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Gedichte - Friedrich Theodor Vischer


Ein fernes Grab

(An C. A. S. †) In fremder Erde ward
es dir zu ruh`n, Im Eiland, das die
Volkskraft muß bewachen, Mit
dämmebauend nimmer müdem
Thun Beschützen vor des Meeres offenem
Rachen.
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Opti-pessimistisch

(An J. K.) Die Welt ist, weil nicht
Nichts kann sein, Und sie ist nur aus
diesem Grund, So kann es ohne
Lumperei`n Nicht abgehn, ohne Wust und
Schund. Er reichte nicht, der
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Felsblock

(bei Wasen an der Gotthardstraße). Aus
des Felsblocks rauhen Spalten Tönt
ein Aechzen, tönt ein Knurren; »Das zu
bieten einem Alten!« Hör` ich eine
Stimme murren.
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Zwei Brüder

(Erich und Axel, Grafen von
Taube, gefallen in Champigny 2. Dezember
1870.) I. Da liegen sie in offnen
Särgen beide, Das Schwert zur Seite
und den Lorbeerkranz;
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Rom 1872

Abend war`s, vom Capitole Stieg ich nach
dem Forum nieder. Eines Jägerhornes
lust`ge, Stürmisch rasche
Marschesweise Hört` ich; zu den muntern
Klängen Sah ich durch den Titusbo
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Gefangen

Als einst in jenes Laubdachs
Dunkelhelle Voll Inbrunst meine Arme
dich umschlangen, Als Haupt an Haupt
und Wang` an Wange drangen, Du schlankes
Reh, schwarzäugige Gazelle,
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Gedenkfeier

am 2. September 1882. Abendnebel
spinnet und webet Der stille
Gebirgssee. Heimkehrender Heerden
Glockengeläute Tönt nah und
fern. Frauen begegnen und grüßen in
alter
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Zur Mörike-Feier in Stuttgart

am 4. Mai 1876 gesprochen bei
Bekränzung der Büste des
Dichters. Wir wissen` s wohl: du
würdest dich erwehren; Du liebtest
nicht die öffentlichen Ehren, Nicht
vorzuglänzen w
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Die Nacht

Am Himmel ist gar dunkle Nacht; Die
müden Augen zugemacht Hat längst ein
jedes Menschenkind; Es wacht nur noch
der rauhe Wind. Der jaget sonder Rast
und Ruh Die Fensterlä
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Das Kreuz am Inn

Am Innstrom giengen wir dahin Und sahen
die breiten Wogen zieh`n. Ein einsam
Kreuz gewahrt` ich da Jenseits im Feld,
dem Ufer nah. Dran hieng, ich sah`s im
Sonnenglanz,
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Gesellschaft

An einem Tische ganz allein Saß ich im
Wirthshaus bei meinem Wein. In der
Nebenstube war`s nicht so leer, Laut und
lustig ging es da her. Es schienen
Männer in jüngeren Jahren,
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An eine Quelle

Arme Nixe, die tief im Tannengesäusel
des Schwarzwalds Leidendem
Menschengeschlecht herrliche Labung
ergießt, Hast du es so gemeint, daß
dich die Herren vom Amte Für
zinstragenden
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Verehrung

Blind verehrt einen großen Mann Der
gute, der selbst nichts schaffen
kann. Nicht verehrt einen großen
Mann Der Wicht, der nichts Großes sehen
kann. Frei verehrt einen gr
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Amselruf

Bravo, bravo, lieber Sänger, Daß ich
nach so langen, trüben, In der
Stubenluft versess`nen, Klanglos öden
Wintermonden Endlich einmal deine
Stimme, Endlich einmal wieder höre!
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Jugendthal

Da bist du ja im Morgenstrahl, Mein nie
vergeßnes Jugendthal! Der Berge
Kranz, die wunderblaue Quelle,
Städtchen und Kloster, Alles ist zur
Stelle. Noch immer steigt, ge
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Der Hohenstaufen

