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Gedichte - Gottfried Keller


Wanderbilder

1 AM TEGELSEE Es glänzt ein stilles
weisses Haus Aus stillen grünen
Kronen; Auf seinen Warten ruhen
aus Die Winde aller Zonen. Auf ihrem
Hauch ein edler Klan
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Alte Weisen

1 Mir glänzen die Augen Mir glänzen
die Augen Wie der Himmel so
klar; Heran und vorüber, Du schlanker
Husar! Heran und vorüber Und wieder
zurück!
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Waldlieder

1. Arm in Arm und Kron’ an Krone
steht der Eichenwald verschlungen, Heut
hat er bei guter Laune mir sein altes
Lied gesungen. Fern am Rande fing ein
junges Bäumchen an sich sacht
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Trauerweide

1. Es schneit und eist den ganzen
Tag, Der Frost erklirret scharf und
blank, Und wie ich mich gebärden mag
- Es liegt ein Mägdlein ernstlich
krank. Das Rosen
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Am fliessenden Wasser

1. Hell im Silberlichte
flimmernd Zieht und singt des Baches
Welle, Goldengrün und tiefblau
schimmernd Küsst sie flüchtig die
Libelle; Und ein drittes kommt dazu,
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Feuer-Idylle

1. Laut stürmt der Schall der
Glocken durch die Nacht’ Und Schüsse
dröhnen von des Berges Wacht; In allen
Gassen tönt’s: es brennt! es
brennt! Und jeder angstvoll an
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Lebendig begraben

1. Wie poltert es! - Abscheuliches
Geroll Von Schutt und Erde, modernden
Gebeinen! Ich kann nicht lachen und
kann auch nicht weinen, Doch nimmt’s
mich wunder, wie das enden
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Trost der Kreatur

1. Wie schlafend unterm Flügel ein
Pfau den Schnabel hält, Von luft’gen
Vogelträumen die blaue Brust
geschwellt, Geduckt auf einem Fusse,
dann plötzlich oft einmal Im T
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Nacht im Zeughaus

1 Bleich beglänzte
Wolkenscharen Draussen durch die
Mondnacht fahren, Ungewisse Lichter
fallen Hier in diese grauen
Hallen. Schwert an Schwert und
Lanz’ an
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Dichtung und Wahrheit

1 Den Dichter seht, der immerdar
erzählt von Lerchensang, Wie er nun
bald ein Dutzend schon gebratner Lerchen
schlang! Bei Sonnenaufgang, als der Tag
in Blau und Gold erglüht’,
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Gedanken eines Lebendig-Begrabenen

1 Ei, wie das kracht! - Abscheuliches
Geroll Von Schutt und Erde, polternden
Gebeinen! Ich kann nicht lachen und
kann auch nicht weinen - Es nimmt mich
wunder, wie das enden
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Die Spinnerin

1 Rinne sanft, du weiche
Welle, Schöner Flachs, durch meine
Hände, Dass ich dich mit stiller
Schnelle Fein zum goldnen Faden
wende! Du Begleiter meiner Tage
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Panard und Galet

1 Sie kamen von der Tränke, Sie
wankten aus der Schenke Mit einer
Zecherschar, Als es Karfreitag
morgen Und grabesstille war. Von
heissen Stirnen nicke
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Gaselen

1 Unser ist das Los der
Epigonen, Die im weiten Zwischenreiche
wohnen; Seht, wie ihr noch einen
Tropfen presset Aus den alten Schalen
der Zitronen! Geistiges ist mäss
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Ein Tagewerk

1 Vom Lager stand ich mit dem
Frühlicht auf Und nahm hinaus ins
Freie meinen Lauf, Wo duftiggrau die
Morgendämmrung lag, Umflorend noch den
rosenroten Tag; Mich einm
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In der Stadt

1 Wo sich drei Gassen kreuzen, krumm
und enge, Drei Züge wallen plötzlich
sich entgegen Und schlingen sich,
gehemmt auf ihren Wegen, Zu einem
Knäul und lärmenden Gedräng
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Denker und Dichter

1 Wohlan, ihr neunmal Weisen! Ich
fordre euch heraus! Baut ihr von Stein
und Eisen Ein sturmgesichert
Haus: Bau’ ich aus
Blütendüften Und Mondschein mir ein
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Untergehende Liebe

Abend war’s, ich stand am Ufer, Wo
die Wellen freudig rauschten Und, vom
Süden her gewaltig Hergeeilt, am
Strand erschäumten. Violett war ihr
Gewand, Doch sie trugen rote
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An Frau Ida Freiligrath

