Wissenswertes

+ Lyrik
+ Epik
+ Dramatik

Anzeigen




A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Märchen - Theodor Koch-Grünberg: Indianermärchen aus Südamerika

Von dem Regenbogen, Opito

Es war einmal ein Mädchen, das war an den Fluß gegangen, und dort verschwand es. Nach einem Jahre kam es zurück und erzählte, sie habe im Wasser einen Mann getroffen und sei bei ihm geblieben. Sie holte Maniok und begab sich wieder an den Fluß. Nach zwei bis drei Jahren kam sie zurück. Nun hatte sie einen kleinen Knaben. Sie holte Maniok, um Chicha zu machen. Dann begab sie sich wieder an ... weiterlesen


Anzeigen




Der Stern

Es war einmal ein Jüngling, der lebte im Junggesellenhaus. Eines Nachts blickte er empor zum sternenfunkelnden Himmel. Da fiel ihm ein Stern besonders auf durch seinen ruhigen, hellen Glanz.

»Wie schade, daß ich dich nicht in meine Kürbisflasche einschließen kann, um dich nach Herzens Lust zu bewundern!« rief er aus, seufzte und starrte lange Zeit zärtlich hinauf zu dem gefühllosen ... weiterlesen


Der Besuch im Himmel

In alter Zeit war ein Krieg zwischen zwei Stämmen. Der eine Stamm hieß Kuyalakog, der andere Palawiyang. Der Krieg war in der Gegend des Uraukaima-Gebirges. Die Palawiyang griffen die Kuyalakog an. Sie töteten einige, als sie zur Pflanzung gegangen waren. Da vereinigten sich die Kuyalakog, um die Palawiyang zu vernichten. Sie kamen und griffen sie an. Sie kamen an das Dorf, das aus fünf ... weiterlesen


Wie Krankheit, Elend und Tod in die Welt kamen

In alter Zeit gab es keinen Streit. Alle waren glücklich, und niemand wurde krank und starb.

Damals lebten die Waldgeister unter uns als unsere Freunde und Genossen. Sie waren kleine Leute wie wir. Ein Waldgeist, Yurokon, pflegte besonders oft zu meinen Vorfahren zu kommen und mit ihnen Paiwari zu trinken. Er kam zu diesem Zweck regelmäßig einmal im Monat. Das letztemal, als er kam, ... weiterlesen


Der überlistete Waldgeist

Eine Familie wurde einmal zu einem Trinkfest eingeladen. Alle gingen hin bis auf die Tochter, die sich weigerte mitzugehen. So blieb sie ganz allein zu Hause.

Am späten Nachmittag bekam sie Besuch von einer Freundin, die sie sehr lange nicht gesehen hatte. Wenigstens glaubte sie, es wäre ihre Freundin Dai-adalla, mit der sie den Namen getauscht hatte. In Wirklichkeit aber war ihr ... weiterlesen


Der wunde Mann, die Aasgeier und die Ratte

Meine Vorfahren wohnten in schönen Dörfern. Sie wollten Fische fangen und kamen zahlreich zusammen. Sie holten viele Timboblätter und stampften sie im Mörser. Dann gingen die einen weg und pflückten Timbofrüchte, die anderen schnitten Timbolianen ab. Die einen flochten große Körbe, die anderen kleine Körbe. Dann taten sie die Timboblätter in die vielen Körbe, um im Fluß des roten ... weiterlesen


Die Schildkröte und der Riese

Die Schildkröte saß in einem Baumloch und spielte auf ihrer Flöte. Der Riese hörte es und sagte: »Dies ist niemand anderes als die Schildkröte. Ich will sie fangen.« – Er ging an das Loch. Die Schildkröte spielte ihre Flöte: fing-fing-fing-kulo-fong-fing! Der Riese rief: »Schildkröte!« – Diese antwortete: »U!« – »Komm, Schildkröte, wir wollen unsere Kraft ... weiterlesen


Der Mond

Die Kutanaua wollten die Marinaua töten. Der Marinaua floh. Da kam der Kutanaua und brachte viele Pfeile mit und gab sie dem Marinaua, um ihn zu versöhnen. Dieser freute sich. Er nahm die Pfeile an und hing sie oben in seiner Hütte auf. Darauf unterhielten sie sich miteinander. Als sie damit fertig waren, sagte Kutanaua zu Marinaua: »Nun komm mit mir und besuche auch mein Haus. Mein Weib ... weiterlesen


Makunaima und Pia

Vor langer Zeit lebte eine Frau, die war schwanger geworden durch die Sonne mit Zwillingskindern, Makunaima und Pia. Eines Tages sagte der noch ungeborene Pia zu seiner Mutter: »Laß uns gehen und unseren Vater besuchen! Wir werden dir den Weg zeigen. Pflücke für uns jede hübsche Blume, an der du vorbeikommst!« Daraufhin ging sie nach Westen, um ihren Gatten zu treffen.