Da steht er wieder, ernst und hoch und
kahl! Ein weißes Tuch umhüllet
sein Gelände, Der Wintersonne später,
bleicher Strahl Fällt auf die
weichgeschwungnen Bergeswände.
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Pastors Abendspaziergang

Das Abendrot brennt an des Himmels
Saum, ich schlendre so, als wie im
halben Traum, zum Dorf hinaus auf
grünem Wiesenwege am Wald hinunter, wie
ich täglich pflege. Rings auf der
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Burschenschaft und Corps

Das war die alte Burschenschaft, Die
hoffte mit Ideen-Kraft Und mit viel
Trinken und Singen Und festlichem
Schlägerschwingen Das ganze deutsche
Vaterland, Das schon so lan
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Eine Nacht auf dem Meer

Das war eine Nacht! Wer hätte da
schlafen mögen! Funkelnd in
Diamantenschmuck Strahlte der prächtig
dunkelblaue Weltumwallende
Himmelsmantel. Allverwebendes
Vollmondlicht,
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Wunder

Daß die Lerchen wieder singen, Daß
sich Schmetterlinge schwingen, Gelb und
schwarz mit goldnem Saum, Daß sich
grüne Gräser treiben, Auch nicht eins
zurück will bleiben, M
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Unglücksstern

Der Bruder hat mit sanfter Hand Die
Augen ihn. geschlossen, Sonst kräht in
der Welt kein Hahn nach ihm, Der
heute sich erschossen. Sein Vater war
Genie und Lump,
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An einige große Häuser

Der Croupier war euch recht, weil er ein
Pompier war; Doch hattet ihr bereits bis
in das dritte Jahr Den Brand zu Haus
gelöscht und wahrlich nur zu sehr! Ihr
brauchtet ja den Pompier nicht me
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Der erste Schnee

Der erste Schnee hat auf die weite Welt
Still über Nacht das weiße Tuch
gebreitet, Die Häuser sind wie weißes
Zelt an Zelt, Baum, Weg und Steg in
schimmernd Weiß gekleidet.
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Weisheitszahn

Der sogenannte Weisheitszahn, Zwar als
der letzte kommt er an, Doch immer früh
genug. Der Name scheint mir Trug. Der
Weisheit kleine Portion, Wozu es bringt
der Erdensohn, S
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Der Erste

Dich möcht` ich kennen, stolzer
Göttersohn, Der du zuerst im ungeheuern
Schmerz Dem ew`gen Fluch, der blassen
Furcht zum Hohn, Den Stahl gezücket auf
das eigne Herz, Der du
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An das Mitleid

Dich, der schaffenden
Gottheit, Nachgeborne bessere
Schwester, Mitleid, dich will ich
preisen! Unergründlich an Geist
ist jene, An gestaltenzeugender
Bildnerkraft, Uner
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Die Beichte

Die Beichte Ist eine leichte Und
seichte Manier, sich der Schuld zu
entladen. Man packt zusammen den
Schaden Und wirft das Paket zum
Spediren, Zum Forteskamotiren Hinü
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Das Banket

Die Diener eilen hin und her, Sie
tragen auf zum Feste, Die Tafel prangt
von Silber schwer, Wo bleiben nur
die Gäste? Und eh` ich wart` in
Ewigkeit, Schreit wil
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Drosselsang

Die Drossel singt, die Drossel singt
Dort drüben im Vogelbauer, Sie kann ein
Stückchen, das munter klingt, Warum
denn faßt mich ein Schauer? Eine
Drossel sang, eine Dro
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Kurze Freude

Die Erde bleibt doch für alle Zeit
Ein schlimmer Ort. Wird man endlich
ein bischen gescheidt, So muß
man fort. Und jenseits? nein, Wird`s
auch nichts Rares se
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K. g. L. ins Stammbuch

