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Die Sprache des Björn Höcke - AfD-Politiker

Tipp von Redaktion
Der AfD-Politiker Björn Höcke - Hauptprotagonist des rechten "Flügels" der Partei - hat dem ZDF am 11. September 2019 ein Interview gegeben, in welchem es vorrangig um seine Sprache ging. Sie erinnert verdächtig an die von Adolf Hitler: Nicht einmal seine engsten Parteifreunde können Sätze von Höcke oder Hitler dem einen oder anderen der beiden Politiker eindeutig zuordnen. Das haben Journalisten durch Befragungen von AfD-Mitgliedern getestet. Geführt hatte das Interview der ZDF-Journalist David Gebhard für die Sendung "Berlin direkt".

Was war grundsätzlich geschehen?

Der Fall schlägt seit dem 15.09.19 (der Ausstrahlung des Interviews gegen den Einwand von Höcke) hohe Wellen. Der thüringische AfD-Vorsitzende hatte das Interview abgebrochen, weil ihm die Richtung nicht passte, und gleichzeitig dem Journalisten Gebhard mit massiven Konsequenzen gedroht, falls er selbst (Höcke) einst in Deutschland eine "interessante politische Person" werden sollte. Diese Drohung ist nicht aus der Luft gegriffen: In Österreich haben in den letzten Monaten Politiker der rechtspopulistischen (damals noch) Regierungspartei FPÖ dem kritischen ORF-Journalisten Armin Wolf massiv gedroht. Mindestens das Ende seiner Karriere wurde ihm in Aussicht gestellt. Als die FPÖ noch regierte, hatten diese Politiker durchaus die Macht, einen unliebsamen Journalisten des öffentlich-rechtlichen Senders ORF beispielsweise versetzen zu lassen oder gar seine Entlassung zu initiieren. Der ZDF-Journalist Gebhard ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken (ebenso wenig wie der Österreicher Wolf), er teilte Höcke und seinem Pressesprecher kühl mit, dass man das Interview senden werde - ob es den AfD-Politikern passe oder nicht. So geschehen schließlich am 15.09.19. Der Fairness halber soll angemerkt werden, dass Höcke durchaus Argumente vorbrachte, warum das Insistieren auf seinem Sprachstil nicht ganz der (von ihm vermuteten) Intention des Interviews entsprochen habe: Es hätte absprachegemäß auch um die Landespolitik der AfD in Thüringen gehen sollen. Allerdings hatte Gebhard den Themenkomplex "Sprache von Björn Höcke" durchaus angekündigt - und blieb dann über die vereinbarte Dauer des Interviews (10 - 15 min) dabei.

Welche Sprache spricht Björn Höcke?

Björn Höcke spricht wie ein waschechter Nationalsozialist. Interessant ist in diesem Kontext, dass er nicht unbedingt Hitler-Zitate oder überlieferte völkische Begriffe (etwa "Herrenrasse") bemühen muss, um dennoch mit seiner Sprachunkultur prekär an die finsterste Zeit der deutschen Semantik zu erinnern. Wie er das schafft, ist phänomenal und ein Beweis mehr dafür, dass es eine intellektuelle Rechte gibt, um die sich Demokraten schwere Sorgen machen sollten - mindestens so schwere wie um gewaltbereite rechte Skinheads. Ohne intellektuellen Überbau wäre auch Hitler nicht an die Macht gekommen. Dabei geht es nicht um sein Standardwerk "Mein Kampf", das in rein sprachlicher und intellektueller Hinsicht absolut nichts hergibt (ein so absurd schlechtes Schriftstück, dass es ohne politischen Kontext wahrscheinlich keine Leser gefunden hätte), sondern um die rechten Intellektuellen, die schon in den 1910er bis 1920er Jahren das geistige Klima für den Nationalsozialismus geschaffen hatten. Diese durch und durch grausamen Wegbereiter von Weltkrieg und Gaskammern konnten dennoch scharf denken, Schlüsse ziehen und sie elegant ausformulieren - dies eine Warnung an die Adresse aller gemäßigten oder eher politisch links orientierten Intellektuellen, die glauben, sie hätten die (Sprach-)Kultur für sich gepachtet. Oder, um es etwas verkürzter und plakativer auszudrücken: Es sind nicht alle AfD-Politiker so strohdumm, wie sich Alexander Gauland im (ebenfalls am 15.09.19 ausgestrahlten) ARD-Sommerinterview präsentiert hat. Wir wollen diese These nun anhand des geistigen Brandstifters Höcke belegen. Das ZDF stellte hierfür Zitate in den Raum, von denen keiner - auch befragte AfD-Mitglieder nicht - wusste, ob sie von Höcke oder Hitler stammen.

