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Sieur de Préchac: Prinz Unvergleichlich - Märchen von Klaus Hammer: Französische Feenmärchen des 18. Jahrhunderts


Sieur de Préchac: Prinz Unvergleichlich

Es waren einmal ein König und eine Königin, die ein sehr stilles und zurückgezogenes Leben führten. Ein junger Prinz und eine liebenswürdige Prinzessin waren die Frucht ihrer Liebe. Dieser Prinzessin hatte man den Namen Belle-main, Schönhändchen, gegeben, weil sie in der Tat die schönsten Hände hatte, die es gab. In den Zeiten, wo diese Familie lebte, war es üblich, zu der Niederkunft vornehmer Damen Feen einzuladen; aber der König, der an Zauberei nicht glaubte und es für unnütz oder schädlich hielt, die Zukunft im voraus zu wissen, hatte durchaus nicht zugeben wollen, eine Fee einzuladen oder über Schönhändchens künftiges Schicksal um Rat zu fragen. Die Königin war in diesem Stücke mit der Denkungsart ihres Gemahls nicht zufrieden, und da sie ihre Tochter auf das zärtlichste liebte, sah sie mit Schrecken der Zeit entgegen, wo dieselbe verheiratet, oder wie sie es nahm, einem höchst Ungewissen Geschick überantwortet werden sollte. Dieser Gedanke ließ ihr Tag und Nacht keine Ruhe, und sie entschloß sich endlich, ungeachtet der Verbote ihres Gemahls, ganz im geheimen die Fee Ligourde zu besuchen, die in dem benachbarten Gebirge wohnte. Diese Fee war höchst boshaft und gegen den König aufgebracht. Sie erblickte in dem Besuch der Königin eine erwünschte Gelegenheit, sich zu rächen, da diese sie nie zur Geburt ihrer Kinder eingeladen hatte. Die Fee empfing sie in einem verzauberten Palast ganz aus Gold und Lasurstein, und kaum hatte sie der Königin Bitte um einige Aufklärung über Schönhändchens Schicksal vernommen, als sie ihr ganz trocken antwortete, daß alle Mühe, die Prinzessin glücklich machen zu wollen, vergeblich sein werde. »Sie wird«, sagte sie, »gegen eine andere Prinzessin ausgetauscht werden. Beide werden sehr unglücklich sein, und Schönhändchens Leiden werden am längsten dauern. Man wird sie mit einem Prinzen verheiraten, der eine ausschweifende Liebe für Vögel hat, und besonders ein roter Vogel wird ihr großen Verdruß machen. Sie wird lange Zeit unfruchtbar sein. Man wird sie deshalb verachten, und ihre Untertanen werden sich gegen sie auflehnen. Endlich wird ein Ungeheuer ihre Eingeweide zerfleischen und sie auffressen.« Jedes Wort der Fee war ein Dolchstoß für die unglückliche Königin. Sie fiel ohnmächtig zu Ligourdes Füßen nieder, die sie in diesem Zustand ganz einfach in das Bett des Königs, ihres Gemahls, legte.

Der König, welcher die Abwesenheit seiner Gemahlin nicht bemerkt hatte, erstaunte nicht wenig, als er sie ohnmächtig neben sich liegen sah. Er rief um Hilfe und brachte sie mit vieler Mühe wieder zu sich. Er befragte sie um die Ursache dieser Ohnmacht, konnte aber lange nichts von ihr erfahren. Unter Strömen von Tränen und unter lautem Schluchzen rief sie ein über das andere Mal, sie wünschte von ganzem Herzen, daß ihre Tochter nie geboren wäre. Als sie endlich wieder zu sich gekommen war, erzählte sie ihm alles, was ihr die Fee gesagt hatte. Der König fand natürlich diese ganze Erzählung höchst abenteuerlich und glaubte, seine Gemahlin habe dies alles geträumt. Aber die Königin besann sich auf alles, was die Fee ihr gesagt hatte, und war nicht zu trösten. Sie ließ die Prinzessin zu sich kommen, umarmte sie mit Tränen in den Augen und beschwor sie, ihr zu versprechen, daß sie sich nie verheiraten wolle. Schönhändchen antwortete, sie werde immer eine gehorsame Tochter sein. Die Königin hielt sie in ihren Armen, überhäufte sie mit Liebkosungen und erzählte ihr einen Teil des Unglücks, womit sie die boshafte Ligourde bedrohte, setzte aber hinzu, es werde ihr leicht sein, ihre Pläne scheitern zu machen, wenn sie sich entschlösse, unverheiratet zu bleiben.

Schönhändchens Reize und Tugenden wurden indes überall so bekannt, daß mehrere mächtige Könige Gesandte schickten und um ihre Hand anhalten ließen. Doch die Königin wußte immer Ausflüchte zu finden und blieb den Werbungen gegenüber, die von allen Seiten an sie gelangten, unerbittlich.

Die Prinzessin hatte etwas von der Denkungsart ihres Vaters und glaubte nicht sonderlich an die Untrüglichkeit der Feen. Da sie aber ihre Mutter schlechterdings nicht auf andere Gedanken bringen konnte, beschloß sie, mit der Fee Clairance Bekanntschaft zu schließen, die für eine gutgesinnte Dame galt, um womöglich mit ihrer Hilfe das Unglück abzuwenden, mit dem Ligourde sie bedrohte. Sie hatte gehört, daß die Feen im Grunde ihres Herzens die Reichtümer verachteten und daß man ihre Gunst leichter durch einfache Geschenke als durch Gold und Silber gewinnen könne. Sie suchte also neun Stücke der allerfeinsten Leinwand aus und schickte sie nebst neun Rocken, ebensovielen Spindeln von Zedernholz und dreizehn elfenbeinernen Weberschiffchen durch ihre Amme an die Fee Clairance, die sie auf das allerverbindlichste einladen ließ, sie in ihrem Palaste zu besuchen. Die Amme, eine Person von vielem Verstande, richtete ihren Auftrag mit großer Geschicklichkeit aus, und Clairance ließ der Prinzessin versprechen, ihr, wenn sie es am wenigsten vermuten würde, einen Besuch zu machen.

Schönhändchen erwartete nun mit Ungeduld die Erfüllung dieses Versprechens, und als sie eines Tages mit ihrer Mutter im Garten spazierenging, begegnete ihnen eine alte Frau, die an der Spindel spann und um ein Almosen bat. Die Königin wurde böse und zankte mit ihren Leuten, daß man die Alte in den Garten gelassen habe, aber Schönhändchen war mitleidiger und schenkte ihr ein Goldstück. Sogleich schwang die Alte ihren Rocken dreimal im Kreis um sich her, und in demselben Augenblick stand ein anderer, weit schönerer Garten da, der mit den wohlriechendsten Blumen angefüllt und von unabsehbaren Orangenalleen durchschnitten war, in denen Springbrunnen und Wasserfälle das Auge auf die angenehmste Weise überraschten. »Es beruhigt mich«, sagte die Alte, »daß ich imstande bin, die Prinzessin für ihre Freigebigkeit zu belohnen und die Königin zu überzeugen, daß sie nicht nötig gehabt hätte, sich um meinetwillen zu ereifern. Ich bin« fuhr sie fort, nachdem sie die Entschuldigungen der Königin, die jetzt ihren Irrtum merkte, mit Güte angehört hatte, »ich bin die Fee Clairance und komme hierher, um mein Versprechen gegen Schönhändchen zu erfüllen, die mir ein besseres Schicksal zu verdienen scheint, als ihr die boshafte Ligourde verspricht.« Zu gleicher Zeit betrachtete sie die Augen, die Hände und die Gesichtszüge der Prinzessin mit großer Aufmerksamkeit und fuhr fort: »Ligourde ist in der Tat eine sehr geschickte Fee, aber sie muß sich entweder nicht deutlich erklärt oder Ihr müßt sie nicht recht verstanden haben. Ich versichere Euch, daß sich Schönhändchen mit einem großen König verheiraten wird. Sie wird zwar einigen Kummer haben, doch dieser soll zu ihrem Ruhm und Vorteil ausschlagen. Sie wird einen Prinzen, ein wahres Wunder der Welt, bekommen, und diesem wird die grausame Ligourde nachstellen, um ihn in seiner Jugend umzubringen. Aber wir wollen auf Mittel sinnen, ihn ihren Schlingen zu entziehen.«

Mutter und Tochter beschworen nun die Fee, Mitleid mit ihnen zu haben und sie vor Ligourdes Bosheit zu schützen, und in der Tat wußte ihr Schönhändchen so gut zu schmeicheln und so vertrauensvoll ihre Hilfe zu erflehen, daß die Fee versprach, ihr Zutrauen nicht zu täuschen und sie nie zu verlassen. Sie verschwand hierauf und ihr schöner Garten ebenfalls. Die Königin und ihre Tochter aber konnten sich lange nicht von ihrem Erstaunen und ihrer Verwunderung erholen.

Kurze Zeit darauf kamen Gesandte eines benachbarten, mächtigen Monarchen an den Hof des Königs und baten ihn im Namen ihres Herrn, der es sehr eilig hatte, sie zu heiraten, um die Hand seiner Tochter. Die Königin konnte sich, des Schutzes ungeachtet, welchen ihr Clairance versprochen hatte, nicht entschließen, aber der König war minder bedenklich, und da er hörte, daß sein zukünftiger Schwiegersohn eine schöne Schwester hatte, brachte er eine Wechselheirat in Vorschlag, die auch sogleich angenommen wurde; denn der verliebte König, der nur daran dachte, die Prinzessin Schönhändchen zu besitzen, welche schon so vielen anderen Monarchen verweigert worden war, gab die Einwilligung zur Heirat seiner Schwester. Während nun aber diese doppelte Vermählung mit aller nur denkbaren Pracht gefeiert wurde, war Ligourde nicht müßig, sondern ordnete gleich in der Hochzeitsnacht das Schicksal der Schwiegertochter des Königs mit so vieler Bosheit an, daß sie in der Folge äußerst unglücklich wurde. Mit Schönhändchen gelang es ihr nicht so gut, denn die Fee Clairance, welche sich unerkannt in Ligourdes Nähe aufhielt, machte alle ihre Pläne zunichte.

