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Tiri und Karu - Märchen von Theodor Koch-Grünberg: Indianermärchen aus Südamerika


Tiri und Karu

In alter Zeit versengte ein böser Geist, genannt Sararuma oder Aïma Sunje, das ganze Land der Yurakare. Kein Baum, kein Lebewesen hielt dieser Feuersbrunst stand. Ein Mann, der die Vorsicht gehabt hatte, sich eine sehr tiefe unterirdische Wohnung zu graben, wohin er sich mit Lebensmitteln für die Dauer des Feuers zurückzog, war allein dem allgemeinen Verhängnis entwischt. Um sich zu überzeugen, ob die Flammen noch immer dieselbe Kraft hätten, streckte er von Zeit zu Zeit eine lange Gerte aus dem Loch. Die beiden ersten Male zog er sie brennend zurück, aber das drittemal war sie kalt. Er wartete noch vier Tage, bevor er selbst hinausging. Als er traurig dahinschritt über die verwüstete Erde ohne Nahrungsmittel und ohne Obdach und sein elendes Los beweinte, erschien ihm Sararuma, ganz in Rot gekleidet, der aus fernen Ländern kam, und sagte zu ihm: »Obwohl ich die Ursache von all dem Übel bin, habe ich dennoch Mitleid mit dir.« – Dann gab er ihm eine Handvoll Samen von den für das menschliche Leben notwendigsten Pflanzen und befahl ihm, sie zu säen. Ein herrlicher Wald entstand sofort wie durch Zauberei.

Kurze Zeit darauf fand sich dieser Mann, man weiß nicht wie, mit einer Frau, von der er mehrere Söhne und eine Tochter hatte. Als diese in das heiratsfähige Alter gekommen war, fühlte sie sich sehr einsam. Da heftete sich ihr Auge auf einen schönen Baum, genannt Ule, der, beladen mit purpurnen Blüten, am Ufer eines Flusses stand. Wenn es ein Mann wäre, sie würde ihn lieben! – Nachdem sich die Jungfrau mit Uruku bemalt hatte, um sich noch mehr zu verschönern, weinte, seufzte, wartete, hoffte sie. Sie hoffte, und es war nicht vergeblich. Der Baum wurde ein Mann, und die Jungfrau war glücklich. Die folgende Nacht war sie nicht mehr allein. Ule, in einen Mann verwandelt, leistete ihr Gesellschaft. Aber Ule verschwand mit der Morgenröte, und die Jungfrau fürchtete, nur ein vorübergehendes Glück gekannt zu haben. Sie vertraute ihre Sorgen ihrer Mutter an, und diese suchte mit ihr nach Mitteln, ihn zurückzuhalten. Ule kam die folgende Nacht wieder. Die junge Braut folgte den Ratschlägen ihrer Mutter, band ihn mit Lianen und hielt ihn so bei sich zurück. Nach vier Tagen willigte Ule ein, zu bleiben und sich mit der Jungfrau zu verheiraten. Man gab ihm die Freiheit wieder.


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