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Märchen - Richard Wilhelm: Chinesische Volksmärchen

Yang Oerlang

Die zweite Tochter des Himmelsherrn stieg einmal zur Erde hernieder und pflegte heimlichen Verkehr mit einem sterblichen Menschen, namens Yang. Als sie wieder zum Himmel zurückkam, gebar sie einen Sohn. Der Himmelsherr ward sehr zornig über diese Entweihung des Himmels. Er verbannte sie auf die Erde und deckte sie mit dem Wu-I-Berge zu. Ihr Sohn aber, Oerlang geheißen, der Enkel des ... weiterlesen


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Die Nacht auf dem Schlachtfeld

Es war einmal ein Kaufmann, der mit seinen Waren vom Süden nach Schantung wanderte. Es war etwa um die zweite Nachtwache, da erhob sich ein heftiger Nordsturm. Er sah zur Seite der Straße Heine Herberge, deren Lichter eben angezündet wurden. Er ging hinein, um einen Trunk zu sich zu nehmen und bestellte Nachtquartier. Die Leute in der Herberge machten Einwände. Ein alter Mann hatte Mitleid ... weiterlesen


Hilfe in der Not

Zwanzig Meilen östlich von Gingdschou ist der Mädchensee. Er hat einige Meilen im Geviert. Er ist von dichtem, grünem Gebüsch und hohen Wäldern rings umgeben. Sein Wasser ist klar und tiefblau. Oft zeigt sich darin allerlei Wundergetier. Die Leute der Umgegend haben dort einen Tempel errichtet für die Drachenprinzessin. In dürren Zeiten wallfahrten sie alle dahin, um zu ... weiterlesen


Die Grabschänder

In Hangtschou war ein Mann namens Dschu. Der lebte vom Gräberraub. Er hatte sechs, sieben Gesellen um sich versammelt. Zur tiefen Nachtzeit, wenn alles schwarz und dunkel war, nahmen sie die Hacken zur Hand und durchstreiften die Gegend. Sie waren unzufrieden, daß sie viel mehr trockenes Gebein fanden als Gold und Silber. So richteten sie eine Geistertafel her, um zu erkunden, wo Schätze ... weiterlesen


Der Fuchs und der Rabe

Der Fuchs versteht es zu schmeicheln und viele Listen zu gebrauchen. Einst sah er einen Raben, der mit einem Stück Fleisch im Schnabel auf einem Baum sich niederließ. Der Fuchs setzte sich unter den Baum, sah zu ihm empor und begann ihn zu loben.

»Eure Farbe«, begann er, »ist reines Schwarz; das zeigt mir, daß Ihr die Weisheit Laotses habt, der sein Dunkel zu wahren weiß. Die Art, ... weiterlesen


Die Geister der Erhängten

Der große Dichter Su Dung Po liebte es, von Geistern zu erzählen; doch hatte er selber keinen je gesehen. Ein anderer namens Yüan Dschan hat eine Abhandlung geschrieben, daß es keine Geister gebe. Da kam eines Tages ein Gelehrter und begehrte ihn zu sehen.

»Seit alten Zeiten«, fing er an, »gibt es wahre Geschichten von Göttern und Geistern. Wie kommt Ihr nur dazu, daß Ihr sie ... weiterlesen


Die acht Unsterblichen I

Es geht die Sage, daß im Himmel acht Unsterbliche wohnen. Der erste heißt Dschung Li Küan. Er lebte zur Zeit der Han-Dynastie und fand den großen Zauber des Goldzinnobers (Stein der Weisen). Er konnte Quecksilber schmelzen und Blei verbrennen und sie verwandeln in gelbes Gold und weißes Silber. Er konnte leibhaftig durch die Luft fliegen. Er ist das Haupt der acht Unsterblichen.

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Die Mondfee

Zur Zeit des Kaisers Yau lebte ein Fürst, namens Hou I, der war ein starker Held und guter Schütze. Einst gingen zehn Sonnen am Himmel auf, die schienen so hell und brannten so heiß, daß die Menschen es nicht aushalten konnten. Da gab der Kaiser dem Hou I den Befehl, nach ihnen zu schießen. Der schoß nun neun von den Sonnen herunter. – Er hatte aber auch ein Pferd, das war so schnell, ... weiterlesen


Der Scherge

In einer Stadt in der Nähe der Kiautschoubucht war einmal ein Scherge namens Dung. Als er eines Tages von der Suche nach Dieben zurückkam, war die Dämmerung schon hereingebrochen. Ehe er den Fluß bei der Stadt durchwatete, setzte er sich am Ufer nieder, steckte sich ein Pfeife an und zog die Schuhe aus. Als er aufsah, erblickte er plötzlich einen Mann mit rotem Hut, in der Kleidung eines ... weiterlesen


Die verstoßene Prinzessin

Zur Tangzeit lebte ein Mann namens Liu I, der war in seiner Doktorprüfung durchgefallen. So reiste er wieder nach Hause zurück. Sechs, sieben Meilen hatte er hinter sich, da flog im Feld ein Vogel auf. Sein Pferd ward scheu und rannte über zehn Meilenweit, ehe es sich halten ließ. Da sah er eine Frau, die hütete Schafe am Abhang eines Berges. Er blickte sie an; sie war wunderschön von ... weiterlesen


Schwarze Künste

Die Wilden im Südwesten üben viele schwarze Künste. Häufig locken sie mit ihren Töchtern Leute aus dem Mittelreiche an, indem sie diese ihnen zur Ehe versprechen. Die armen Leute müssen dann Arbeit für sie tun, und die Ehe kommt schließlich doch nicht zustande. So war einmal ein Sohn aus armer Familie, der versprach sich als Schwiegersohn bei einem Wilden. Drei Jahre mußte er Arbeit ... weiterlesen