Indessen gerieten die beiden Feen miteinander in großen Streit. Beide kamen darinnen überein, daß die neue Königin einen Prinzen zur Welt bringen sollte, aber Ligourde eilte, Clairance mit ihren Wünschen zuvorzukommen, und sprach deren drei aus: der erste war, der Prinz solle in seiner Jugend von vielen harten Krankheiten überfallen werden, der zweite, er solle viele Feinde haben, der dritte, er solle sich in eine so strenge Schöne verlieben, daß er den besten Teil seines Lebens der Befriedigung ihrer Wünsche aufopfern müßte. »Halt ein, Boshafte«, unterbrach sie Clairance, »und warte, bis ich ebenfalls drei Wünsche ausgesprochen habe. Der erste sei ein sehr langes Leben, der zweite Sieg über alle seine Feinde, der dritte unermeßliche Reichtümer.«

Ligourde schien durch diese Wünsche, die den ihrigen geradezu entgegengesetzt waren, sehr beleidigt und konnte sich nicht enthalten, Clairance zu sagen, die Zeit werde entscheiden, welche von ihnen beiden imstande sei, ihre Wünsche am besten durchzusetzen. Clairance tat sich Gewalt an, um mit Mäßigung zu antworten und Ligourde von ihren boshaften Plänen gegen die Königin abzubringen. Dieses Bemühen war vergeblich, und beide Feen trennten sich mit Unwillen.

Schönhändchen wurde indessen unter unglaublichen Freudensbezeigungen in die Staaten ihres Gemahls geführt; und da es Brauch war, der Königin die Hand zu küssen, und niemals eine Prinzessin eine so schöne Hand gehabt hatte, erwarb sie sich die Bewunderung all ihrer Untertanen. Der König liebte die Jagd und hielt eine Menge seltener Vögel, unter denen er seiner Gemahlin vorzüglich einen roten Vogel mit hohem Kopfe und sehr gefährlichem Schnabel und Krallen wegen seiner seltenen Eigenschaften rühmte. Die Königin erinnerte sich hierbei an Ligourdes Drohungen und fühlte eine geheime Furcht und Abneigung gegen diesen so hochgepriesenen roten Vogel.

Schönhändchen hatte nun einige Zeit mit ihrem Gemahl gelebt, als sie die Anzeichen einer Schwangerschaft zu bemerken glaubte. Während sie aber selbst noch ungewiß war, meldete ihr eine ihrer Frauen eines Tages, da sie allein in ihrem Kabinette war, daß ein Papagei zu verkaufen da sei, welcher unter mehreren Sprachen auch ihre Landessprache redete. Dieser Umstand machte die Königin neugierig. Der Papagei ward in ihr Zimmer gebracht und redete sie mit einer wohlgesetzten Rede an. Die Königin tat hierauf verschiedene Fragen an ihn, die er mit großer Richtigkeit beantwortete. Die Freude der Königin war unbeschreiblich. Sie kaufte den bewundernswürdigen Vogel auf der Stelle als ein unfehlbares Mittel gegen die Langeweile, von der sie nun nichts mehr befürchtete. Der ganze Hof staunte ihn als ein Wunder an, und der König selbst brachte manche Stunde in dem Zimmer der Königin zu, um ihren Papagei sprechen zu hören. Indessen dauerte diese Freude nicht allzulange. Man fragte den wunderbaren Papagei so viel und mancherlei, daß er endlich müde wurde zu antworten und gänzlich verstummte. Sein Stillschweigen ängstigte die Königin. Sie hielt ihn für krank und verschwendete alle Arten von Liebkosungen an ihn. Ihr Kummer rührte endlich sein Herz, und da sie sich in ihrem Zimmer allein befand, sagte er folgendes zu ihr:

»Mache deinem Kummer ein Ende, schöne Königin! Ich bin deine Freundin Clairance und habe diese Gestalt angenommen, um ungestört mit dir sprechen zu können. Du bist schwanger, aber die boshafte Ligourde geht mit dem Plane um, dein Kind in der Wiege zu erwürgen. Ich bin also hierher geeilt, um es zu retten, und es wird mir gelingen. Wenn du schweigen kannst und ein unbegrenztes Vertrauen auf mich setzest, so übergib mir deinen Sohn. Ich will ihn gegen Ligourdes Nachstellungen sichern und ihm eine Erziehung geben, bei der er zuverlässig seine Rechnung besser finden soll als die meisten Prinzen bei der ihrigen. Indessen kann ich dir nicht verschweigen, daß, da Ligourdes Gewalt über ihn bis in sein zweiundzwanzigstes Jahr dauern wird, du ihn mir so lange anvertrauen und Geduld haben mußt, bis die bestimmte Zeit vorüber ist. Erst dann darfst du deinen Sohn wiedersehen.«

So gerührt und dankbar nun aber auch die Königin gegen die Sorgfalt der guten Fee war, fand sie es doch unmöglich, ihren Schmerz zu unterdrücken. Ströme von Tränen stürzten über ihre Wangen herab, ihre Zunge stockte, sie vermochte nichts zu antworten. »Trägst du Bedenken, ihn mir anzuvertrauen?« fuhr die Fee fort. »Ach!« antwortete die Königin, »Ihr wißt, daß ich mich Euch ganz hingegeben habe, aber nie wird der König, nie werden seine Untertanen ihre Einwilligung geben.« – »Die deinige ist mir allein schon genug«, erwiderte Clairance, »ich will deine Schwangerschaft verbergen, und du sollst deine Niederkunft selbst nicht spüren. Ich werde dein Kind hegen wie meinen Augapfel, und nach Ablauf der bestimmten Zeit will ich es dir wohlbehalten wiedergeben, daß du dann von neuem, vor aller Welt Augen, damit niederkommen kannst. Vor allen Dingen aber bewahre dein Geheimnis und fasse den festen Entschluß, allen Kummer standhaft zu ertragen, den dir deine vermeintliche Unfruchtbarkeit verursachen wird.« Die Königin war von Clairances guten Absichten so vollkommen überzeugt, daß sie ohne Bedenken ihre Einwilligung zu allen ihren Vorschlägen gab. Am Ende ihrer Unterredung mit der gütigen Fee, die sie auf das inständigste bat, in der Erziehung ihres Sohnes nichts zu versäumen, trat der König ein. Der Papagei stimmte ein reizendes Lied an, das dem König großes Vergnügen machte, hüpfte hierauf an das Fenster und flog davon. Die Königin stellte sich bestürzt und setzte alle ihre Bedienten in Bewegung, den Papagei einzufangen, aber er war fort und blieb fort, und alle Belohnungen, die man dem Finder versprach, blieben unwirksam. Der Königin tat es leid, ihren Gesellschafter verloren zu haben, aber dem Könige, der ein so großer Liebhaber von Vögeln war, noch mehr.

Die Schwangerschaft der Königin blieb indes der ganzen Welt verborgen, und sie kam nieder, ohne daß es jemand gewahr wurde. Clairance nahm den kleinen Prinzen zu sich und nannte ihn Sans Parangon, Unvergleichlich. Sie wußte, daß er zu großen Dingen bestimmt war, und so wendete sie auf seine Erziehung eine Sorgfalt, die selten auf die Erziehung eines Prinzen gewendet wird. Da sie bemerkte, daß es immer viele Mühe machte, ihn wieder einzuschläfern, wenn er einmal aufgewacht war, kam sie auf den Einfall, die Prinzessin von China bei ihm anzustellen, die die schönste, aber auch zugleich die stolzeste Person von der Welt und seit einigen Jahrhunderten bezaubert war. Diese Prinzessin besaß eine ganz unvergleichliche Stimme, und deshalb befahl ihr die Fee, bei dem Kinde zu bleiben, und ihm, wenn es erwachte, so lange vorzusingen, bis es wieder eingeschlafen war.

Die außerordentliche Schönheit der Prinzessin hatte vor ihrer Bezauberung so sehr die Gemüter in aller Welt erregt, daß sich die größten Prinzen der Erde glücklich geschätzt hatten, ihr Leben auf das Spiel zu setzen, um einen kleinen Anteil ihrer Achtung zu erhalten; denn so einschmeichelnd ihr Betragen auch war, so hatte sie doch von ihren Verdiensten eine so hohe Meinung, daß sie einen einzigen ihrer Blicke als eine hinreichende Belohnung für die großmütigsten Unternehmungen hielt. Nur Helden durften in ihren Diensten stehen, und von diesen forderte sie immer außerordentliche, oft ganz unmögliche Beweise ihrer Ergebenheit; und wenn die aufgetragenen Unternehmungen gelangen, bestand die ganze Belohnung in der Erlaubnis, ihre Bewerbungen fortsetzen zu dürfen, kamen sie aber dabei um, so pries sie ihr Schicksal glücklich, weil sie in ihrem Dienste gestorben waren. Dieser Stolz und diese Ruhmbegierde verschafften ihr den Namen Belle-gloire oder Schön Gloria. Endlich beschlossen die Feen, die längst auf ihre Schönheit eifersüchtig gewesen waren, sie zu entführen und auf dreitausend Jahre zu bezaubern. Clairance widersetzte sich diesem harten Entschluß lange Zeit, aber da sie sah, daß Schön Gloria um ihrer Launen willen so viele Helden umkommen ließ und keinem für seine Mühe Dank wußte, willigte sie endlich in ihre Bezauberung ein. Doch erhielt sie von ihren Mitschwestern die Vergünstigung, daß die Prinzessin in dieser langen Zeit nicht altern, sondern ihre Schönheit unverändert behalten sollte.

