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Das Patengeschenk - Märchen von Pauline Schullerus: Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren Harbachtal


Das Patengeschenk

Es war einmal ein Rumäne, der hatte eine ehrenhafte Frau, aber er wohnte mehr im Wirtshause als zu Hause und trank, bis er trunken war. Kam er dann betrunken nach Hause, schlug er seine arme Frau fast zum Krüppel. Nun traf es sich, daß sie einen kleinen Knaben bekam, aber er fragte nicht, weder um seine Frau noch um das Kind, und ging ins Wirtshaus. Am dritten Tage fürchtete die Frau, wenn er betrunken heim käme, würde er sie wender schlagen, darum band sie sich das Kind mit einem Handtuch in die Arme und ging in den Wald, trotzdem es nicht erlaubt ist, mit einem ungetauften Kinde aus dem Hof hinauszugehen. Als Gott diese Frau im Walde sah, sprach er zum heiligen Petrus: »Du Petrus, komm, daß wir das Kind taufen.« Sie gingen. Gott machte mit dem Fuß ein kleines Loch in die Erde, und gleich sprudelte ein klares Wasser hervor, daß sie den Knaben daraus taufen konnten. Gott schenkte ihm die Kraft, er solle mit 16 Tagen eine Eiche ausreißen und die Spitze in die Erde stecken können, und der heilige Petrus schenkte ihm einen Säbel, mit dem der Knabe alles niederhauen könne, was er wolle, und ein Gewehr, mit dem er alles niederschießen könne. Der Mutter gaben sie einen Apfel, sie solle den werfen, wohin er falle, dort müßte sie sich eine Hütte aus Reisern machen.

Jetzt wohnte sie in der grünen Hütte 16 Tage lang, die waren ihr aber so lange wie 16 Jahre, in dieser Zeit wuchs der Knabe so groß und konnte reden und fragte: »Mutter, was hat mir mein Pate geschenkt?« – »Er hat dir einen Säbel und ein Gewehr geschenkt, aber ich soll es dir nur geben, wenn du eine Eiche mit der Wurzel ausreißen und sie mit der Spitze in die Erde stecken kannst.« – »Mutter, das ist ja eine leichte Arbeit, sieh, ich mach' es gleich.« Er zog gleich eine Eiche heraus, als wäre sie nur ein Stöcklein, und steckte sie mit der Spitze wieder in die Erde. Darauf gab ihm die Mutter Säbel und Gewehr, und er ging auf die Jagd. Als er durch den Wald ging, traf er das Haus der Drachen, ging hinein und schoß sie alle bis auf den Anführer nieder. Diesen brachte er nicht um, der hatte drei Köpfe und bat den Knaben, er solle ihn am Leben lassen und ihn lieber in ein Faß mit drei Reifen legen und ihn in die Kammer verschließen. Dieser tat so, wie der Drache wollte.

Dann ging zu er seiner Mutter zurück und brachte sie auch in das schöne Haus und gab ihr alle Schlüssel, nur den von der Kammer nicht. Sie glaubte, er habe dort Geld versteckt und versuchte alle Schlüssel, bis sie einen gefunden, der in das Schloß paßte. Darauf sperrte sie auf, und der Drache im Faß rief: »Bring mir drei Krüge Wasser, dann springen die Reifen und ich kann herauskommen.« Der Drache gefiel der Frau, und sie befreite ihn. Dann heirateten sie sich. Nach einem Jahre hatte sie wieder einen Knaben. Jetzt war ihnen der ältere zuviel, und sie beschlossen, ihn zu töten. Die Mutter kochte Suppe in zwei Töpfchen, das eine für den Kleinen war gut, in das andere schüttete sie Gift für den Großen. Der aß aber nichts, weil er sah, daß seine Mutter schlechte Gedanken hatte. Einmal brachte sie wieder für beide Knaben Milch. Der kleine trank sie gleich, der andere aber nahm das Glas und zwang seine Mutter, es selbst zu trinken. Sie trank und starb, dann nahm er den Säbel und hieb auch dem Drachen seine drei Köpfe ab. Nun hatte er Ruhe. Mit seinem Bruder lebte er gut, der war nicht ein garstiges Kind. Er sorgte und versorgte im Haus, der ältere ging auf die Jagd.

Da kam die Zeit, daß dieser heiraten wollte und zu seinem Bruder sagte: »Du Bruder, bleib du jetzt zu Hause, ich gehe in den nächsten Ort und versuche, ob ich mir nicht ein Mädchen zur Frau bekommen kann.« Gut. Er ging in die nächste Stadt und ging in das erste Haus hinein und bat um Herberge. Dort wohnte eine Witwe, die war sehr traurig und erzählte ihm, sie hätten in der Stadt einen Adler, und wenn ein Mensch mehr als ein Rind und mehr als ein Kind habe, komme er und fresse es, und es finde sich niemand, der ihn umbringe. Der Bursch nahm sich sein Gewehr, und am nächsten Morgen, als der Adler kam, schoß er ihn tot. So befreite er die Stadt von einem großen Unglück und bewahrte sie von großem Schaden. Sie gab ihm einen Wagen voll Dukaten.

Aber ein Mädchen hatte er sich nicht gefunden, darum ging er weiter in die nächste Stadt. Dort wohnte der König. Er verlangte ein wenig Wasser, da sagten ihm die Leute, sie hätten nur einen Brunnen, den hüte ein Drache mit sieben Köpfen. Wenn er den Leuten Wasser gebe, müßten sie es ihm mit einem Menschen bezahlen, und jetzt habe er grade die Königstochter verlangt. Und sie müßten ihm sie geben, sonst verdurste die ganze Stadt. »Sagt mir, wo der Brunnen ist.« Als sie ihm ihn gezeigt, ging er hin und setzte sich neben ihn und wartete, bis der Drache herauskäme. Da kam die Königstochter in der Kutsche, gleich sah der Bursch, daß sie schön sei, und hätte sie gerne zur Frau gehabt. Als sie nun gekommen, sprang auch der Drache gleich heraus um sie zu verschlingen, gleich zog der Bursch seinen Säbel und hieb ihm alle sieben Köpfe auf einmal ab, daß er gleich tot blieb. Dann nahm er ihnen die Zungenspitzen, sie waren ganz golden. Weil er zuerst fort mußte, gab ihm die Königstochter ihr Tüchlein, damit sie ihn erkenne, wenn er wieder käme. Das Mädchen fuhr nach Hause.

Da sagte der Kutscher unterwegs, wenn sie nicht sage, er habe den Drachen umgebracht, bringe er sie um. Sie sagte es aus Furcht und hielt Hochzeit mit ihm. Da ließ der König sagen, seine Tochter nehme jedes Geschenk, auch weiße Fisolen an. Als der Bursch von der Hochzeit hörte, ging er schnell hin, füllte das Tüchlein mit Linsen und legte auch die goldenen Zungenspitzen dazwischen und schickte die Frau, bei welcher er wohnte, damit zum König. Als die Leute das Tüchlein in der Hand der Frau sahen, dachten sie, diese hätte es gestohlen. Als aber die Königstochter es sah, schlug sie es schnell auseinander und wußte, daß ihr wirklicher Bräutigam nicht weit sei. Sie ließ ihn gleich holen und hielt dann mit ihm Hochzeit. Seinem Bruder schenkte er das Drachenhaus, und er blieb in der Stadt auf dem Hof des Königs und war glücklich, solange er lebte.



Nicolai Duda, Alzen


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