Die gute Frau, wem ist sie zu
vergleichen? Dem Stückchen Zucker,
das in`s Wasser fällt Und keine
Kraft der Kraft entgegenstellt, Die
ringsum eindringt, ganz es zu
erweichen.
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Warnung

Die Lober meide! Sie führen ein
Stückchen Kreide Und schreiben damit
auf`s Kerbholz an, Was sie dir Süßes
angethan. Gib Acht, gib Acht, Kaum
gedacht, Bricht ihre wahre Natur he
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Gedicht und Sinn

Du hoffst von der Dichtung Lust und
Behagen Und pflegst nach dem Sinn erst
lange zu fragen? Laß dem innern Auge
das Bild sich zeigen, So wird auch der
Sinn von selber dir eigen; Ers
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Zur Hölle

Du reizend Ungeheuer, Neig` her den
schönen Leib! Reich` mir den Kelch voll
Feuer Du wunderbares Weib! Willst
du mich küssen, drücken, Werd` ich
mich nicht en
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Spätlinge

Ein Admiral! So spät noch
ausgeschlüpft! Er sonnt sich; wählig
wiegt er seine Flügel, Auf schwarzem
Sammtgrund weiß und roth gezeichnet, Im
warmen Licht. Du arme Kreatur! Nicht
ahnt
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Prähistorische Ballade

Ein Ichthyosaur sich wälzte Am
schlammigen, mulstrigen Sumpf. Ihm war
in der Tiefe der Seele So säuerlich,
saurisch und dumpf, So dämlich, so
zäh und so tranig, So schwe
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Priamel

Ein Sänger mit rundem, weichem
Tenor, Der schmelzende Arien süß
trägt vor, Im Schauspiel ein liebender
junger Held, Der schön deklamirt und
rührend fällt, Ein Akrobat auf dem
schm
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Anwendbar

Ein weich verpackter, Ein fein
befrackter, Nicht sehr
intakter Charakter. Den Vers, den hab`
ich im Vorrath gemacht, Ganz ohne
Objekt; ich hab` halt gedacht: Ich mach`
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An Uhlands Geist

Ems 1871, als an der Wirthstafel ein
Kellner aufwartete, der Sonntags zwei
Orden trug. Wenn heut dein Geist
herniederstiege In diese deine
deutsche Welt, Wie sie nach neuem
heil`gem
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Der alte Todtengräber

Er grub ein Grab mit müder Hand, Fast
wollte die Kraft versagen. Für wen? Das
war ihm unbekannt Er pflegte nicht mehr
zu fragen. Er murrte nicht, es sei zu
schwer, Er summ
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Spiritistisches Trinklied

Es geht ein Geist im Keller um, Komm,
altes, treues Medium, Komm, edler
Knabe Christian, Den Hahnen dreh`,
den Geist zieh` an Zi, za,
Geist zieh` an,
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Frühling

Es ist ein Fest im ganzen Thal, Was
blühen kann, blüht allzumal. Die ganze
Stadt liegt weich und warm Gebettet in
des Frühlings Arm. Heut`, wo so lau die
Lüfte wehen, Lass` auc
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Kahnfahrt

Es sinkt der Tag; still wird es weit und
breit. – Auf flüsternder, auf
kühler Wasserbahn Trägt leis zwei
Menschen hin ein leichter Kahn, Zwei
stille Menschen, still vor Seligkeit.
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Bald

Es währt noch eine kurze Weile, Daß du
durch diese Straße gehst Hinauf, herab
die lange Zeile, Und manchmal grüßend
stille stehst. Bald wird der ein` und
andre sagen: D
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Ein Kameradenfest

Etlich und zwanzig Kameraden
Begiengen ein heitres Fest, Sie hatten
einander geladen Von Süden, Nord,
Ost und West. Sie gedachten der
Klosterhallen Im grünen,
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Selbstgefühl

Fehlt es an wahrem Selbstgefühl, Da
dient der Stolz als hohler Pfühl. Wem
wird viel an Triumphen liegen? Dem, der
die Kraft nicht hat zu
Siegen. Uebermuth und Sklavensinn
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Sprüche