Die Feen hatten Schön Gloria auferlegt, alle Tage elftausend Knäuel Zwirn abzuwinden, aber Clairance befreite sie zugunsten des Kindes von dieser mühseligen Beschäftigung und befahl ihr, bei dem Prinzen zu bleiben, um ihn durch ihren Gesang einzuschläfern. Dieses Geschäft war viel leichter und angenehmer als jenes, und die Freude, die sie über den Tausch empfand, trug nicht wenig dazu bei, in ihrem Herzen eine Neigung für Prinz Unvergleichlich aufkeimen zu lassen, die sie auch in der Folge beständig beibehielt. Unvergleichlich selbst war nur zufrieden, wenn er Schön Gloria singen hörte. Dafür erhielt sie denn auch einige gute Worte von Clairance, die den kleinen Prinzen über allen Ausdruck liebte und ihr versprach, daß sie, wenn sie sich ihr Geschäft angelegen sein ließe, vielleicht lange Zeit in Unvergleichlichs Diensten bleiben könnte. Dieser wuchs nach und nach heran, und im Alter von sieben Jahren lehrte ihn die Fee etliche Sprachen. Für seine Übungen wählte sie tüchtige Lehrer aus, und damit er kräftig werde, gab sie ihm nur eine Sorte Fleisch zu den Mahlzeiten und tat nie andere Kräuter als Salbei in seine Suppen oder servierte ihm manchmal Betoniensalat. Aber bei allem, was er tat, mußte Schön Gloria um ihn sein, und er fühlte überall Langeweile, wo sie nicht war. Dagegen fand Schön Gloria in der Gesellschaft des Prinzen, dessen edle Denkungsart sich immer mehr entwickelte, so viel Vergnügen, daß sie seinen Wünschen sehr gern Genüge leistete und alles aufbot, ihn auf die angenehmste Weise zu beschäftigen.

Der Prinz hatte von seiner zarten Jugend an eine ausgezeichnete Neigung zu militärischen Beschäftigungen gezeigt, und oft bewaffnete er alle Frauenzimmer, die ihn bedienten, mit Piken und Flinten und ließ sie exerzieren, womit er Schön Gloria ein großes Vergnügen zu machen glaubte. Sowie er aber an Jahren zunahm, entzog ihm die stolze Prinzessin ihre Gesellschaft mehr und mehr und verhehlte ihm sogar die Neigung, die sie im Herzen gegen ihn hegte.

Clairance, welche auf alles achtete, was ihren geliebten Pflegesohn anging, hatte seine Neigung zum Militär sehr gut bemerkt und suchte sie für seine künftige Bestimmung auszubilden. Sie schenkte ihm deshalb ein elfenbeinernes Pfeifchen, das die Kraft hatte, Scharen bewaffneter Krieger aus der Erde hervorzulocken, die er dann mit großer Einsicht ordnete und manövrieren ließ. Um ihn auf die Regierungsgeschäfte vorzubereiten, gab sie ihm einige weise und erfahrene Männer, die mit ihm über politische Sujets sprachen und ihm die Grundsätze der Menschenliebe und Gerechtigkeit in Anwendung auf die Staatskunst einprägten. Niemals hat es einen gelehrigeren Prinzen gegeben als Unvergleichlich. Er machte sich alles zu eigen, was man ihm sagte, und erlangte in kurzer Zeit eine Menschenkenntnis, die ihn lehrte, in dem Innersten der Herzen zu lesen.

Indes taten diese militärischen und politischen Beschäftigungen dem umfassenden Geiste und der Tätigkeit des Prinzen noch keine Genüge. Seine Mußestunden füllte die Beschäftigung mit den schönen Künsten aus, und er zeigte seinen Geschmack und seine Erfindungskraft zuerst an dem Palaste seiner Wohltäterin, welcher prächtig, aber dennoch nicht ebenmäßig war. Für die Gartenkunst hatte er eine ganz eigene Liebhaberei, und um ihn auch hierin seiner Neigung gemäß zu beschäftigen, schenkte ihm die Fee einen Zauberstab, mit welchem er nur dreimal auf die Erde zu schlagen brauchte, um die Schöpfungen seiner Einbildungskraft Wirklichkeit werden zu lassen. Dieses Geschenk machte ihm viel Freude. Er baute mit Hilfe desselben einen Palast von außerordentlicher Größe, wo er im Notfall alle Offiziere seiner Truppen hätte einquartieren können. In demselben waren sehr geräumige Höfe, Treppen von Marmor und Jaspis und lange Reihen von Zimmern, die auf das prächtigste möbliert und mit den schönsten Gemälden geschmückt waren. Alles war auf das reichste und prächtigste und in dem besten Geschmacke angeordnet. Besonders aber zeichnete sich eine lange Galerie aus, die mit kostbaren Spiegeln, schönen Statuen aus Marmor und Bronze und herrlichen Gemälden ausgeschmückt war, auf denen wundervolle und unerhörte Taten eines Helden geschildert wurden. Wenn man sich nun aber an allen diesen Reichtümern fast müde gesehen hatte, fand man in dem anstoßenden Garten neuen Anlaß zur Bewunderung. Ungeheure Springbrunnen und Wasserfälle ergossen sich in große marmorne Becken, und die Bäche, welche sich gewöhnlich auf der Erde entlangwinden, erhoben sich bis zum Himmel. Reizende Blumenbeete wechselten mit schattigen Orangenhainen und langen Alleen ab. Schimmernde Grotten und stille Lauben luden hier und da zur Ruhe und zur Erquickung ein; und um die Unterhaltung noch mannigfaltiger zu machen, sah man Tiere aller Art, Löwen, Tiger und Leoparden, ja selbst Schlangen und Drachen, die harmlos und ihres Giftes beraubt waren. Am Ende des Gartens schnitt ein Meeresarm wie ein Kanal tief in das Land hinein. Diesen bedeckten Gondeln und Barken, die den Spaziergängern durch ihre Schönheit und die Lustigkeit der Schiffer eine höchst angenehme Unterhaltung verschafften.

Als eines Tages Schön Gloria, auf Clairances Befehl, mit dem Prinzen hier spazierenfuhr, fragte Unvergleichlich sie, wie ihr seine Einrichtungen gefielen. Sie antwortete ihm ganz hochmütig, Pracht und Reichtum seien in China etwas so Gewöhnliches, daß ihr Vater den kostbarsten Palästen immer einfache und saubere Wohnungen vorgezogen habe. Unvergleichlich befand sich eben am anderen Ende des Kanales, als ihm Schön Gloria diese Antwort erteilte. Sogleich stieg er an Land und schlug dreimal mit seinem Stab auf die Erde. In demselben Augenblick erhob sich ein Schloß aus Porzellan, von Rosen- und Jasminbeeten umgeben, in denen eine Menge kleiner Springbrunnen waren. Das Ganze bildete die artigste Gruppe, die man sehen konnte. Schön Gloria selbst sah sie mit Vergnügen, aber sie verschloß ihre Empfindungen in ihrer Brust und machte dem Prinzen nicht die Freude, sich mit seiner Aufmerksamkeit zufrieden zu zeigen.

Clairance hatte keine Ursache, so verschlossen zu sein, und bezeigte dem Prinzen ihre große Zufriedenheit mit seinem Geschmack. Zu gleicher Zeit befahl sie, daß alle bezauberten Personen ihm zu Ehren die Freiheit haben sollten, täglich drei Stunden in den Zimmern und Gärten des Palastes umherzugehen, und daß man daselbst eine reizende Musik, jederlei Spiele und ein gutes Abendessen, kurz, alles, was zur Unterhaltung guter Gesellschaft gehört, finden sollte. Unvergleichlich hörte diesen Befehl mit Entzücken, weil er glaubte, daß diese Einrichtung Schön Gloria Vergnügen machen würde; aber die Prinzessin hatte so sonderbare Launen, daß man nie wußte, wie man mit ihr stand, und daß oft die Mühe, die man sich gab, sie vergnügt zu machen, gerade das Gegenteil bewirkte. Sie bildete sich ein, der Prinz selbst habe Clairance diese Idee eingegeben, um Gelegenheit zu haben, die vielen bezauberten Schönen, die in dem Palaste der Fee waren, mit größerer Bequemlichkeit zu sehen und zu sprechen. Ob nun gleich jeder Schatten von unregelmäßigen Begierden aus diesen bezauberten Gegenden verbannt und die Eifersucht vollkommen unbekannt war, konnte Schön Gloria doch nicht den Gedanken ertragen, daß der Prinz einem anderen Frauenzimmer als ihr die mindeste Aufmerksamkeit erzeigte. Unvergleichlich, der ein großer Liebhaber von Musik war, versäumte nie die Gelegenheit, welche zu hören. Sobald Schön Gloria ihm aber ihre Unzufriedenheit darüber zu erkennen gab, zögerte er keinen Augenblick, ihr dieses Opfer zu bringen und den Palast zur Zeit der Assemblee zu meiden.