Albumblatt von 1846. So ist es doch
betrübt zu klagen, wenn deutsche
Mütter den Rhein hinab, hinab und
über des Meeres Grab die zarten
Wickelkinder tragen nach frei
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Herbstnacht

Als ich, ein Kind, am Strome ging, Wie
ich da fest am Glauben hing, Wenn ich
den Wellen Blumen gab, So zögen sie
zum Meer hinab. Nun hält die schwarz
verhüllte Nacht
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Landwein

Am Hügel wohnt der alte
Bauersmann, Der hat sein Gut von neuer
Hand gegründet, Dass all sein Land im
weitgezognen Bann Des Eigners feste
Willenskraft verkündet; Was harter
Fleiss
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Die Winzerin

Am sonnig weissen Gartenhaus, Da reifet
Traub’ an Traube, Die sanfte Schöne
tritt heraus Und prüft die schwere
Laube; Dem blauen Blick des Weibes
gleicht Der Beeren dunkle
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Der Waadtländer Schild

An der Brücke zu Lausanne Hängt der
Wappenschild von Waadt, Darauf
`Vaterland und Freiheit` Froh das Volk
geschrieben hat. Erzgegossen glänzt
das Wappen, In der Sonne strah
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In fremden Landen

An des Heimatflusses Borden, Wo die
Linden überhangen, Bin ich manches Mal
gegangen, Wenn die Erde jung
geworden Und den Frühlingsmantel
wob, Wenn die Wasser voller klangen
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Abendlied

Augen, meine lieben Fensterlein, Gebt
mir schon so lange holden
Schein, Lasset freundlich Bild um Bild
herein: Einmal werdet ihr verdunkelt
sein! Fallen einst die müden Lide
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Gruss der Sonne

Aus den braunen Schollen Springt die
Saat empor, Grüne Knospen
rollen Tausendfach hervor. Und es
ruft die Sonne: Fort den blassen
Schein! Wieder will ich Wonne
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Am Himmelfahrtstage 1846

Ausgestorben scheint die Stadt, Weil,
was sich des Lebens freut Und den Bund
mit ihm erneut, Sich hinaus begeben
hat Auf die Hügel, auf die
Berge, Angefüllt wird jedes Tal,
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Apostatenmarsch

Bum! Bum! Bim, bam, bum! Schnürt den
Sack und kehrt links um! Abgeweidet ist
die Matte, Spute dich, du
Wanderratte, Hungern ist kein
Gaudium! Dreht die Fahne, dämpft die
Tro
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Ein Schwurgedicht

Da liegt ein Blatt, von meiner Hand
beschrieben In Tagen, die nun lang
dahin geschwunden, So lang, dass halb
verblich die flücht’ge Schrift. Doch
wie ich lese, wird ein Unterfangen,
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Ungemischt

Dass ich nicht ein jedes Atom von
Wein Mit einer Flut von Blödigkeiten
büsse, Schenke mir das blühende Gold
vom Rhein Unvermischt in seiner
würz’gen Süsse! Deine Augen
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Justinus Kerner

Dein Lied ist rührend, edler
Sänger, Doch zürne dem Genossen
nicht, Wird ihm darob das Herz nicht
bänger, Das, dir erwidernd, also
spricht: `Die Poesie ist angeboren,
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Fahrewohl

Den Linden ist zu Füssen tief Das
dürre Laub geblieben; Am Himmel steht
ein Scheidebrief Ins Abendrot
geschrieben. Die Wasser glänzen
still und kühl, Ein Jahr ist
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Bei einer Kindesleiche

Den niemand kommen hört und kommen
sieht, Er hat geweht, der Wind, den
Baum geschwungen, Des Wurzelwerk die
Erde überzieht, In dessen Kron’ ich
dieses Lied gesungen; Das jüngste
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Der Kranz

Der Frühling ging durchs reiche
Schwabenland Und mit ihm Ludwig Uhland,
an der Hand Die treue Gattin; denn es
kam zu wandern Der teure Mann von einem
Ort zum andern. Mag’s
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Poetentod

Der Herbstwind rauscht; der Dichter
liegt im Sterben, Die Blätterschatten
fallen an der Wand An seinem Lager
knien die zarten Erben, Des Weibes
Stirn ruht heiss auf seiner Hand.
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Im Meer

Der Himmel hängt wie Blei so
schwer Dicht auf dem wildempörten
Meer; Ein englisch Segel, fast die
Quer, Schiesst wie ein Pfeil darüber
her. Ein Messer, so das Meer sich sc
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Bergfrühling

