, der war Statthalter am gelben Fluß. In jener Gegend wurde der Flußgott sehr verehrt. Es lebten Zauberer dort Hexen, die verkündeten: »Der Flußgott will jedes Jahr ein Mädchen freien, die man unter dem Volke aussuchen muß, sonst kommen Wind und Regen nicht zur rechten Zeit, es gibt Überschwemmungen und Mißernten.« Wenn nun in ... weiterlesen


Die verwandelte Frau

Südlich vom Yangtsekiang lebte ein Gelehrter, der wandelte häufig im Guai Gi Gebirge umher. Er kehrte in einem Bergdorfe ein. Seine Wirtsleute hatten eine Tochter, die ihm gefiel, und er nahm sie als Nebenfrau zu sich. Nach einigen Jahren ward er Beamter und machte sich mit seiner Nebenfrau zusammen auf in seinen Amtsbezirk, Die Frau, die früher immer lieb und sanft gewesen war, fing ... weiterlesen


Das tote Mädchen

Es waren einmal fünf Karrenschieber. Die kamen des Abends an eine Herberge und wollten übernachten. Der Wirt wies sie ab, weil alle Räume überfüllt waren. Doch ließen sie nicht ab mit Bitten. Da führte sie der Wirt in einen inneren Hof. Auf der Ostseite stand ein kleines Häuschen mit drei Zimmern. Im mittleren Zimmer war die Leiche eines Mädchens aufgebahrt, und ihr Gesicht war mit ... weiterlesen


Gespenstergeschichten

Wenn ein Mensch stirbt, so legt man den Leichnam zunächst auf das Bett, mit dem Gesicht nach oben. Man zieht ihm neue Kleider an und legt ihm eine Hirseähre zu Häupten und ein Pflugmesser auf die Brust, damit der Leichnam nicht aufsteht. Dennoch hört man zuweilen, daß ein Leichnam aufsteht. Die alten Leute erzählen, ein Leichnam stehe auf, wenn ihn der Atem lebendiger Menschen trifft oder ... weiterlesen


Giftmischen

Die wilden Miau- und Man-Stämme im Süden züchten häufig Giftschlangen, Skorpione und Tausendfüßler und verstehen es, aus diesen Tieren ein Gift zu bereiten. Von Geschlecht zu Geschlecht vererben sie die Kunst, um Leuten aus andern Ländern Verderben zu bringen. Diese Kunst ist unter dem Namen Giftschießen bekannt. Sie bergen das Gift unter dem Fingernagel, und wenn sie andern Wein oder ... weiterlesen


Das Fuchsloch

Im Westen der Kiautschoubucht ist ein Bergdorf, das heißt das Fuchsdorf, östlich von dem Dorfe steht ein hoher Fels. Mitten durch den Fels geht eine Höhle, rund wie der Vollmond. Die Höhle führt wie ein Tunnel wohl eine halbe Meile lang durch den ganzen Berg und kommt auf der andern Seite wieder heraus. Die alten Leute sagen, es wohnen viele Füchse und Wiesel darin. Darum getraut sich ... weiterlesen


Go Schu Han

Zur Zeit der Tang-Kaiser lebte ein großer Feldherr namens Go Schu Han. Der wohnte in jungen Jahren in Sianfu. Seine Frau war an einer Krankheit gestorben. Da er sie aber sehr lieb gehabt hatte, stellte er den Sarg in das Westgemach, und da er sich nicht von ihr trennen konnte, schlief er in demselben Raum. Um Mitternacht schien der Mond zum Fenster herein, daß der Boden schneeweiß glänzte. Go ... weiterlesen


Anzeigen

Dies & Das

Abkürzungen - wichtige u. oftgesuchte Abkürzungen
Universitäten - deutsche Fach - und Hochschulen
Vornamen - Herkunft und Bedeutung von Vornamen
Zitate - umfangreiche Zitatdatenbank, Sprüche, Reime,...