Der Prinz stand nun in seinem einundzwanzigsten Jahre und hatte alle seine Talente mit bewundernswürdigem Erfolg ausgebildet, um Schön Gloria zu gefallen. Nun erwartete seine Mutter mit Ungeduld den Augenblick, wo ihr die gütige Fee ihren Sohn wieder zustellen und den Leiden ein Ende machen würde, die sie bis jetzt mit unglaublicher Standhaftigkeit ertragen hatte. Die Meinung von ihrer Unfruchtbarkeit hatte ihr eine Menge bitterer Verfolgungen von seiten ihrer Feinde zugezogen. Das Volk hatte angefangen zu murren und endlich ganz laut zu äußern, man müsse die Königin in ihr Vaterland zurückschicken und dem Könige eine fruchtbare Gemahlin geben, denn es sei nicht vernünftig, daß ein großes Reich durch die Unfruchtbarkeit der Königin keine Erben habe, wo man leicht andere finden könnte, die sie ersetzen und dem König einen Thronfolger schenken würden. Ihre Tugend und die Hoffnung, zur bestimmten Zeit ihre Feinde zum Schweigen bringen zu können, ließ sie alles erdulden. Sie hatte sich nicht geirrt. Als die bestimmten einundzwanzig Jahre verflossen waren und Clairance sah, daß Unvergleichlich von Ligourdes Drohungen nichts mehr zu befürchten hatte, verkündete sie ihm, daß seine Bezauberung vorbei und daß es nun Zeit sei, seine Eltern zu trösten. Unvergleichlich hatte sich bis jetzt für Clairances Sohn gehalten und war über die Nachrichten, die er erhielt, desto mehr betroffen, da er in ihnen die Entfernung von Schön Gloria als eine notwendige Folge sah. Indessen unterwarf er sich dem Willen des Schicksals, bat aber zu gleicher Zeit seine Wohltäterin auf das inständigste, ihn so oft als möglich zu besuchen und Schön Gloria jedesmal mitzubringen. Clairance, welche ihm nichts abschlagen konnte, versprach ihm alles, was er wollte.

Durch ihren Zauber verschwand der Prinz, und die Königin befand sich schwanger. Der König und das ganze Land sahen mit ungeduldiger Erwartung ihrer Niederkunft entgegen, und als sie einen Sohn zur Welt brachte, bemächtigte sich eine allgemeine Freude des Hofes und aller Untertanen. Mit Verwunderung fand man das Kind größer und gebildeter, als Kinder bei ihrer Geburt gewöhnlich zu sein pflegen; aber was beinahe alles verdorben hätte, war der Umstand, daß der Prinz mit Zähnen auf die Welt kam. Die Fee hatte vergessen, ihm diese zu bezaubern. Indessen nahm sich bei der allgemeinen Freude niemand recht die Zeit, dieses Wunder zu untersuchen, bei welchem sich die Ammen sehr übel befanden, denen er mit seinen Zähnen die Brust verletzte. Die Königin liebte dieses Kind mit einer so außerordentlichen Zärtlichkeit, daß sie sich kaum von ihm trennen konnte. Sie nannte es Unvergleichlich, und jedermann fand, daß es diesen Namen verdiente.

Als der Prinz so weit herangewachsen war, daß man anfing, ihm Unterricht zu geben, erwachten die Ideen in ihm, die er in Clairances Palast empfangen hatte, und er erinnerte sich sehr leicht all dessen, was man ihn jetzt von neuem lehren wollte. Von Schön Gloria war ihm nur eine undeutliche Vorstellung geblieben, aber diese war hinreichend, ihn gegen das schöne Geschlecht überhaupt aufmerksam und zärtlich zu machen. Man bemerkte, daß er wenig sprach und lachte. Nur vernünftige Dinge fanden seinen Beifall, und in allem, was er tat, zeigte sich viel Verstand und eine reife Urteilskraft. Die Königin verlor ihn selten aus dem Gesicht, und die Wahrnehmung seiner Talente, seiner edlen Denkungsart und seines sanften Charakters war die größte Freude und die angenehmste Unterhaltung, die sie kannte.

Unvergleichlich war noch sehr jung, als sein Vater starb und er zur Regierung gelangte. Eine Schlacht, welche seine Generale in den ersten Tagen gewannen, vermehrte die Freude des Volkes, das seinen neuen König verehrte und liebte, und wurde als ein glückliches Zeichen der Zukunft angesehen. Da der Königin, als Vormund ihres Sohnes, die Last der Regierung zu schwer fiel, wählte sie einen berühmten und in Staatsgeschäften erfahrenen Druiden zu ihrem Minister. Diese Wahl entzweite den Hof und erregte im ganzen Lande Zwiespalt und Unruhen. Ligourde, die ihren alten Groll gegen die königliche Familie nicht abgelegt hatte, benutzte diese Gelegenheit. Sie hetzte die Großen am Hofe auf und ruhte nicht eher, bis sich mehrere von ihnen verbanden und zu den Waffen griffen, um sich den ihnen entrissenen Teil der Regierungsgeschäfte mit Gewalt anzueignen. Die Königin hatte alle ihre Klugheit, ihren Mut und ihre Tugend nötig, um den Kabalen Einhalt zu gebieten und den Druiden auf dem Posten zu halten, auf welchen sie ihn gestellt hatte.

Prinz Unvergleichlich, welcher mehr Einsicht und Klugheit besaß, als man in seinem Alter zu haben pflegt, bemerkte sehr bald, daß die Wahl seiner Mutter nicht glücklicher hätte ausfallen können, und befolgte in allen Stücken den Rat des Druiden mit der größten Gelehrigkeit. Aus seinem ersten Leben hatte er eine entschiedene Neigung für die Soldaten mitgebracht. Er wohnte häufig ihren Übungen bei und kommandierte sie oft selbst; und ob er gleich kein Pfeifchen mehr hatte, um gerüstete Männer aus der Erde hervorzurufen, sorgte er doch unablässig für die, wel che in seinen Diensten waren, und gab die gemessensten Befehle, es nie an etwas fehlen zu lassen. Gern hätte er sich einmal im Kriege versucht, aber die weisen Ratschläge des Druiden hielten ihn ab, seiner Neigung die Zügel schießen zu lassen. Er begnügte sich also, seine Truppen gut zu exerzieren und sie oft zu mustern. Diejenigen, welche ihre Pflicht am besten taten, zeichnete er aus und erweckte dadurch einen Wetteifer, durch welchen sich seine Armee zu einer seltenen und in diesen Staaten bis dahin unerhörten Vollkommenheit erhob.

Während der Prinz mit der Ausführung mehrerer großer Pläne umging, war Ligourde, die nicht begreifen konnte, wie er in seinen frühesten Jahren ihren Nachstellungen hatte entgehen können, nicht müßig, sondern verschaffte einer ihrer Dienerinnen, Fièvre, die Hektische, genannt, Eingang in seinen Palast, mit dem Befehl, den Prinzen umzubringen. Aber auch dieser Plan schlug ihr fehl, denn Clairance erhielt Nachricht davon, eilte herbei und jagte Ligourdes Abgesandte hinweg. Bisher hatte Clairance sorgfältig vermieden, sich dem Prinzen zu zeigen, weil sie entdeckt hatte, daß Schön Gloria die kapriziöse Schöne war, mit welcher Ligourde seine Ruhe bedrohte; aber die große Gefahr, in welcher sich Unvergleichlich befand, nötigte sie, einen Schritt zu tun, den sie gern vermieden hätte. Sie begab sich zu der Königin. »Dies«, sagte sie, »sind die letzten Versuche der boshaften Ligourde, und ich stehe Euch dafür ein, daß Euer Sohn ein langes Leben genießen wird.« Die Königin dankte ihrer Wohltäterin auf das verbindlichste und stellte sie ihrem Sohn als seine Beschützerin vor. In dem Augenblick, wo ihr Unvergleichlich seinen Dank abstattete, erinnerte er sich ihrer Gestalt und all dessen, was er in ihrem Palaste gesehen hatte. Er ergriff ihre Hand, bedeckte sie mit Küssen und bezeigte ihr auf alle mögliche Art und Weise seine Freude über das Wiedersehen. Da er den Geschmack der Fee kannte, ließ er ihr Haselnüsse, Schwarzbrot, Honig und Brunnenwasser vorsetzen. Clairance nahm diesen Beweis seiner Aufmerksamkeit gütig an, und ob sie gleich sonst nie außer ihrem Hause speiste, genoß sie doch jetzt, aus Gefälligkeit gegen den Prinzen, etwas von dem, was er ihr vorsetzen ließ.

Währenddessen stellten sich Schön Glorias Reize seinem Geist auf das lebhafteste dar. Er brannte vor Begierde, Clairance nach ihr zu fragen, aber er wagte es nicht, da sie sonst glauben könnte, er verüble ihr, daß sie ihr Versprechen nicht gehalten hatte. Die Fee erriet seine Gedanken. »Der Zustand, in welchem du dich befindest«, sagte sie, »hat mir nicht erlaubt, die Prinzessin von China hierher zu bringen. Leider habe ich allzu spät eingesehen, daß ich dir dieses Versprechen gar nicht hätte tun sollen. Ach!« fuhr sie fort, »du wirst Schön Gloria nur allzubald sehen. Mehr will ich nicht sagen, denn es ist unnütz, sich um Dinge zu bekümmern, die man einmal nicht vermeiden kann. Die Wünsche der boshaften Ligourde werden nicht alle unerfüllt bleiben; aber da ich nicht imstande bin, dich gegen die Folgen derselben zu schützen, vergönne mir wenigstens, durch meine Entfernung zu zeigen, daß ich an ihren gefährlichen Anschlägen und den trügerischen Hoffnungen, die sie dir geben wird, keinen Anteil habe. Weil ich es dir einmal versprochen habe, wirst du sie sehen, sooft die Sonne aus einem Zeichen des Tierkreises in das andere tritt. Sie wird dir allein sichtbar sein, damit nicht alle deine Untertanen deine Nebenbuhler werden. Kein Sterblicher kann sie sehen, ohne sich ihrem Dienste zu verpflichten. Alles, was ich für dich tun kann, ist, sie den Augen der anderen zu verbergen und den Menschen die Begierde einzuflößen, dir in allen Stücken zu willfahren, so wie du Schön Gloria gefallen willst«, und mit diesen Worten verschwand sie.