Der Lenz ist da, die Lauine fällt, Sie
rollt mit Tosen und Sausen ins Tal; Ich
hab’ mein Hüttlein daneben
gestellt Auf grünende Matten am
sonnigen Strahl, Und ob auch di
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Frühling des Armen

Der Lenzwind tanzt auf Berg und
Heide, Jung Ivo taumelt wie im
Traum, Und zierlich schürzt die
Birk’ den Saum An ihrem grünen
Seidenkleide. Sein Bündelchen im
tollen Reigen
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Majorität

Der Mehrheit ist nicht
auszuweichen, Mit Helden wie mit
Schwabenstreichen Macht sie uns ihre
Macht bekannt Auf Weg und Steg im
ganzen Land; So gebt dem Kind den
rechten Namen
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Die kleine Passion

Der sonnige Duft, Semptemberluft, sie
wehten ein Mücklein mir aufs Buch. Das
suchte sich die Ruhegruft und fern vom
Wald sein Leichentuch. Vier Flügelein
von Seiden fein tru
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David

Der Ölbaum wuchs in dichten Hainen, An
klaren Bächen wucherte die Rose, Allwo
die Wiege stand des Kleinen, Gleich
einem Taubennest im grünen Moose. Er
spielte noch im bunten Knabe
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Krötensage

Des Berges alte Wangen sind Von
Maiensonne beschienen; Sie lächeln
unter Quellenglanz, Die Schilfe, die
Farren ergrünen. Die Kröte springt
aus dem Kieselstein, Ein
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Land im Herbste

Die alte Heimat seh’ ich
wieder, Gehüllt in herbstlich feuchten
Duft; Er träufelt von den Bäumen
nieder, Und weithin dämmert grau die
Luft. Und grau ragt eine Flur im G
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Der Taugenichts

Die ersten Veilchen waren schon Erwacht
im stillen Tal; Ein Bettelpack
stellt’ seinen Thron Ins Feld zum
ersten Mal. Der Alte auf dem Rücken
lag, Das Weib, das wusch am See
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An meine Dame

Die in den Sternen strahlt, auf Meeren
ruht, Im Schmetterling von Blum` zu
Blume schwebt Und heiß aufatmet in des
Ätna Glut! Die wagend mit dem Aar
zur Sonne strebt, Die fe
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Grillen

Die Phantasie tut wie ein Kind, Das
einsam Kränze windet, Bald lacht und
plaudert mit dem Wind, Bald einen
Schwank erfindet Und wunderliche
Märchen spinnt, Dann innehält un
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Ratzenburg

Die Ratzenburg will Grossstadt
werden Und schlägt die alten Linden
um; Die Türme macht sie gleich der
Erden Und steckt gerad, was traulich
krumm. Am Stadtbach wird ein Quai
erbauet
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Jung gewohnt, alt getan

Die Schenke dröhnt, und an dem langen
Tisch Ragt Kopf an Kopf verkommener
Gesellen; Man pfeift, man lacht;
Geschrei, Fluch und Gezisch Ertönte an
des Trankes trüben Wellen.
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Vaterländische Sonette

Die schweizerische Nationalität Die
Sprache ist das teure Jugendland, Darin
die Völker wachsen und gedeihen, Das
Mutterhaus, wonach sie sehnend
schreien, Wenn sie verschüt
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Liebchen am Morgen

Die Sonne fährt durchs
Morgentor Goldfunkelnd über den
Bergen, Und wie zwei Veilchen im
frühen Mai, Zwei blaue Augen klar und
frei, Die lachen auf ihren
Wegen Geöffnet ihr
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Die Zeit geht nicht

Die Zeit geht nicht, sie stehet
still, Wir ziehen durch sie hin; Sie
ist ein Karavanserai, Wir sind die
Pilger drin. Ein Etwas, form- und
farbenlos, Das nur Gestalt ge
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Tagelied

Du willst dich freventlich
emanzipieren Und aufstehn wider mich
mit keckem Sinn, Ein rotes Mützlein
und die Zügel führen, Du schöne,
kleine Jakobinerin? Zur Politik nun a
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An einen Freund

Du, der so lang im Herzen mich
geborgen Mit allen meinen grämlichen
Gebrechen, Mit meinen hastig immer
neuen Schwächen, Mit allen meinen
wunderlichen Sorgen; Die Hand verze
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Abend auf Golgatha

Eben die dornige Krone geneiget,
verschied der Erlöser, Weisslich in
dämmernder Luft glänzte die Schulter
desHerrn; Siehe, da schwebte, vom
tauigen Schimmer gelockt, die Phaläne
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Lied vom Schuft

