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Merlicoquet - Märchen von Ernst Tegethoff: Französische Volksmärchen 2


Merlicoquet

Merlicoquet ist Ähren lesen gegangen. Er hat drei Ähren gesammelt, dann hat er sich davongemacht und klopft an eine Tür. »Wer ist draußen?« »Der biedere Merlicoquet!« »Herein! Was wünscht Ihr, Freund?« »Legt mir, bitte, diese drei Ähren auf das Brotbrett. Ich werde sie später zurückfordern.« Man bewahrt die Ähren auf. Einige Zeit darauf kommt Merlicoquet wieder. »Meine Ähren, bitte schön!« »Eure Ähren? Die Henne hat sie gefressen!« »Gebt mir meine Ähren wieder oder gebt mir die Henne!« »Es sind keine Ähren mehr da; nehmt die Henne!« Merlicoquet nimmt die Henne und klopft an ein anderes Haus. »Wer ist draußen?« »Der biedere Merlicoquet!« »Herein! Was braucht Ihr?« »Da ist eine Henne, die mir lästig ist, könntet Ihr sie mir nicht aufheben? Ich komme dann wieder vorbei, sie zu holen.« »Setzt sie in den Hof zu den andern!« Er läßt sie dort und geht weiter. Einige Tage später kommt er wieder. »Meine Henne, bitte schön!« »Eure Henne? Die Stute hat sie getreten!« »Ich habe Euch meine Henne anvertraut, Ihr müßt sie mir ersetzen. Gebt mir meine Henne. .. oder die Stute!« »Wir können Euch Eure Henne nicht zurückerstatten, nehmt die Stute!« Er führt die Stute nach und klopft an eine andere Tür. »Wer ist draußen?« »Der biedere Merlicoquet.« »Herein! Womit können wir Euch dienen?« »Könntet Ihr mir nicht meine Stute für zwei Tage einstellen?« »Wenn Euch damit ein Gefallen geschieht, so stellt sie bei den anderen Pferden ein!« Merlicoquet läßt die Stute dort und kehrt nach einigen Tagen zurück. »Meine Stute, bitte schön!« »Eure Stute? Die Kleine hat sie ersaufen lassen, als sie sie zur Tränke geführt hat.« »Damit komme ich nicht auf meine Rechnung. Gebt mir meine Stute wieder oder gebt mir die Kleine!« »Wir können Euch Eure Stute nicht zurückerstatten, nehmt die Kleine!« Merlicoquet steckt die Kleine in seinen Quersack. Dann läd er sie auf den Rücken und geht fort.

Die Patin kochte gerade einen Brei für ihr kleines Kind. Als der Brei fertig war, sagte sie wie gewöhnlich: »Wer will die Pfanne auslecken?« »Ich, Patin!« sagte ein dünnes Stimmchen. »Du, mein Töchterchen? Wo bist du denn?« »Im Quersack vom Merlicoquet.« Die Patin zieht geschwind das kleine Mädchen aus dem Quersack heraus, und damit Merlicoquet ihr Verschwinden nicht bemerkt, steckt sie eine Katze, einen Hund und einen Topf mit Milch an ihre Stelle. Merlicoquet kommt wieder und läd seinen Quersack auf. Da das Gewicht ungefähr das gleiche ist, merkt er nichts. Aber als der Sack auf seinem Rücken ist, meint er, daß sich etwas darin bewegt und daß man sich darin prügelt. So war es auch: die Katze wollte die Milch auslecken, der Hund biß die Katze und die Milch lief Merlicoquet am Rücken herunter: »Du Balg, du pissest ja!« schrie Merlicoquet, »warte, ich will dich bläuen!« Er legte seinen Sack ab, um eine kleine Gerte von der Hecke abzuschneiden, womit er das kleine Mädchen prügeln wollte, das er noch immer im Quersack glaubte. Der Sack öffnet sich, die Katze macht einen Satz, der Hund läuft hinter ihr her und Merlicoquet reißt die Augen auf und ahnt nicht, wie dieses Wunder sich hat ereignen können.


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