Der Gedanke, Schön Gloria wiederzusehen, verdunkelte in dem Herzen des Prinzen alle Bedenken Clairances, und er erwartete mit Ungeduld den bestimmten Zeitpunkt. Er freute sich ungeheuer, daß er allein diese unvergleichliche Prinzessin sehen und ihr dienen durfte. Die ersehnte Zeit kam, und an demselben Tage fand sich Schön Gloria auf einem Wagen in Gestalt eines Thrones ein, der mit Smaragden und Lorbeer übersät und von zwölf Schwänen gezogen ward. Noch nie hatte sie so schön und siegreich geschienen, und der Glanz ihrer Augen hätte jeden geblendet, wenn sie nicht jedermann unsichtbar gewesen wäre.

Der Prinz war entzückt, sie zu sehen. Er warf sich ihr zu Füßen und bezeigte ihr seine Freude, aber er wagte nicht einmal, den Saum ihres Kleides zu küssen, so groß war die Ehrfurcht, die sie ihm einflößte. »Ich freue mich«, sagte sie zu ihm, »zu sehen, daß du auch auf dem Throne und in deiner Entzauberung noch die nämlichen Gesinnungen gegen mich hegest, die du im Palaste der Fee hattest; denn wenn du Tugend und Mut genug besitzest, mir nach meiner Weise zu dienen und mir alles aufzuopfern, wird vielleicht meine Bezauberung schneller endigen, und ich werde imstande sein, zu deiner ererbten Krone noch einige andere hinzuzufügen.« Schön Gloria sagte dies mit so vieler Anmut und einer so rührenden Stimme, daß der Prinz nicht weniger tun konnte, als sie seiner ewigen Treue zu versichern und ihr zu schwören, daß er keine Gefahren und Schwierigkeiten scheuen werde, ihre Achtung zu verdienen. Schön Gloria wagte nicht, ihren Besuch länger auszudehnen, aus Furcht, die Fee könnte ihr zur Strafe irgendeine peinliche Arbeit auferlegen. Indes versprach sie beim Abschied, von der Erlaubnis der Fee, ihn alle Monate einmal zu besuchen, Gebrauch zu machen. Der Prinz gab ihr mit der größten Bescheidenheit zu verstehen, wie sehr er wünschte, sie länger bei sich zu behalten, aber sie war unerbittlich und ließ ihren Schwänen den Zügel schießen, die sie augenblicks entführten. So schmerzhaft diese Entfernung dem Prinzen fiel, so wagte er es doch nicht, sich auch nur zu beklagen, weil er sich's zum heiligen Gesetze machte, Schön Glorias Befehle auf das pünktlichste zu erfüllen. Die Freude, sie gesehen zu haben, gab ihm eine Lebhaftigkeit, die man von ihm nicht gewöhnt war und die er unter anderem durch einige Feste an den Tag legte, die er den Damen seines Hofes gab. Denn indem er alles auf seine Liebe bezog, glaubte er dem Geschlechte seiner Gebieterin diese Huldigung schuldig zu sein.

Nach langem Hoffen trat die Sonne in ein neues Zeichen, und Schön Gloria erschien zum zweiten Male in dem Kabinett des Königs. »Es ist Zeit«, sagte sie, »den Vergnügungen zu entsagen, die einem Prinzen deines Namens und einem Diener Schön Glorias nicht anstehen. Du hast bis jetzt noch nichts getan, was deines Namens würdig wäre, und wenn ich dein großes Herz nicht kennte und nur nach deinen Handlungen urteilte, würde ich kaum glauben, daß du dich, deinem Versprechen gemäß, mir ergeben wolltest. Um Schön Glorias Achtung zu verdienen, ist es nicht genug, eine Krone zu tragen, sie muß mit Lorbeer geschmückt sein. Deine Höflinge nennen dich schön und liebenswürdig, und wenn du deine Soldaten auf friedlichen Feldern exerzieren ließest, hielten dich die Damen für einen Helden; ich aber begehre blutige und lorbeerbekränzte Opfer. Denke daran, daß du für Schön Gloria geboren bist.« Bei diesen Worten trieb sie ihre Schwäne an, ohne auf die Antwort des Königs zu warten, der über ihren Tadel beschämt stand, ob er sich gleich bewußt war, ihn nicht verdient zu haben. Denn noch hatten ihn seine große Jugend und seine Achtung gegen den Rat des Druiden, der ihm noch immer in der Verwaltung der Staatsangelegenheiten beistand, abgehalten, den Eingebungen seines Mutes zu folgen. Jetzt fing er ernstlich an, auf große Pläne zu sinnen, deren Ausführung ihm die Achtung seiner Prinzessin gewinnen sollte, und jeder Besuch, den er von ihr empfing, bestärkte ihn von neuem in dem Entschlusse, sich ihrer würdig zu zeigen und ihren Willen auf jede Weise zu erfüllen.

Der weise Druide starb um diese Zeit, und Unvergleichlich beschloß jetzt, seine Staaten allein zu regieren und die Last der Geschäfte auf seine Schultern zu nehmen; doch aus Furcht, der Prinzessin zu mißfallen, gab er ihr Rechenschaft von seiner Lage und von der Notwendigkeit, alle seine Zeit der Sorge für den Staat zu widmen, bevor er einen auswärtigen Krieg unternähme, da er nicht mehr seinen Stab besaß, sich Truppen zu zaubern, und beträchtliche Summen benötigte, um die Kriege zu führen, die er vorhatte. Schön Gloria billigte seine Gründe und setzte hinzu, dies sei der wahre Weg, sich ihrer Gunst würdig zu machen. Mehr bedurfte es nicht, um den König anzufeuern, selbst das Unmögliche möglich zu machen. Er widmete sich den Geschäften mit unermüdlichem Eifer und brachte die Grundsätze in Anwendung, die er sich in dem Palaste der Fee zu eigen gemacht hatte. Der Eifer, den er hierbei zeigte, seine Emsigkeit und seine bewundernswürdige Urteilskraft überraschten jedermann, der ihn zu beobachten imstande war, und er brachte in kurzer Zeit ein Chaos von verwickelten Geschäften in Ordnung. Der Wunsch, Schön Gloria zu gefallen und ihren Forderungen so bald als möglich Genüge zu leisten, trug auch das seinige dazu bei, seinen Eifer zu beseelen und beständig zu erhalten. In der Tat bezeigte sich Schön Gloria, die aus seinem gegenwärtigen Betragen auf seine Fähigkeit zu allen großen Unternehmungen schloß, jetzt weit freundlicher und gefälliger gegen ihn als jemals, und jedes ihrer Worte war eine Zauberformel, mit der sie ihn fester an sich kettete und sein Feuer vermehrte.

Nachdem die Staatsgeschäfte in Ordnung gebracht waren, setzte sich Unvergleichlich an die Spitze einer großen, vortrefflich disziplinierten Armee und bemächtigte sich einiger wichtiger Festungen, die mit großer Tapferkeit und vielen Truppen verteidigt wurden. Indes war Schön Gloria, die nie an dem Mut des Prinzen gezweifelt hatte, mit dem Erfolg dieses Feldzuges nicht sonderlich zufrieden und sagte ihm bei einem ihrer Besuche, daß es eben nicht sehr zu verwundern sei, wenn ein kriegerischer Prinz mit einer trefflichen Armee in der besten Jahreszeit einige Festungen eroberte. Ein König, welcher sich Unvergleichlich nennen lasse und auf Schön Glorias Achtung Anspruch erhebe, müsse die Festungen mitten in Schnee und Eis angreifen und nicht einmal warten, bis alle seine Truppen beisammen seien. Diese schreckliche Forderung setzte den Prinzen nicht einmal in Erstaunen. Er kannte Schön Glorias Denkungsart und fand nichts zu schwer und zu gewagt, wenn es darauf ankam, ihr zu gefallen. Er marschierte also wenige Tage darauf mitten im Winter mit einer kleinen Mannschaft aus und griff, ungeachtet des tiefen Schnees, eine benachbarte Provinz an, die durch mehrere sehr stark befestigte Plätze verteidigt wurde. Die Mühseligkeiten, die er bei ihrer Belagerung ertragen mußte, und die Gefahren, denen er sich aussetzte, waren unglaublich; indes gelangen ihm alle seine Unternehmungen, und er kehrte siegreich in seine Staaten zurück. Damals erlaubte ihm Schön Gloria zum er sten Male, den Saum ihres Kleides zu küssen.