Indem sie hier ... weiterlesen


Keri und Kame

Kamuschini begegnete, da er im Walde Blätter der Tukumpalme suchte, um sich Schnur für Bogensehnen zu verschaffen, dem Jaguar Oka, fürchtete sich vor ihm und versprach, ihm Frauen zu machen, wenn er ihn verschone.

Zuerst fällte er Bäume mit rotem Holz, brachte die Klötze nach Hause, stellte sie an einen Maismörser, blies sie an und zog sich ein Weilchen zurück. Als er wiederkam, ... weiterlesen


Die Frau, die vom Gespenst ihres Mannes getötet w

Einst machte sich eine Gesellschaft von Arowaken auf zum Berbice, und unterwegs wurden sie alle ermordet. Es waren lauter verheiratete Männer. Ihre Frauen hatten sie zurückgelassen am Pomeroon. Die Frauen nahmen alle andere Männer, außer einer. Diese war so traurig über den Verlust ihres Mannes, daß sie keinen anderen haben wollte. Sie fand Trost in ihren zwei kleinen Kindern.

... weiterlesen


Der rollende Totenschädel

Ein Jägertrupp lagerte im Wald. Die Bratroste waren schwer mit Fleisch beladen. Kapuzineraffen steckten mit ausgebreiteten Armen am Spieß neben zusammengerollten Brüllaffenschwänzen und abgeschnittenen Gliedmaßen von allerlei Tieren. Rund um den Platz herum lagen Köpfe, Felle, Knochen und Eingeweide zerstreut. Die Jäger waren alle ausgezogen und hatten im Lager nur einen Knaben ... weiterlesen


Warum der schwarze Jaguar die Leute tötet

Eines Tages fing Tobe-horoanna, der schwarze Jaguar, draußen im Walde einen jungen Mann. Er schleppte ihn in sein Heim, steckte ihn in einen Topf und sagte: »Du brauchst dich nicht zu fürchten. Ich habe nicht vor, dich zu töten, zu kochen und zu essen. Du wirst am Leben bleiben.«

Als des schwarzen Jaguars Bruder und Schwester heimkamen, sagten sie: »Wir haben gehört, daß du einen ... weiterlesen


Wettlauf zwischen Zecke und Strauß

Die Zecke und der Strauß wollten einen Wettlauf veranstalten, um zu sehen, wer am besten laufen konnte. Als sie zu laufen begannen, hüpfte die Zecke auf den Strauß und biß sich in den Augenwinkeln fest.

Als der Strauß eine Strecke gelaufen war, schielte er nach der Seite, um zu sehen, ob die Zecke auch mit war. Da sie in dem Augenwinkel war, sah er sie an seiner Seite.

... weiterlesen


Lehmhans

So machte es Lehmhans (der Töpfervogel).

Meine Vorfahren verstanden kein Haus und keinen Topf zu machen. Da lehrte es ihnen Lehmhans.

Meine Leute betrachteten den Topf (das Nest) des Lehmhans und sprachen: »Das ist der Topf des Lehmhans.«

Lehmhans verteidigte sich und wollte sie zwicken, aber sie liefen davon. Da kam Lehmhans hinter ihnen her und sprach zu ihnen: »Wollt ... weiterlesen


Das Augenspiel

Die Krabbe schickte ihre Augen nach dem Meeressee. Sie sagte: »Geht an das Ufer des Meeressees, meine Augen, fort-fort-fort-fort!« Die Augen gingen weg. Sie blieb ohne Augen. Dann sagte sie: »Ah, sie sind weg, meine Augen! Jetzt werde ich meine Augen rufen!« Dann sagte sie: »Kommt vom Ufer des Meeressees, meine Augen, kommt-kommt-kommt-kommt!« Da kamen ihre Augen zurück.