Freue dich au Formen, Tönen, Lausche,
wenn ein Dichter spricht, Labe deinen
Geist am Schönen, Aber Schöngeist
werde nicht! Das Leben ist schwer, das
will Bedacht; Vor dir
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Einem Studenten ins Stammbuch

Fürbaß
Ohn Unterlaß!
Nicht im blut`gen Feld allein
Kann man Marschall Vorwärts sein.
Lesart

Ganz außer Maßen christlich war
Ein Fürst von Babylon, Er mischte aus
Romantik gar Wein und Religion. Er
rief: bringt mir Champagner her
Nebst Bibel, Lumpenpa
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Rache

Gedichte, Romane und Dramen Habt ihr
mir zugeschifft, Auch Manuskripte gar
kamen In augenmordender
Schrift. Wenn schon der Kopf mir
erkrachte, Von Arbeit übersc
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Alter

Geschlagen Hat mich das Alter und ich
verstehe, Was ich sonst nur obenhin
verstand, Wie es gemeint ist, wenn man
redet Von müden Greisen. Müde vor
allem sind mir die Beine
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Imbiß

Gestern Abend, als mir so ungewohnt
Mein täglicher Imbiß
schmeckte, Geschah es, daß dieser
Umstand mir Ein eigen Gefühl
erweckte. Ich gedachte des mächtigen
Appetits,
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Immer zu

Gestern, ah! das war ein Schweben,
Als zum Tanz die Hand sie gab! Ueber
Stock und Steine streben Muß ich
heut am Wanderstab. Gestern glänzten
weiße Brüste, D
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Mykene

Habt Nachsicht, Manen des
Aeschylos, Vergebt mir, daß ich euch
nachgestammelt. Auf altersgrauer,
halbverfallener Cisterne Brüstung saß
ein großer Geier Regungslos. Plöt
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Oedipus

Habt Nachsicht, Manen des
Sophokles, Vergebt mir, daß ich euch
nachgestammelt. I. Schon graute der
Abend. Rauh und kalt Durch düsteres
Felsthal stürmte der Wind. U
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Herr Olaf

Herr Olaf reitet im weichen Sand, Im
Wellenschaum am Meeresstrand.
Merk` auf, Herr Olaf! Die Woge
spritzet, die Woge rauscht. Was klingt
dazwischen? Herr Olaf lauscht.
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Erfolg

Herr Sensatore, Ihr Roman Bricht flott
sich Bahn, Macht viel furore, Dieweil er
so beweglich, So nervaufreglich, So
bunt, so frei Und auch so
Leih- Bibliotbeklich
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Sie haben ihren Lohn dahin

Herr Spilling ist so klug und tief: Die
ganze Welt scheint ihm naiv. Sein
Augengläschen eingriffen, Das wie ein
Mikroskop geschliffen, Durchschaut er
jeglich Ding auf`s Haar Und A
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In der Vaterstadt

I. Das sind die alten Wege, Die
schattigen Alleen, Des Parkes alte
Stege, Felsburg und kleine
Seen. Das sind die alten Gassen,
Der Marktplatz, leer
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Sprache

I. Wohl mir, daß ich im Land aufwuchs,
wo die Sprache der Deutschen Noch
mit lebendigem Leib im Dialekte sich
regt, Milch der Mutter noch trinkt, noch
quellendes Wasser am Borne,
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Konfession

I. Wohl mir, daß ich, im
altprotestantischen Lande geboren,
Stärkende Ketzerluft durfte schon
athmen als Kind! Freilich es ist
gesorgt, daß nicht in den Himmel die
Bäume
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Schicksal

I. Zu Freudenfesten zogen sie
hinaus. Zum Täufling geht es in dem
Grafenhaus, Den die beglückte Tochter
hat geboren; Die andere hat ein Brite
sich erkoren: Ein jugendliche
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Die Hyazinthe