Diese Gunst schmeichelte dem König so sehr, daß er sogleich Anstalten zu einem neuen Feldzug machte. Seine Armee stand schon gerüstet und marschfertig da, der Plan der Eroberung war entworfen, und die glückliche Ausführung desselben schien ihm vollkommen gewiß zu sein, als Schön Gloria in seinem Kabinett erschien und ihn mit folgenden Worten anredete: »Ich bin mit deinem Mut zufrieden und nehme deinen Willen diesmal für die Tat; denn ich bin überzeugt, daß deine Feinde, die jetzt, wo sie durchaus nicht gerüstet sind, keinen Widerstand leisten könnten. Eroberungen dieser Art haben in meinen Augen ein sehr geringes Verdienst. Ich liebe die leicht errungenen Siege nicht, und wenn du dich mir also gefällig machen willst, so zügele deinen Mut und warte, bis sich deine Feinde von ihrem Erstaunen erholt haben und imstande sein werden, dir eine beträchtliche Armee entgegenzustellen.« Der König hatte alle seine Mäßigung nötig, um einem Plan zu entsagen, von dem er sich so große Vorteile versprochen hatte. Indessen gewann er auch diesen Sieg über sich, und da er die Waffen um Schön Glorias willen ergriffen hatte, legte er sie auch ihr zu Gefallen nieder.

Dieses Opfer freute sie sehr, und sie dankte dem Prinzen auf das verbindlichste dafür. Da er vor Begierde brannte, immer etwas zu tun, was den Beifall seiner Gebieterin hatte, und ihm die Gelegenheit genommen war, sich durch die Waffen auszuzeichnen, ergab er sich von neuem der Sorge für den Staat, verbesserte die Gesetze und schaffte eine Menge Mißbräuche ab, die sich in die Verwaltung der Justiz eingeschlichen hatten. Schön Gloria lobte seinen Eifer und seine Wachsamkeit, aber sie verlangte einen neuen Beweis seiner Anhänglichkeit, der den Prinzen in große Verlegenheit setzte. »Du weißt«, sagte sie zu ihm, »daß ich hoffen darf, meine Bezauberung bald geendigt zu sehen. Du hast es gewagt, deine Wünsche bis zu mir zu erheben, und du weißt auch, daß ich schöne Paläste liebe, aber du besitzest keinen einzigen, in den du mich mit Anstand aufnehmen könntest.«

Unvergleichlich antwortete, daß er ihre Wünsche in kurzer Zeit befriedigen wolle, und ließ sogleich aus allen Gegenden der Welt die geschicktesten Baumeister kommen, die mitten in der Hauptstadt einen Palast erbauten und Gärten anlegten, die auf der Erde ihresgleichen nicht hatten. Aber schon war dieses große Unternehmen beinahe zu Ende gebracht, als Schön Gloria dem Prinzen zu erkennen gab, daß sie den Aufenthalt in großen Städten nicht liebe und daß er, wenn er ihr einen gefälligeren Beweis seiner Zuneigung geben wolle, irgendwo auf dem Lande einen Palast und Gärten anlegen müsse, wie er ehemals in Clairances Reich mit Hilfe seines Zauberstabes angelegt habe. Unvergleichlich war über diese Forderung nicht wenig bestürzt. Er stellte ihr vor, daß jener Palast ein Werk der Zauberei gewesen sei und daß aller Marmor der Erde und alles Gold von Peru nicht hinreichen würden, um ein ähnliches Werk auszuführen. Umsonst. »Du weißt«, erwiderte Schön Gloria, »daß ich an gewöhnlichen Dingen keinen Geschmack finde und daß mich nur das vergnügt, was an das Unmögliche grenzt. Ich habe dir meinen Wunsch gesagt. Deine Sache ist es nun zu überlegen, ob du Mut hast, ihn zu erfüllen, und Lust, mir gefällig zu sein.« Mit diesen Worten entfernte sie sich, ohne auf eine Antwort zu warten.

Nie hat sich ein Mensch auf der Welt in einer größeren Verlegenheit befunden als Unvergleichlich, der keine Möglichkeit sah, Schön Glorias Verlangen zu erfüllen, und ihr doch um keinen Preis mißfallen wollte. Um indes seinen guten Willen zu zeigen, ließ er die Arbeit anfangen, machte selbst einen Riß, der sich soviel als möglich dem Zauberschlosse näherte, und ordnete alles in eigener Person an. Das Werk wurde mit so vielem Eifer betrieben, daß es in der Zeit von zwei Jahren schon um ein beträchtliches vorgerückt war.

Dieser Eifer gefiel der Prinzessin außerordentlich, und Unvergleichlich, der alles um ihres Beifalls willen tat, verdoppelte seine Anstrengungen und hatte Tag und Nacht keine Ruhe, bis der Palast und die dazugehörigen Gärten vollendet waren. Nie hatte man eine größere Verschwendung von Gold gesehen, sogar die Dächer waren damit gedeckt, und obgleich seine Absicht nur dahin ging, den Zauberpalast nachzubilden, war es ihm doch, wider alle seine Erwartung, gelungen, ihn in vielen Stücken zu übertreffen.

Mit Ungeduld erwartete der König Schön Glorias Ankunft, um ihr sein Werk zu zeigen und ihre Meinung darüber zu vernehmen; doch wie groß waren sein Unmut und seine Besorgnis, als der bestimmte Tag unter Hoffen und Harren verstrichen und niemand gekommen war. Erst den folgenden Tag erschien Schön Gloria und erzählte dem König, daß der Glanz des von der Sonne beschienenen Goldes, womit das Dach seines Palastes gedeckt sei, ihre Schwäne geblendet habe, daß sie, statt in sein Kabinett zu fliegen, sich auf dem Kanal niedergelassen und die Flügel so naß gemacht hätten, daß es ihnen unmöglich gewesen sei, sich von neuem in die Luft zu erheben. Die Fee sei ihr hierauf zu Hilfe geeilt, habe die Schwäne dazu verurteilt, ihr ganzes Leben hindurch auf dem Kanale zu bleiben, und ihr jetzt ein Gespann Adler gegeben, die sie in Zukunft ziehen sollten. Nachdem Schön Gloria ihre Erklärung geendigt hatte, bewies sie dem König ihre Dankbarkeit über den Eifer, den er gezeigt hatte, ihren Wunsch zu erfüllen, und versprach, ihn nie zu vergessen. Er bat sie hierauf, die Einrichtung des Palastes in Augenschein zu nehmen. Sie willigte ein, und als sie alles betrachtet hatte, versicherte sie ihm, daß sie hier mehr Pracht, schönere Musik und eine ausgesuchtere Gesellschaft finde als in dem Palaste der Fee.

Bei einem der folgenden Besuche bat sie der König, einen Spaziergang an dem Kanale zu machen, und wies ihr ein reizendes Gebäude von Porzellan, das an dem äußersten Ende desselben stand. Schön Gloria bemerkte, daß es ganz in dem besten chinesischen Geschmack gebaut sei, und hatte die Gefälligkeit, hinzuzusetzen, daß es ihr noch vollkommener und artiger scheine als die schönsten Paläste ihres Vaters, des Kaisers von China. Gleichwohl verlangte sie, ob sie nun Eifersucht empfand oder ihren Geschmack gewandelt hatte, daß der König es wieder einreißen und an dessen Stelle ein Schloß von Marmor und Jaspis bauen lassen möge. Auch damit wurde wenige Tage darauf der Anfang gemacht.

Dieses prachtvolle Bauwerk mit seinem reichen Mobiliar vermehrte den Ruhm, den sich Unvergleichlich schon durch seine Eroberungen erworben hatte. Aus allen Gegenden der Erde kamen Fremde in sein Reich und bewunderten die Reichtümer, die mannigfaltigen Sehenswürdigkeiten, aber mehr als alles die außerordentlichen Eigenschaften des Monarchen, der gleichwohl einen einzigen Blick seiner Gebieterin allem Beifall der Welt vorzog.

Als eines Tages Schön Gloria zu ihm kam, beklagte er sich gegen sie, daß sie ihm keine Gelegenheit mehr gäbe, seinen Gehorsam und seinen Eifer, ihr zu gefallen, an den Tag zu legen. »Wohl«, antwortete sie, »du hast mir deinen Kanal als etwas Bewundernswürdiges gezeigt, indes finde ich, daß mancher Privatmann dergleichen auch hat. Du weißt, daß ich das Alltägliche nicht liebe, und wenn es dir wirklich ernst ist, meine Achtung zu verdienen und dich meiner würdig zu machen, so wünsche ich, daß du einen Kanal graben läßt, der von einem Meer zum anderen führt und beide verbindet, daß ich, wäre ich nicht bezaubert, ohne große Mühseligkeiten vom Ozean zum Mittelmeer gelangen könnte.« – »Mein Gott«, rief der König aus, »das ist ein Unternehmen für eine Fee, nicht aber für einen Fürsten, wie ich bin.« – »So«, antwortete Schön Gloria ganz empfindlich, »du wagst es, auf meine Achtung Anspruch zu erheben, und meine Vorschläge erschrecken dich?« – »Nichts ist imstande, mich zu schrecken«, erwiderte der König, »sobald es darauf ankommt, Schön Gloria zu dienen, und weil Ihr durchaus einen solchen Kanal haben wollt, werde ich ihn bauen, wenn ich auch darüber zugrunde gehen sollte.«

Die Prinzessin war mit diesem Entschluß sehr wohl zufrieden, ob sie gleich selbst an der Möglichkeit der Ausführung zweifelte. Noch denselben Tag machte der König Anstalten und befahl, keine Kosten zu scheuen, um das Werk zustande zu bringen. Die Schwierigkeiten, die sich demselben entgegensetzten, waren unzählig, und jeder andere als Unvergleichlich wäre dadurch zurückgeschreckt worden; aber er wußte, daß große Schwierigkeiten das einzige Mittel waren, Schön Gloria zu gefallen, und so setzte er das Unternehmen mit Standhaftigkeit fort und brachte es in der Tat durch eine unüberwindliche Geduld zustande. Schön Gloria war selbst ganz erstaunt, da sie sah, daß auch dieser Wunsch erfüllt war, und sogleich bei dem ersten Besuche versicherte sie ihm, daß niemand als er ihrer Achtung würdig sei, daß sie indes wünsche, er möge von neuem auf dem Felde des Kriegsgottes Lorbeer sammeln.