Während ... weiterlesen


Der Schlangenpfeil

Ein Jäger verirrte sich im Wald und blieb dort. Als er unter einen großen Baum kam, legte er sich schlafen.

Da hörte er schreien. Der Kurupira schlug wider die hohen Baumwurzeln, dann schrie er. Wiederum schrie er und schlug wider eine Baumwurzel. So kam er immer näher. Dann hörte er ihn ganz nahe. Da kam der Kurupira, setzte sich neben ihn, und sie begannen sich zu ... weiterlesen


Die Schildkröte und das Fest im Himmel

Im Himmel feierte man ein Fest, zu dem die Schildkröte und der Aasgeier eingeladen waren. Sie schlug ihm eine Wette vor, wer zuerst dorthin kommen würde. Der Aasgeier nahm die Wette an und packte den Mundvorrat für die Reise in einen Tragkorb. In der Nacht kamen sie überein, daß die Abreise am frühen Morgen vor sich gehen sollte und gingen dann schlafen. Als die Schildkröte sah, daß der ... weiterlesen


Maiuag und Korotoiko

In alter Zeit war Maiuag verheiratet mit einer Schwester der Frau von Korotoiko. Was machte nun Korotoiko? Er ging des Morgens sehr früh weg und schlug mit der Axt einen einzigen Baum nieder. Dann setzte er sich auf den Stumpf und fing an zu schlafen. Erst nachmittags kam er wieder nach Hause zurück. Maiuag ging des Morgens sehr früh weg und kehrte schon um Mittag wieder nach Hause zurück. ... weiterlesen


Die erste Paschiuba-Palme

Vor vielen, vielen Jahren kam aus dem großen Wasserhaus, der Heimat der Sonne, ein kleiner Knabe, der so wunderschön singen konnte, daß viele Leute von nah und fern herbeieilten, ihn zu sehen und zu hören. Der Knabe hieß Milomaki.

Als aber die Leute, die ihn gehört hatten, heimkehrten und Fische aßen, fielen sie alle tot nieder. Da ergriffen ihre Angehörigen Milomaki, der ... weiterlesen


Der Krüppel, der sich in eine Schildkröte verwan

Es war einmal ein Mann mit verkrüppelten Beinen, der war sehr faul. Niemand gab ihm irgend etwas zu essen, und er litt alle Tage Hunger. Niemand arbeitete für ihn; niemand kochte Speise für ihn. Er ging nicht und lag immer auf demselben Platz.

Seine Leute wurden ärgerlich auf ihn. Da sprach der Krüppel zu ihnen: »Freunde, ich kann nicht für euch arbeiten; deshalb zürnt ihr mir. Ich ... weiterlesen


Wettflug zwischen Storch und Kolibri

Man erzählt, daß der Kolibri sich zum Maguary-Storch gesellte.

»Schwager, wir wollen um die Wette fliegen!« sagte er zu ihm.

»Vorwärts! Aber hast du denn auch Kraft zum Fliegen?« antwortete ihm dieser.

»Ich habe Kraft.«

»Das werden wir sehen. Wann soll es denn sein?«

»Morgen früh.«

»Gut! Ich warte auf dich.«

Am anderen Morgen kam ... weiterlesen


Wettlauf zwischen Bremse und Fuchs

»Wir wollen spielen, Freund Bremse!« sagte der Fuchs zur Bremse. »Gut,« antwortete diese. »Was wollen wir spielen?« – »Wettrennen wollen wir spielen,« sagte der Fuchs; »du läufst auf der Erde und ich über der Erde.« – »Gut,« sagte die Bremse. »Jene Eiche dort wollen wir als Ziel nehmen,« sagte der Fuchs. »Gut,« sagte die Bremse.

So rannten sie um die Wette. ... weiterlesen


Die Tochter des Königsgeiers

Die Königsgeier pflegten an einen See zu kommen. Dort legten sie ihre Federkleider ab und badeten in der Gestalt junger Mädchen. Da war ein Mann, der schon anfing alt zu werden, und der kein Weib besaß. Als er die Mädchen in dem See baden sah, dachte er, wie er sich eins davon als seine Gefährtin einfangen könnte. Er baute eine Jagdhütte am Ufer, ging hinein und wartete. Die Geiermädchen ... weiterlesen