Ich grüße dich, du wunderbarer
Duft, Der sich in diesen zarten Kelchen
wieget, Du Schiff, worin durch
dunkelblaue Luft Die Seel` entzückt
nach fernen Ufern flieget. Das Ste
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Glaube

Ich scheide, sprach der Knabe, Doch sei
dir, liebe Maid, Herzinnige Treu
geschworen In alle Ewigkeit. Nun er in
fernen Landen Um blut`gen Lorbeer
wirbt, Dem ungetreuen
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Vortheil des Alterthums

Im Alterthum hatten die Schneider
Noch wenig zu schreiben in`s Buch, Denn
meistens trug man die Kleider Aus
ungenähtem Tuch. Drum trugen die
Menschen auch innen
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Unterm Buchenbaum

Im Wald, im Wald – Wie bald, wie bald
Hast du`s vergessen! Weißt, unter`m
Buchenbaum Selig in hellem Traum
Sind wir gesessen. Im Wald, im Wald, Im
gr
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Vom Tode

In der Jugend heiterem Morgenroth Denkt
kein Mensch an Alter und Tod, Und dieß
mit allem Grund und Fug, Denn an den Tod
soll man nicht denken. Im Alter kostet
es Müh` genug, Die
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Ist mancher so gegangen

Ist mancher so gegangen Und hat
zurückgedacht, Wie er mit
Kinderwangen Hier einst gespielt,
gelacht. Wird mancher noch so gehen Und
denken so zurück Und wird sich se
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Auf der Eisenbahn

Jetzt schnaube nur, Dampf, und
brause! Jetzt rolle nur, Rad, und
sause! Es geht nach Hause, nach
Hause! Du kannst nicht jagen, o
Wagen, Wie meine Pulse mir schlagen! Zur
Gel
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Verloren

Keuschheit verloren:
Etwas verloren,
In der Ehe etwas gewonnen.
Scham verloren:
Alles verloren,
Die Seele in Schmutz zerronnen.
Mein Kätzlein

Klagelied. Man fand dich fern vom
warmen Hause, Bedrängt von Schnee und
eis`gem Wind, Trug dich zu meiner
stillen Klause, Verirrtes armes
Katzenkind. Du schrie`st un
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Trinklied

Laßt mich trinken, laßt mich trinken,
Laßt von diesem Feuerwein Immer neue
Fluten sinken Mir in` s durst`ge
Herz hinein! Jedes Ende sei vergessen!
Wie`s im In
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Eiertanz

Magst du, statt einfach zu geh`n, zu
stehn`n, Einen Eiertanz lieber
tanzen, Mußt in die höchste
Gesellschaft geh`n, Unter Orden und
Litzen, Spitzen und Fransen, Mußt auf
glattem Boden
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Schlittenfahrt

Manchmal an einer Schlittenfahrt Erkenn`
ich recht die Menschenart. Mit rothen
Ohren und blauen Nasen, Schnatternd, vom
Winde zerwühlt, zerblasen, In Pelze
vermummt bis über`s Kinn,
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Kritiker

Manch` ein Richter Ueber Dichter Dünkt
sich ein lichter, Mehr als
schlichter Kopf Und ist ein
entfärbter Von Halbkultur
verderbter, Zu Leder gegerbter, Von der
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An Fr. T.

Mit des Auges hellem Strahle
Schickst du Gaben frisch und
blank, Sendest mir in edler Schale
Unverdienten Blumendank. Nicht so arm
sind doch wir Alten! Nach des
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Mitte

Nach Florenz mit schwerer Seele Zog
Vittor Emmanuele: Schicksal ruft in
große Bahnen, Neigung hängt am Sitz
der Ahnen. Kaum verschmerzt –: zum
Tiberstrom! Heißt die Losung, au
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Mann und Weib

Nach Freiheit strebt das Weib, der Mann
nach Regel. Gebieten mag die Laune,
spricht das Weib; Gesetz und Rhythmus
herrsche, spricht der Mann. So kann es
kommen, daß er Sklaven zieht, Un
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Fliegen-Orakel