Mit Freuden hörte der König diesen Befehl, der seinen Wünschen so angemessen war, und zog sogleich mit der größten Eile eine zahlreiche Armee zusammen, mit welcher er in das feindliche Land einrückte. Er eröffnete den Feldzug mit einer großartigen Belagerung. Der Widerstand war hartnäckig, aber endlich unterlagen die Feinde dem Eifer des Königs. Da Schön Gloria bemerkte, daß ihm kein Unternehmen mißlang, sagte sie eines Tages zu ihm, auch an dere Helden hätten durch Geduld und Ausdauer wichtige Plätze eingenommen. Wenn er sich auszeichnen und ihr ein neues Schauspiel geben wolle, müsse er alle Tage eine Festung nehmen.

Kaum hatte sie ausgeredet, als Unvergleichlich wie ein reißender Strom in das feindliche Land eindrang und täglich eine Festung nahm. Diese ganz unerhörte Erscheinung erschreckte mehrere der benachbarten Könige, die sich indes durch einen breiten Fluß, der Unvergleichlichs Eroberungen von ihren Staaten trennte, hinlänglich gesichert glaubten; und weil Armeen die Flüsse nicht so leicht überqueren wie die Vögel, wäre eine endlos lange Zeit nötig gewesen, um Brücken zu bauen. Aber Unvergleichlich glühte vor Eifer, sich Schön Gloria durch außerordentliche Handlungen würdig zu machen, und war fest entschlossen, auf seiner Bahn vor keiner Schwierigkeit oder Gefahr zurückzuweichen, und so ließ er seine Armee über den Strom schwimmen. Dieses Unternehmen, welches mit der größten Unerschrockenheit ausgeführt wurde, machte einen solchen Eindruck, daß sogleich alle benachbarten Völker Gesandte schickten und sich der Gnade des Siegers unterwarfen. Schön Gloria selbst war erstaunt, ihre Hoffnungen so weit übertroffen zu sehen, und hemmte den Lauf seiner Siege durch die Bemerkung, daß sie ihm, da er jetzt überall nur Furcht und Bestürzung, aber keinen Feind mehr finde, seine weiteren Eroberungen nicht zum Verdienst anrechnen würde. Unvergleichlich, der nur daran dachte, seiner zauberhaften Gebieterin zu gefallen, zog sich in seine Staaten zurück.

Ligourde glühte vor Wut, da sie das ununterbrochene Glück des Prinzen und das Erstaunen und die Bestürzung seiner Feinde sah. Sie ging überall umher und flößte seinen Feinden Mut ein, indem sie ihnen sagte, daß in ihrem Lande ein gelber Vogel sei, den sie auf mancherlei Weise begabt habe. Dieser Vogel sei zwar noch sehr jung und seine Fittiche seien nicht stark genug, um weit zu fliegen, aber er würde ihnen dereinst von großem Nutzen sein, um ihre verlorenen Besitzungen zurückzuerobern. Diese Nachricht machte sie auf den gelben Vogel sehr aufmerksam und belebte ihren Mut, aber ein Wort von Schön Gloria machte Ligourdes boshafte Bemühungen nutzlos. Bei dem ersten Besuch, den sie dem Prinzen bei seiner Rückkehr aus dem Kriege machte, gab sie ihm zu verstehen, daß seine Großmut von ihm fordere, so leichte Eroberungen zu verachten und sich mit den Beweisen der Unterwürfigkeit zu begnügen, die seine Feinde ihm gegeben hätten.

Der kluge Prinz Unvergleichlich verstand diesen Wink und gab die eroberten Gebiete zurück, und diese edelmütige Handlung trug ihm einige schmeichelhafte Komplimente von seiten seiner Gebieterin ein.

Während des Friedens und der Muße sann Unvergleichlich ohne Unterlaß auf das, was Schön Gloria gefallen könnte, und befleißigte sich, die Künste und Wissenschaften zu fördern, indem er in allen Teilen seines Königreiches Manufakturen und Akademien der Malerei und Bildhauerei errichtete. Als ihn Schön Gloria hierauf besuchte, sagte sie zu ihm: »Du hast viel Großes und Außerordentliches getan, und ich weiß dir Dank dafür, aber noch hast du auf das, was mich persönlich angeht, wenig Achtung gehabt. Du hast noch nicht einmal daran gedacht, dich in den Stand zu setzen, am Ende meiner Bezauberung bei meinem Vater, dem Kaiser von China, um meine Hand anzuhalten. Wo hast du deine Häfen, deine Flotten?« Unvergleichlich war entzückt zu hören, daß Schön Gloria auf Mittel dachte, die Seinige zu werden, und ob er gleich schon Häfen und Schiffe hatte, ließ er doch mit unermeßlichen Kosten einen neuen Hafen und mehrere große Schiffe bauen. Schön Gloria war sehr zufrieden damit; indessen äußerte sie, daß er, da die Reise nach China lang und gefährlich sei, wohl daran täte, sich irgendeine Besitzung in Amerika anzueignen, die ihm zum Segelplatz dienen könnte. Wie gesagt, so getan. Unvergleichlich ließ sogleich eine Flotte in See gehen und gab so vorzügliche Befehle, daß er in kurzer Zeit Herr einiger Häfen der Neuen Welt war, wo er Handelskompanien anlegte, die einen ununterbrochenen Handel nach Westen und Osten führten.

Obgleich Schön Gloria schon mehrere große Helden in ihren Diensten gehabt hatte, hatte doch kein einziger ihre Befehle mit einer so ausdauernden Beharrlichkeit, mit so vielem Mut und einem so entschiedenen Glück ausgeführt. »Man muß gestehen«, sagte sie eines Tages zu ihm, »daß du große Reichtümer, vortreffliche Gärten besitzest, aber noch geht dir ein Schatz ab, welcher alle anderen bei weitem übertrifft und den mein Vater höher als eine Krone schätzte: ein treuer Freund. Ich habe meinen Vater oft sagen hören, daß er das Schicksal der Könige beklage, die von einem Schwarm von Schmeichlern umgeben seien, welche allen ihren Wünschen zuvorkämen, aber daß sie selten einen Freund besäßen, der offenherzig und ohne eigennützige Absichten mit ihnen spräche. Er selbst besaß einen höchst uneigennützigen, einsichtsvollen, geistreichen und gutmütigen Freund, der über alles mit der größten Richtigkeit urteilte, niemals schmeichelte und nicht den Kaiser, sondern den Menschen liebte.«

Der Prinz fand in der Bemerkung Schön Glorias so viel Wahrheit, und die Schilderung, die sie ihm von dem Freund ihres Vaters machte, war allen seinen Neigungen so angemessen, daß er sich auf einmal mitten unter seinen Schätzen unglücklich fühlte. Er dankte der Prinzessin auf das verbindlichste, die ihn diesmal in tieferem und ernsthafterem Nachdenken zurückließ als je.

Seit dieser Zeit beobachtete er mit scharfem Blick alle Personen, die sich ihm näherten. Er untersuchte ihren Geist und ihr Herz und forschte nach den Eigenschaften, welche die Prinzessin an dem Freunde ihres Vaters gerühmt hatte. Nach vielen und mannigfaltigen Versuchen gelang es ihm endlich, einen Mann von seltener Tugend, außerordentlichen Verdiensten und großem Geiste zu finden, welchem er sein ganzes Vertrauen schenkte. Jetzt fing eine ganz neue Periode seines Lebens an. Der Umgang mit seinen Höflingen, die in allen Stücken nur auf ihren Vorteil aus waren und, von kleinlichen Leidenschaften getrieben, keine wahre Anhänglichkeit und Freundschaft kannten, ward ihm jetzt mehr und mehr zuwider, und er suchte jeden Augenblick zu gewinnen, um sich offenherzig und ohne Rücksicht mit seinem Freunde unterhalten und von der Last seiner Geschäfte ausruhen zu können.

Indessen konnte Schön Gloria ihn nicht lange ruhen sehen. Sie veranlaßte ihn kurze Zeit darauf zu einem neuen Kriege. Der gelbe Vogel, welchen Ligourde begabt hatte und der seitdem zu einem gewissen Ansehen gelangt war, strengte zwar alle seine Kräfte an und machte einige Versuche, die Fortschritte Unvergleichlichs aufzuhalten; doch alle seine Bemühungen waren vergeblich, und Unvergleichlich führte auch diesen Krieg mit seinem gewohnten Glück, denn sich im Felde zu zeigen und Eroberungen zu machen, war bei ihm das nämliche. Alle Jahreszeiten waren ihm gleich günstig. Er eröffnete eine Belagerung im Winter wie im Sommer und kampierte im Schnee wie auf blühenden Wiesen. Seine Feinde hatten sich auf Anstiften des gelben Vogels vereinigt und rückten in zahlreichen Heeren gegen den König vor, aber er nahm vor ihren Augen einige Festungen ein, und ihre Gegenwart diente zu nichts anderem, als daß sie Zeugen seiner Siege waren.

