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Das Mädchen mit der Ziege - Märchen von Gustav Meyer: Albanische Märchen


Das Mädchen mit der Ziege

Es war, es möge nicht sein.

Es war einmal eine alte Frau, die hatte eine Tochter. Eines Tages, während das Mädchen an der Thür stickte, giengen einige Ziegen vorbei; da sprach sie zu ihrer Mutter: »Mutter, kaufe mir eine Ziege«. Und die Mutter kaufte ihr eine. Diese Ziege nahm das Mädchen und schickte sie in einen Weinberg zum weiden, dieser Weinberg aber gehörte dem Könige. Als der König sah, dass die Weintrauben beständig abnahmen, rief er den Hüter, der den Weinberg bewachte, und fragte ihn: »Wer isst meine Weintrauben?« Bei diesen Worten ward er zornig, jagte den Wächter fort und wachte in Zukunft selbst. Das Mädchen schickte die Ziege abermals in den Weinberg, aber der König, welcher dort versteckt in der Abenddämmerung wachte, gieng der Ziege nach, bis sie in ihr Haus eintrat und dessen Thür geschlossen wurde. Hierauf klopfte er an die Thür, bis die alte heraus kam, und sprach zu ihr: »Warum, du alte, schickst du diese Ziege in meinen Weinberg, dass sie meine Trauben frisst? wenn du willst, gib mir deine Tochter zur Frau, damit ich sie mitsammt der Ziege zu mir nehme«. »Gut, mein Sohn,« antwortete die alte, »ich gebe sie dir von ganzem Herzen«. Also heirateten sie sich, und das Mädchen nahm die Ziege mit sich. Eines Tages sprach die Dienerin des Königs zu ihr: »Gehen wir zum Brunnen um zu sehen, welche von uns schöner ist«; und es zeigte sich, dass die Gemahlin des Königs schöner war. Da bat die Dienerin die Königin um ihr Kleid, als ob sie sie dadurch ihrer Schönheit berauben wollte; und die Königin gab es ihr. Als aber die Dienerin das Kleid angelegt hatte, fasste sie die Königin und stürzte sie in den Brunnen; und dort wurde sie, bevor sie auf den Boden fiel, von einem grossen Fische ganz verschlungen. Die arme Ziege, welche gesehen hatte, wie man ihre Herrin in den Brunnen stiess, gieng suchend immerfort um den Brunnen herum und meckerte immerfort, aber jene kam nicht mehr aus dem Brunnen hervor. Hierauf fieng die Königin an ihr aus dem Brunnen zuzurufen: »Zicklein, o Zicklein! ich bin im Bauche des Fisches, mit dem Spinnrocken am Gürtel1, mit dem Sohne, der einen Stern auf der Stirn hat«. Die Ziege antwortete ihr also: »Mädchen, o Mädchen! der Kessel wird gewärmt, die Messer werden geschliffen, sie wollen mich schlachten«. Und so klagten sie sich gegenseitig ohne aufhören vor. Als der König die Ziege sah, wie sie so Antwort gab, sprach er: »Warum macht sie das?« Dann befahl er das ganze Wasser des Brunnens heraufzuziehen, und dabei zogen sie auch den Fisch mit heraus, und als sie ihn aufschnitten, nahmen sie die Königin lebendig heraus mit ihrem Sohne, der einen Stern auf der Stirn hatte. Darauf ergriffen sie die Dienerin, welche die Königin hinab gestossen hatte und tödteten sie.

Ich habe euch kein Märchen erzählt, sondern ich wollte euch täuschen.



Vgl. Grimm, KHM., Nr. 11 u. 141; Hahn, Griechische u. albanes. M., Nr. 1; Basile, Pentamerone, V, 8; Gonzenbach, Sicilianische M., Nr. 48 u. 49; De Gubernatis, Le Novelline di Santo Stefano, Nr. 11; Bernoni, Fiabe popolari veneziane, Nr. 2; Corazzini, I Componimenti minori della letteratura popolare italiana, S. 443, Nr. 9 (M. aus Benevent); Busk, The Folk Lore of Rome, S. 40; Mèlusine I, 419 (M. aus der Bretagne); De Gubernatis, Zoological Mythology, I, 409 (russisches M., aus Afanasjeffs Sammlung, IV, 45, ausgezogen).

Die Ziege des albanischen M. müsste nach Analogie der parallelen M. der verwandelte Bruder des Mädchens sein.

R.K.



Fußnoten

1 me fúrkẹnẹ mun ndẹ brest. fúrkẹ heisst »Heugabel« und »Spinnrocken«.


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