Nach meinem Mittagsmahle Bei heißem
Sonnenstrahle Saß ich in guter
Ruh`. Halb las ich in der Zeitung,
Halb fiel das Aug` mir zu. Da kommt
hereingeflogen, Da
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Zweiseitig

Nach neben, wenn Vortheil riechend,
Nach oben jederzeit kriechend,
Nach unten grob und roh –:
Manch` ein Beamter ist so;
Auch ein Minister,
Mitunter so ist er.
Nachts und Morgens

Nachts. Armer Laternenschein! Suchst in
den Nebel hinein, Möchtest und kannst
doch nicht, Dumpf, dicht, Breit,
schwer Liegt er umher. – So trübe
bricht
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Natur

Natur, du seltsam Ding!
Am einen Ende gemein,
Am anderen seelisch fein
Und doch geschlossner Ring.
Schulmanns Schauer

Neulich in warmem Gespräch mit einem
gediegenen Schulmann Brach in Klagen
ich aus über die traurige Zeit. Hetze
nach Geld und Genuß und Betrug und
Wucher und Fälschung Sind ja, rie
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Und noch einmal

Noch einmal hin zum Jugendthal, Mit
sieben und siebzig Jahren! Warum nicht
dieses Eine Mal Dem Sehnen noch
willfahren? Nicht sicher sind die
Schritte mehr Und ni
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Einharts Wanderschicksal

November 1878. Auch einer, der`s
erfahren, Der`s gründlich hat
erkannt, Wie man mit Dichterwaaren
Umspringt im deutschen Land. Du
sehntest dich nach Seelen
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Paul Fr. Richter

O du, dem unter Narrheit, unter
Witzen Der Sehnsucht Zähren an der
Wimper blitzen, In Scherz und
Schmerzen schwärmender Bacchant! Der
Kunstform unbarmherziger Vernichter! Du
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Tand

O, es ist nichts. Dieß Alles ist ja
Tand! Was hält noch den an holder
Täuschung Band, Der weiß, daß Nichts
ist, und nach Art der Narren In seiner
Seele schuldigem Erblinden Hinlief
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Große Glufen-Ballade

oder: Die magnetische Nadel. I. In . .
. . im grünen Alpenthal Auf der
Post ist die Kost vorzüglich; An der
Tafelrunde saßen einmal Drei
Offizere vergnügl
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Ein Fang

oder: Was sich bei Kannstatt am Neckar
im Jahr 1796 zwischen einem kleinen
französischen Schützen und einem
österreichischen Reiter begeben. Bei
Kannstatt an der Brucken Da war
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Breite und Tiefe

Sag`, alter Narr, was rennst du
wieder So kreuz und quer, bergauf und
nieder? Was suchst du denn? Laß sein,
laß sein! Die Weite bringt es dir nicht
ein, Im Breiten wirst du`s nicht err
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An meine Wanduhr

Schwarzwaldtochter, gute, alte, Gelt,
wir kennen uns schon lange? Haben
redlich miteinander In gesetzter
Kameradschaft Manches Jährchen
ausgehalten. Gute Zeiten, schlimme
Zeiten
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Großvater

Schöpfer eines Menschen sein Ist nicht
klein. Ist fast wie ein König, Aber
Schöpfers Schöpfer sein Ist doch auch
nicht wenig. Hold grüßt den Müden,
aber Ungebeugten Al
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Blanka E. ins Stammbuch

Sei gesund, nicht öfter krank, Als
die Sterblichkeit es bringt. Nie erfahre
Trug und Rank, Der mit Schlangenring
umschlingt. Zwist und Zwietracht, zäher
Zank Bleib` a
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Zu spät

Sie haben dich fortgetragen, Ich kann es
dir nicht mehr sagen, Wie oft ich bei
Tag und Nacht Dein gedacht, Dein und was
ich dir angetan Auf dunkler
Jugendbahn. Ich habe gezau
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Im Hochgebirg