Als Schön Gloria sah, daß diesem unvergleichlichen Prinzen nichts zu widerstehen vermochte, bewog sie ihn von neuem, die Waffen niederzulegen, und riet ihm, sich mit der Verschönerung seiner Residenz zu beschäftigen. Diesen Befehl führte er mit Vergnügen und dem ihm eigentümlichen Geschmack aus. Da Schön Gloria durch eine oft gemachte Erfahrung überzeugt worden war, daß der Prinz nie in Geschäften ermüdete, sondern, sooft ihm der Friede Ruhe und Muße gewährte, sich ganz und gar den Staatsgeschäften widmete, sagte sie ihm eines Tages, daß sie nicht begreife, wie er die ununterbrochene Beschäftigung mit den verwickeltesten Angelegenheiten aushalten könne. Ihr Vater, der Kaiser von China, wisse seine Zeit besser einzuteilen, denn wenn er einen Teil der Woche seinen Pflichten als Kaiser Genüge geleistet habe, genieße er den übrigen Teil in der Muße des Privatlebens. Er begebe sich dann auf einen seiner Landsitze, der auf das zierlichste eingerichtet und mit den reizendsten Gärten umgeben sei; hier finde man mehrere Merkwürdigkeiten, an denen sich das Auge weiden könne, vorzüglich aber einen Fluß, der sich von der Höhe eines Berges herabstürze und einen so außerordentlichen Wasserfall bilde, daß an schönen Sonnentagen der ganze Palast mit Regenbogenfarben überzogen sei. An diesem schönen Orte lebe er ohne allen Zwang, in der Gesellschaft einer kleinen Anzahl auserlesener Personen, die sich mühten, ihn mit angenehmen Gesprächen zu unterhalten und alle verdrießlichen Geschäfte vergessen zu lassen. Unvergleichlich bewunderte den guten Geschmack des Kaisers und versicherte Schön Gloria, daß er seinem Beispiel folgen wolle.

Der Ruhm von Unvergleichlichs heroischen Taten und seinen großen Tugenden hatte sich über alle Teile der Erde verbreitet. Mehrere Könige aus den entferntesten Gegenden schickten ihm Gesandte und kostbare Geschenke. Die angesehensten Männer aus allen Ländern versammelten sich in seinem Königreich, diesen unvergleichlichen Fürsten zu bewundern und nach seinem Beispiel höflich und tugendhaft zu werden. Schön Gloria, die nichts unversucht gelassen hatte, ihn zu prüfen, versicherte ihm, daß sie nichts als das Ende ihrer Bezauberung erwarte, um ihm ihre Erkenntlichkeit zu bezeigen; aber Unvergleichlich selbst fürchtete, noch immer nicht genug für sie getan zu haben, und suchte ohn Unterlaß neue Gelegenheiten, ihre Achtung zu verdienen.

Der Prinz wußte nicht, wann die Zeit von Schön Glorias Bezauberung vorüber sein würde; doch um ihr zu beweisen, daß er immer an sie dachte, schickte er einige Schiffe in die entferntesten Gegenden der Erde, in die Nähe von China, um seine Untertanen an entfernte Seereisen zu gewöhnen und beizeiten den Schwierigkeiten zuvorzukommen, die sich ihm in den Weg stellen könnten, wenn er bei dem Kaiser von China um Schön Glorias Hand anhalten wollte. Diese Vorsicht gefiel Schön Gloria außerordentlich. Sie fand jetzt fast nichts mehr, was sie von ihrem Geliebten fordern konnte. Er hatte im Krieg und Frieden alle ihre Wünsche erfüllt: Er hatte seinen Truppen die vollkommenste Disziplin beigebracht, die Rechtspflege in seinem Lande verbessert, den Handel und die Schiffahrt seines Reiches erweitert, die Finanzen in Ordnung gebracht, die Künste und Wissenschaften gefördert und durch sein Beispiel die Sitten und die Denkungsart seiner Untertanen veredelt.

Sein Mut und seine Mäßigung hatten ihn von Feinden befreit, aber sein Glück und der Ruhm seiner Taten hatten ihm eine Menge Neider eingetragen. Er hatte damals einen Traum, der ihn einigermaßen beunruhigte. Er sah einen Hahn, der von einem Adler, einem Pfau, einigen Truthühnern und einer großen Zahl Enten angegriffen wurde, die ihn von allen Seiten umringten und ihm hartnäckig zusetzten. So ungleich nun aber der Kampf war, so verteidigte sich der Hahn dennoch mit dem größten Mute und wehrte sie nicht nur mit heftigen Schnabelhieben ab, sondern riß ihnen auch oft Federn aus. Unvergleichlich wollte im Schlafe dem bedrängten Hahne zu Hilfe kommen und wachte darüber auf. Da niemand freier vom Aberglauben sein konnte als er, achtete er anfänglich nicht auf diesen Traum; da er aber einige Zeit hernach erfuhr, daß mehrere mächtige Fürsten gegen ihn Ränke schmiedeten, erinnerte er sich seines Traumes und fühlte einige Unruhe, weil ihn sein Erwachen gehindert hatte, den Ausgang des Kampfes zu sehen. In der Tat war dieser Traum nur allzu wahr, denn Unvergleichlich hörte jetzt, daß der gelbe Vogel überall umherflog und eine Menge von Kaisern, Königen und Fürsten zu einem fürchterlichen Bündnis antrieb, durch das er endlich seinen Erbfeind zu demütigen hoffte. Das Gerücht von diesem furchtbaren Ungewitter, das sich gegen ihn zusammenzog, erschreckte ihn nicht. Er rechnete auf sein Glück und auf sich selbst und setzte seine Truppen in marschfertigen Stand.

Schön Gloria, die vernommen hatte, daß so viele große Mächte gegen ihn konspirierten, wünschte ihm Glück, statt ihn zu beklagen, und riet ihm, dem Angriff seiner Feinde zuvorzukommen. Der Prinz marschierte also anfänglich an die Grenzen seines Reiches und bemächtigte sich, ungeachtet ihrer großen Überlegenheit, einer Festung, die ihnen erlaubt hätte, in sein Gebiet einzudringen. Diese weise Vorsicht machte alle ihre Maßregeln zunichte, und sie mußten sich zurückziehen, ohne etwas von Bedeutung unternommen zu haben.

Unterdessen waren die Schwingen des gelben Vogels so gut gewachsen, daß er, ohne auszuruhen, über das Meer flog. Die Freude über das Gelingen dieses kühnen Unternehmens oder auch die Mühe, die es ihn kostete, das Land zu erreichen, führte dazu, daß sein Gefieder eine andere Farbe annahm und ein roter Kamm auf seinem Kopfe wuchs, der ihm ein großes Ansehen gab.

Seine dringenden Vorstellungen bewogen die Alliierten, eine große Flotte auszurüsten und ungeheure Armeen in das Feld zu stellen. Schön Gloria sagte dem König bei einem ihrer Besuche folgendes darüber: »Jetzt, o König, ist die Zeit gekommen, wo du zahlreichen Lorbeer ernten kannst. Wenn ich nicht mehr auf deinen Mut als auf deine Macht rechnete, so würde ich alles für dich fürchten. Deine Vorfahren hatten oft bei einem einzigen Feinde alle Kräfte ihres Reiches nötig; denke daran, daß du mehrere Mächte bekämpfen mußt, deine Feinde sind wie eine Hydra mit einer Unzahl von Köpfen. Deine Gefälligkeiten gegen mich haben deinen Schatz erschöpft, indes deine Feinde, welche mit dem ihrigen sparsam umgegangen sind, Gold und Silber im Überfluß haben. Ich fürchte, du wirst ihrer Anzahl unterliegen, und leider ist der Zauber, welcher über mir waltet, von der Art, daß ich dich und all das, was du für mich getan hast, vergessen muß, wenn ein anderer Held dich besiegt. Bedenke also, daß jetzt alles auf dem Spiele steht und daß du mich entweder auf immer verlieren oder dir auf immer zueignen wirst.«

Unvergleichlich, der seine Feinde nicht fürchtete und Mut genug in sich fühlte, sich gegen alle zu verteidigen, sah sich durch die Rede der Prinzessin beleidigt; indes vergab er ihr, weil er in ihren Besorgnissen in der Tat nichts anderes als den reinsten Eifer für seine Person sah. Er eröffnete kurze Zeit darauf den Feldzug und war so glücklich, seine Feinde ungeachtet ihrer großen Überlegenheit und des hartnäckigen Widerstandes, den sie leisteten, zu schlagen und durch eine entscheidende Schlacht zum Rückzuge zu nötigen. Zur See war er nicht minder glücklich: Die feindliche Flotte wurde geschlagen und zerstreut, und jedermann war überzeugt, daß sich der große Bund so vieler Fürsten, die ein ganz verschiedenes Interesse hatten und sich überall geschlagen sahen, auflösen mußte. Schön Gloria war die erste, die ihrem Günstling zu dem günstigen Ausgang eines so gefährlichen Unternehmens Glück wünschte. Indes war der Erfolg nicht so, wie man gehofft hatte. Die Alliierten griffen vielmehr von neuem an verschiedenen Punkten an, um die Macht des Königs durch Teilung zu schwächen; doch seine Wachsamkeit und sein Mut ersetzten alles, und er war überall siegreich. Gleichwohl entschieden alle seine Schlachten nichts, denn die Anzahl der Feinde war so groß, daß sie jeden erlittenen Verlust in kurzer Zeit ersetzen und neue Truppen anrücken lassen konnten.

Schön Gloria bewunderte gleichermaßen die Haltung, die Tapferkeit und die Vorsicht des Prinzen in dieser bedenklichen Lage, wo ihn indes nichts so sehr ermunterte als die Zufriedenheit, die sie ihm bezeigte. Seine einzige Besorgnis war immer, nicht genug für sie g


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