Ein armer Teufel ist der Schuft, Er
weiss, es kennt ihn jedes Kind, Er
wandelt wie ein Träumender, Wo
unverdorbne Menschen sind. Ein dummer
Teufel ist der Schuft, Wei
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Ein Berittener

Ein Häuptling ritt geehrt im
Land, Gleich einem der Propheten; Als
er im Feld sich einsam fand, Hub er den
Arm zu beten: `Mich traf das Übel
Schlag auf Schlag, Es wa
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In der Trauer

Ein Meister bin ich worden zu weben
Gram und Leid; ich webe Tag und
Nächte am schweren Trauerkleid. Ich
schlepp` es auf der Straße mühselig
und bestaubt; ich
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Der Freiheitsbaum

Ein Tannenbaum im Schwarzwald
steht, Der wächst schon manches
Jahr; Sein Wipfel hoch ins Blaue
geht, Drin fliegt sein grünes
Haar. Die Wurzel hat den
Erdengrund Gar
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Die öffentlichen Verleumder

Ein Ungeziefer ruht In Staub und
trocknem Schlamme Verborgen, wie die
Flamme In leichter Asche tut. Ein
Regen, Windeshauch Erweckt das schlimme
Leben, Und aus dem Nicht
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Nachtfalter

Ermattet von des Tages Not und
Pein, Die nur auf Wiedersehen von mir
schied, Sass ich und schrieb bei einer
Kerze Schein, Und schrieb ein wild und
gottverleugnend Lied. Doch draussen
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Gewitterabend

Es dämmert und dämmert den See
herab, Die Wasser sind gar so
dunkel; Doch wenn ob den Bergen der
Blitzstrahl zuckt, Was ist das für ein
Gefunkel? Dann tun dem Schiffer die
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Trübes Wetter

Es ist ein stiller Regentag, So weich,
so ernst, und doch so klar, Wo durch
den Dämmer brechen mag Die Sonne weiss
und sonderbar. Ein wunderliches
Zwielicht spielt Be
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Sonntagsjäger

Es lässet sich mit aller Kraft Ein
Horn im Walde hören; Ich krieg’ ein
altes Rohr beim Schaft Und schlendre in
die Föhren. Der Wald, der macht mir
vielen Spass, E
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Mönchspredigt

Es schlägt der Mönch aufs
Kanzelbrett Und macht gar schlimme
Witze; Sein Hals ist kurz, der Atem
fett, Sein Wort voll roter Hitze. Er
endet just, mit glühndem Hauch
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Sommernacht

Es wallt das Korn weit in die Runde Und
wie ein Meer dehnt es sich aus; Doch
liegt auf seinem stillen Grunde Nicht
Seegewürm noch andrer Graus; Da
träumen Blumen nur von Kränzen
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Frühlingsglaube

Es wandert eine schöne Sage Wie
Veilchenduft auf Erden um, Wie sehnend
eine Liebesklage Geht sie bei Tag und
Nacht herum. Das ist das Lied vom
Völkerfrieden Und von
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Has von Überlingen

Es war der Has von Überlingen, Der
scheut’ den Märzen wie den Tod; Denn
in die Glieder fühlt er dringen Mit
ihm des Alters leise Not. Wann nun
die Morgenlüfte wehten
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Die Entschwundene

Es war ein heitres goldnes Jahr, Nun
rauscht das Laub im Sande, Und als es
noch im Knospen war, Da ging sie noch
im Lande. Besehen hat sie Berg und
Tal Und unsrer Str
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Nachtfahrer

Es wiegt die Nacht mit himmelweiten
Schwingen Sich auf der Südsee blauen
Wassergärten, Daraus zurück wie
Silberlilien springen Die Sterne, die
in tiefer Flut verklärten.
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Sonnenaufgang

Fahre herauf, du kristallener
Wagen, Klingender Morgen, so frisch und
so klar! Seidene Wimpel, vom Oste
getragen, Flattre, du rosige
Wölkleinschar! Siehe die Meere, sie
woge
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Stiller Augenblick

Fliehendes Jahr, in duftigen
Schleiern Streifend an abendrötlichen
Weihern Wallest du deine Bahn; Siehst
mich am kühlen Waldsee stehen, Wo an
herbstlichen Uferhöhen Zieht e
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Frau Rösel

Frau Rösel ist eine gute Frau, wie
liebt sie ihren König, Den König und
sein ganzes Haus, und isst und trinkt so
wenig! Die gute, arme Frau
Rösel. Und als es hiess, der junge
Pr
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Parteigänger