Steig`, o Seele, mit diesen Trutzigen
Urweltriesen! Recke dich! Strecke dich!
– Wie ihr entschlossen Seid
emporgeschossen, Das Steinherz in der
Brust, Das zu sehen is
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Marathon

Stumpf hieng ich im Sattel, ein leises
Fieber, Frucht der Ritte, der
tagelangen Auf glühendem Fels, in
feuchtschwülem Sumpfthal, Rieselte
durch die Glieder. Weit voraus schon
waren die
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Ein Augenblick

Um die alte Stadt auf der Promenade, Dem
bequemen, beliebten Pfade, Den die
Platanen beschatten und zieren, Gieng
ich am Sommerabend spazieren. Ein
Sonntag war`s und ein Sonnentag,
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Scheinleben

Und seit des Nichts unsäglicher
Gedanke, Ein wilder Blitz, mir in
die Seele schlug, Ist Schein geworden
all mein Thun und Wesen, Ist all
mein Leben eitel Lug und Trug. Am
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An einen bewunderten Koloristen

Uns machst du nicht perplex! Wo es
gebricht an Haltung, An fixer
Durchgestaltung, Ist alle Pracht der
Farbe doch nur Klex. Dieß ist
unleugbar sancta lex. Zu einem ganzen Ar
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Form

Von leerer Form weiß nichts Apoll, Das
Schöne ist himmlischen Geistes
voll. Wie reizend malst und dichtest
du, mein Lieber! Wie schön wär`s,
spürte man nur nicht, Daß es an
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Es kann ja nicht immer so bleiben

Vorüber wir einst so herzlich gelacht,
Dazu lacht bald niemand mehr, Die
Späße, die Witze, die wir gemacht,
Wer weiß und versteht sie noch,
wer? Der ganze kreuzlustige
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Angst

Warum denn dringt und dringet wieder
Mir Todesangst durch Mark und Bein? Was
rieselt durch die starren Glieder
Und schüttelt mich wie Fieberpein? Hat
alte Blutschuld eing
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Das graue Lied

Warum wird mir so dumpf und düster
doch, So matt und trüb um die
beengte Seele, Wenn ich an einem grauen
Nachmittag An meinen Büchern mich
vergeblich quäle, – Wenn w
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Gesang der Exakten

War`s um sechs Uhr oder sieben, Wann er
diesen Vers geschrieben? War`s
vielleicht präzis halb achte, Als er zu
Papiere brachte Diesen Einfall, diesen
Witz? War es vor, war`
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Schein und Sein

Was heißt denn Schein? Was heißt denn
Sein? Das Räthsel, dacht` ich, ist
nicht klein. Da fiel mir eine Probe
ein: Das, was der Menge scheint nur
Schein, Ist Sein, Und was
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Die Nagelschmiedin

Was klopfet, was schmiedet das reizende
Weib? Zum Ambos gebeuget den schlanken
Leib Einen zierlichen Hammer sie
schwinget; Dunkle und
helle, Süße un
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Ein Gast

Was lärmt denn da vor meiner Hütten
Noch für ein ungebetner Gast? Er legt
sich eben nicht auf` s Bitten, Er
pocht und schellt mit wilder Hast. Das
ist die Reue, die sch
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An die Empfindsamen

Weichheit ist gut an ihrem Ort, Aber sie
ist kein Losungswort, Kein Schild, keine
Klinge und kein Griff; Kein Panzer, kein
Steuer für dein Schiff. Du ruderst mit
ihr vergebens. Kr
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Auslegung

Wenn Einer mit den Jahren Sein
Denken korrigirt, Bekommt er zu
erfahren, Wie man das
kommentirt. »Er ist gekauft,
bestochen Mit Titel, Stern und
Geld, Wir
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An die Trocknen

