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Die Blutblume - Märchen von Paul Hambruch: Südseemärchen


Die Blutblume

In der Nacht war Wimbakobolo geflohen und hatte Purleemil, die Verlobte des Tirlta, mitgenommen. Nun war das Geschrei im Lager des Fluß-Stammes groß; die Alten versammelten sich und beratschlagten, wie sie ihn wohl wieder einsangen könnten. Während sie so beisammen saßen, kamen die jungen Leute herbei und erzählten, daß die Spuren der Flüchtigen nach dem großen Boulka-See führten, wo sich gerade eine Jagdgesellschaft aufhielt, die von einem Stamme aus dem Hinterlande entsandt war. Zu diesem Stamme hatte einst auch der Vater von Wimbakobolo gehört.

Da meinten die Alten mit Recht, daß die Flüchtlinge bei diesem Stamm Schutz suchen würden. Sie riefen die waffenfähige Mannschaft herbei und sagten: »Holt eure Waffen, wir wollen zu diesem Stamm ziehen und von ihm die Herausgabe der Flüchtigen verlangen. Wimbakobolo wollen wir erschlagen; Purleemil überlassen wir dem Tirlta; der mag sie dann nach seinem Gefallen töten oder behalten.«

In voller Kriegsbemalung und bis an die Zähne bewaffnet zogen sie los. Zwei Tage lang folgten sie der Spur. Am dritten erblickten sie die Lagerfeuer. Sie sandten Boten zum Stamm, die von den Alten empfangen wurden. Sie forderten die Auslieferung von Wimbakobolo und Purleemil.

»O, schickt mich bitte nicht zurück,« sagte Purleemil, »schickt mich nicht zum alten Tirlta zurück. Zwei Frauen hat er schon mit seiner Keule erschlagen; ich will nicht die dritte sein.« Und sie schluchzte laut.

»Hör auf mit Schreien,« sagte Wimbakobolo, »ich gebe dich an niemand heraus, eher töte ich dich selbst mit meinem Speer. Wenn Tirlta ein Mann ist,« er wandte sich zu den Alten, »dann soll er mit mir kämpfen. Ich bin bereit dazu, doch er ist ein Feigling. Leute vom Stamme meines Vaters! Bei euch fanden wir Schutz, und ihr gabt uns zu essen, als wir hungrig waren; denkt daran, daß einst mein Vater zu euch gehörte, daß er ein gewaltiger Krieger war und eure Feinde wie Ameisen vernichtete. Wie er für euch kämpfte, wird es sein Sohn in kommenden Tagen tun, wenn ihr ihm nur jetzt helft. Ich habe Purleemil mit den Sternenaugen seit langem geliebt, und ihr Herz hat mir immer gehört. Soll ein Mädchen auf Geheiß von Graubärten sein Herz einem Weibermörder schenken? soll es den Geliebten verlassen? soll es den lahmen Krüppel einem jungen, kräftigen, gutgewachsenen Mann vorziehen? Denkt an meinen Vater, ehe ihr eure Hand von seinem Sohne und den kommenden Enkeln abzieht! Niemals wollen wir wieder zu Tirltas Stamm zurückkehren, nein, eher soll mein Speer Purleemil, meinen Herzensschatz, durchbohren, und mein Blut mit ihrem sich vereinen.«



Eingeborener mit Speer und Speerschleuder


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