(Anmerkung: Sie stammten alle von Höcke. Lesen Sie selbst. Hätten Sie's gewusst?)

Hier einige Beispiele:

  • Es werden "…"ein paar Korrekturen nicht ausreichen, ... die deutsche Unbedingtheit … garantiert, dass wir diese Sache grundsätzlich anpacken werden … Wir Deutschen machen keine halben Sachen … Es werden Schutthalden der Moderne beseitigt ..."


  • Es gibt eine "… Sehnsucht der Deutschen, … dass eine geschichtliche Figur ... einst die Wunden in unserem Volk wieder heilt … die Zerrissenheit überwindet … das ist tief in (der deutschen) Seele verankert ...‟


Was ist an dieser Sprache faschistisch?

Noch einmal in aller Deutlichkeit: Es sind Höcke-Zitate, keine Hitlerzitate. Nichts an der Wortwahl ist in Deutschland indiziert, man "darf" so etwas also ungestraft sagen. Höcke verweist im Interview selbst darauf, dass bestimmte, heute als faschistisch indizierte Begrifflichkeiten in bestimmten Wissenschaften nach wie vor gang und gäbe sind (ein rechtsintellektueller Schlenker, bitte nachlesen, die Erläuterung führt hier zu weit). Dennoch ist es klar die Sprache des Faschismus. Dieser Begriff leitet sich von italienisch fascio (= Verein, Bund) ab, die italienischen Faschisten unter Mussolini verstanden sich in der Tat als "Bündler". Etymologisch kommt das Wort vom lateinischen fasces, das die Rutenbündel als Machtsymbole der höchsten Beamten im antiken Römischen Reich bezeichnete. Auf dieses beriefen sich schließlich auch die deutschen Faschisten, Hitler wollte das "Dritte Reich" errichten (nach dem Heiligen Römischen und dem Bismarckschen Reich). Die antiken Römer hatten es den Nazis überhaupt angetan. Aus dem Bündlertum resultiert zwangsläufig die Behauptung, zu einer Elite zu gehören. Daraus wurde bei den Nationalsozialisten die deutsche Herrenrasse ("Ariertum"), die als pseudokulturgeschichtliche Begründung ausreichte, um einen Holocaust anzuzetteln und sechs Millionen Juden, Roma & Sinti sowie weitere Minderheiten industriell zu vergasen. Was das für ein Jahrtausendverbrechen war, werden vielleicht die Menschen in tausend Jahren noch besser als wir heute verstehen. Wie greift Höcke das auf?

  • "Korrekturen, deutsche Unbedingtheit": Die Deutschen sind immer noch die Herrenrasse.

  • "Schutthalden der Moderne": Die 1920er bis 1930er Jahre waren auch eine sehr moderne Zeit, die neben rasantem technologischen Fortschritt auch zu losen Sitten führte (dekadente 1920er Jahre). Die Nationalsozialisten stellten dem die Rückbesinnung auf die jahrtausendealten Traditionen der Römer und Germanen entgegen. Darin erinnert Höcke mit latenter Semantik.

  • "Sehnsucht der Deutschen nach einer geschichtlichen Figur ... in der deutschen Seele verankert ...‟: Als so eine geschichtliche Figur verstand sich Hitler. Höcke, der Klein-Hitler aus Thüringen (eher mit Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels vergleichbar) wünscht sich möglicherweise eine ähnliche Rolle.


Was könnte Höcke bezwecken, was könnte er erreichen?

Höcke bezweckt, die Sprache des Faschismus wieder salonfähig zu machen. Wenn er das nur plakativ genug anstellt, wird er einerseits rechte Intellektuelle und Unternehmer überzeugen, die sein Talent für Demagogie zu würdigen und auszunutzen wissen, außerdem wird er viele unterdurchschnittlich gebildete Menschen erreichen - die er als Wählerstimme braucht. Beides ist brandgefährlich, wenn auch nicht neu. Mit Bauchgefühlen auf unterster Ebene haben die Nationalsozialisten damals die Massen mobilisiert. Denn schon Joseph Goebbels wusste (Originalzitat): "Wer viele Menschen führen will - einheitlich führen will -, der darf sich nicht nach dem Niveau des Klügsten, nein, er muss sich nach dem des Dümmsten richten!"

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