Wenn ich zum Schöppchen geh` am Abend,
Von Arbeit müde und erhitzt, O, wie
ist mir der Anblick labend, Wenn
Euereins am Tische sitzt! Da werd` ich
ein Gespräch genieße
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Mädchens Abendgedanken

Wer der Meine wohl wird werden? Ob
mein Aug` ihn wohl schon sah? Wo er
wandeln mag auf Erden? Ist er ferne
oder nah`? Wird er schön von
Angesichte Oder doch nic
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Trost

Wie bin ich sonst so straff
geschritten, Noch als ich in die
siebzig kam, – Ist mir der Nerv
entzwei geschnitten? Wie schleich`
ich jetzt so schlaff und lahm! O
schlimm!
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Alte Jungfer

Wie dauert mich ein Mägdelein, Das
einsam sitzen bleibt, An das ein
Werbebriefelein Kein Herzfreund
schreibt! Du
Arme! Hätt` auch so gern ein K
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Muth

Wie es blitzt und kracht! Heiß,
heiß Ist die Schlacht, Wo es
einschlägt, wer weiß? Sie stürzen im
Rücken, vorn und neben, Wie viele
Minuten noch werd` ich leben?
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Nur Traum

Wie hoch die Welt sich bäumet,
Wie laut auf breiter Spur
Das Leben schäumet,
Uns alle träumet
Der Weltgeist nur.
Greisenglück

Wie man das Alter auch mag
verklagen, Wie viel Uebles auch von ihm
sagen, Die Ehre muß man ihm dennoch
geben, Daß es uns gönnt, noch das zu
erleben, Wie es thut, sich fühlt und
schme
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Ein Moralischer

Wir sprachen von Hamlet, von Tasso Und
ihres Lebens Fracasso, Von Hölderlin,
von Heinrich Kleist, Wie sie der
Wahnsinn packt, zerreißt, Kurzum von
tragischen Seelen. Da begann er
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Am See

Wo ist er denn? Im Gras, im Klee Sitzt
er am See, Am stillen See, Die Welle
regt gelind Ein leiser Wind. Was thut
er denn Dort drüben, schau`! Taucht
rein
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Das Kätzlein

Zog der junge Wladislaw, zu jagen, Einst
von seiner hohen Burg herunter. Wie er
durch ein Dörflein kam gegangen, Kam
ein weißes Kätzlein, das die
Hunde Aufgescheucht, an ihm vorbeiges
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Und doch

Zu melden ist von schrecklichem
Gesichte, Das mich zumeist nach
Freudenfesten plagt. Es träumt mir dann
vom jüngsten der Gerichte, Da
zucken Blitze, daß es grausig
tagt, Nach
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An J. K.

Zur Blume, die des Duftes feinste
Geister Im Kelche sammelt, spendend sie
entläßt, Zum Kranze, der, ein Schmuck
für größ`re Meister, Den Strebenden
begrüßt am Greisesfest, Läß`s
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Dank für Rath

»Den Kuß und dann die Kralle, So sind
sie alle. »Die Kralle, dann den
Kuß Macht ihnen nicht Verdruß.«
– »»Nimm`s nicht so schwer! Laß
ruh`n! Sie wissen nic
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Reiter-Weckruf

»Ist`s nicht genug geruht? Ist`s nicht
genug geruht? Auf! Auf! Auf, frisches
Reiterblut! Denkt euch, der Feind sei
da! Auf, auf! Ja! ja!« So thut es,
so klingt es, So
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Vereinbar

»Man muß nicht müssen,« sagt ein
deutscher Dichter, Ein andrer, und der
größte unter allen: »Der Mensch ist
nicht geboren, frei zu sein.« Hat Einer
Unrecht und der Andre Recht? U
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Schlußergebniß

»Sage, was ist am Ende der Bahn Als das
Wahre, das Beste dir
erschienen?« Nachdem verblichen so
mancher Wahn, Das Leben durch Arbeit
abverdienen. »Traurig.« – Ich weiß
nich
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