Die Menschwerdung der fünf Alten

Ehe Himmel und Erde sich getrennt hatten, war alles ein großer Ball von Wasserdunst, der hieß das Chaos. Zu jener Zeit formten sich die Geister der fünf Grundkräfte, und es wurden fünf Alte daraus. Der eine hieß der gelbe Alte, das war der Beherrscher der Erde. Der zweite hieß der rote Herr, das war der Beherrscher des Feuers. Der dritte hieß der dunkle Herr, das war der Beherrscher des ... weiterlesen


Das Mädchen mit dem Pferdekopf

In uralten Zeiten lebte einmal ein Greis, der ging auf Reisen. Niemand war zu Hause, als nur seine einzige Tochter und ein weißer Hengst. Jeden Tag fütterte die Tochter das Pferd. In ihrer Einsamkeit hatte sie Heimweh nach ihrem Vater.

So redete sie einmal im Scherz zu ihrem Pferd: »Wenn du mir meinen Vater zurückbringst, so will ich dich heiraten.«

Kaum hatte das Pferd die ... weiterlesen


Der Kuhhirt und die Spinnerin

Der Kuhhirt war von Hause aus arm. Mit zwölf Jahren trat er bei einem Bauern in Dienst, seine Kuh zu weiden. Nach einigen Jahren ward die Kuh fett und groß, und ihre Haare glänzten wie gelbes Gold. Es war wohl eine Götterkuh.

Eines Tages, als er im Gebirge weidete, begann sie plötzlich mit Menschenstimme zu dem Kuhhirten also zu sprechen: »Heute ist der Siebenabend. Der Nephritherr ... weiterlesen


Der Ameisenkönig

Es war einmal ein Gelehrter. Er wanderte aus seiner Heimat aus und zog nach Emsendorf. Dort war ein Haus, von dem die Rede ging, daß es nicht ganz geheuer sei. Doch war es schön gelegen und von einem hübschen Garten umgeben. Darum mietete er sich dort ein. Eines Abends saß er über seinen Büchern. Plötzlich kamen mehrere hundert Ritter in das Zimmer herein gesprengt. Die waren winzig klein, ... weiterlesen


Die sprechenden Silberfüchse

Die Silberfüchse gleichen den Füchsen; aber sie sind gelb, brandrot oder weiß. Auch sie können die Menschen beeinflussen. Es gibt eine Art, die kann im Laufe der Jahre die Menschensprache erlernen. Man nennt sie die sprechenden Füchse.

Südwestlich von der Kiautschoubucht steht am Meeresstrand ein Berg, der hat die Form eines Turmes und wird daher Turmberg genannt. Auf dem Berg steht ... weiterlesen


Die drei waltenden Götter

Es gibt drei Herren im Himmel und auf der Erde und im Wasser, die heißen die drei waltenden Götter. Sie sind alle Brüder und stammen von dem Vater des Mönches am Yangtsekiang. Als der auf dem Fluß fuhr, wurde er von einem Räuber ins Wasser geworfen. Dort ist er aber nicht wirklich ertrunken; sondern es kam ein Triton des Wegs. Der nahm ihn mit und brachte ihn ins Drachenschloß. Der ... weiterlesen


Die Höhle der Tiere

Es war einmal eine Familie, die hatte sieben Töchter. Eines Tages ging der Vater aus, Holz zu suchen; da fand er sieben Wildenteneier. Er brachte sie nach Hause und dachte nicht daran, sie seinen Kindern zu geben. Er wollte sie selber mit seiner Frau essen. Abends wachte die älteste Tochter auf und fragte, was die Mutter da koche. Die Mutter sagte: »Ich koche Wildenteneier. Ich gebe dir ... weiterlesen


Der fliegende Oger

In Sianfu lebte ein alter Buddhistenmönch, der liebte es, durch einsame Gegenden zu wandeln. Auf seinen Wanderungen kam er an den Kuku-Nor. Da sah er einen dürren Baum, der war tausend Fuß hoch und viele Klafter dick. Innen war er hohl, so daß man von oben das Licht des Himmels hineinscheinen sah.

Er war einige Meilen weiter gegangen, da sah er von ferne ein Mädchen in rotem Rock, ... weiterlesen


Der freundliche und der schlimme Fuchs

Es war einmal ein Mann, der ehrte die Füchse sehr. In seinem Zimmer hatte er einen Altar für sie errichtet; da zündete er täglich Weihrauch an. Und an allen Festtagen des Jahres brachte er als Speis- und Trankopfer Hühner und Wein dar. So ward sein Besitz von Tag zu Tag ger mehrt. Trieb er Handel, so machte er stets reichen Gewinn. Bebaute er das Feld, so hatte er stets doppelte ... weiterlesen


Die Blumenelfen

Es war einmal ein Gelehrter, der hatte sich von der Welt zurückgezogen, um geheimen Sinn zu erlangen. Er lebte einsam in der Verborgenheit. Um sein Häuschen herum hatte er allenthalben Blumen und Bambus und andere Bäume gepflanzt. Ganz versteckt lag es da im dichten Blumenhain. Nur einen Knaben hatte er bei sich als Diener, der wohnte in einer besonderen Hütte, um seine Befehle auszuführen. ... weiterlesen


Wie einer den Höllenfürsten beschimpfte

Zur Zeit, als die Gin-Tartaren in das chinesische Reich einzubrechen begannen, dessen Nordhälfte sie an sich rissen, so daß der Sungdynastie nur noch der Süden verblieb, da lebte der treue und tapfere Feldherr Yüo Fe. Der hatte dem Heer der Tartaren schon manche Niederlage beigebracht und war im Begriff, sie gänzlich zu besiegen. Es war aber ein verräterischer und hinterlistiger Minister in ... weiterlesen