Gefallen sind die Hiebe, Verflogen
Staub und Rauch, Und süsse
Bruderliebe Blüht wieder an jedem
Strauch! Hin ist so mancher Brave, Und
bläkend ziehn die Schafe Zum P
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Mit einer Reisskohle

Gefächelt von der Lüfte
Schwingen, Zeigt’s deines Mundes hohe
Rosenglut Und knistert leis, wie deine
Lippen singen, Wenn ein geheimer Traum
bewegt dein Blut. Nun schweigt
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Wanderlied

Glück auf! Nun will ich wandern Von
früh bis abends spät, Soweit auf
dieser Erde Die Sonne mit mir
geht! Ich führe nur Stab und
Becher, Mein leichtes Saitengetön;
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Am Ufer des Stromes

Graulockig ein Mann und ein blonder
Kam’rad Spazieren an fliessenden
Wassers Gestad’; Der Ältere kehrt
sich zum Jungen und spricht: `Was
schneidest du für ein betrübtes
Gesicht?`
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Gasel

Herbstnächtliche Wolken, sie wanken und
ziehn Gleich fieberisch träumenden
Kranken dahin; Auf Bergwald und Seele
die Düsternis ruht, Ob kalt sie auch
Wind und Gedanken durchfliehn.
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Tafelgüter

Herr Stossenwolf von Gevaudan, Der
Bischof, sitzt bei Tische; Er bietet
seinen Gästen an Die allerschönsten
Fische. Das Haupt des Ebers stellt
sich dar Untadelig ger
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Stutzenbart

Herrlich in der Maienzeit Blaut des
Himmels Kläre, Halt zum Opferdienst
bereit Nun die blanke Schere! Durch
das offne Fenster ziehn Schon des
Bartes Flocken Sc
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Berliner Pfingsten

Heute sah ich ein Gesicht, Wonnevoll zu
deuten: In dem frühen
Pfingstenlicht Und beim
Glockenläuten Schritten Weiber drei
einher, Feierlich im
Gange, Wäscherinnen, f
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Die Thronfolger

Hoffnungsblumen, Morgenröten, Die am
dunkeln Himmel blühn! Und das Volk in
seinen Nöten Schaut erwartungsvoll das
Glühn, Harrt in Demut auf die
Sonne, Die da auferstehen s
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Jesuitenzug 1843

Hussa! Hussa! Die Hatz geht los! Es
kommt geritten klein und gross, Das
springt und purzelt gar behend, Das
kreischt und zetert ohne End’: Sie
kommen, die Jesuiten!
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Abendlied an die Natur

Hüll’ ein mich in die grünen
Decken, Mit deinem Säuseln sing mich
ein, Bei guter Zeit magst du mich
wecken Mit deines Tages jungem
Schein! Ich hab mich müd in dir
ergangen,
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Aus einem Romane

I. VERLORNES RECHT, VERLORNES
GLÜCK Recht im Glücke, goldnes
Los, Land und Leute machst du
gross! Glück im Rechte, fröhlich
Blut, Wer dich hat, der treibt es
gut!
... weiterlesen


Der Kürassier

Ich drückte mich nach Hause in kalter
Regennacht, Da stand er düster
schimmernd und lautlos auf der
Wacht, Der schlanke, der blanke, der
schwere Kürassier. Er flüstert’
leis:
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Ich fürcht’ nit Gespenster

Ich fürcht nit Gespenster, Keine Hexen
und Feen, Und lieb’s, in ihre
tiefen Glühaugen zu sehn. Am Wald
in dem grünen Unheimlichen See, Da
wohnet ein Nachtw
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Die Mitgift

Ich ging am grünen Berge hin, Wo sich
der Weih im Äther wiegt Und reisemüd
der Sonnenstrahl Ausruhend auf der
Quelle liegt, Wo wilde Rosen einsam
blühn, Die Föhre hoch de
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Sonnwende und Entsagen

Ich hab’ in kalten Wintertagen, In
dunkler hoffnungsarmer Zeit Ganz aus
dem Sinne dich geschlagen, O Trugbild
der Unsterblichkeit. Nun, da der
Sommer glüht und glänzet,
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In den Äpfeln

Ich kam zu einem Apfelbaum, In dessen
grünen Ästen Ein krummer Zwerg den
frischen Schaum Der Äpfel sog, der
besten. Um einen Apfel bat ich
ihn, Da fing er an zu rü
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Geistergruss

Ich sah ein holdes Weib im Traum Auf
rotem Laube sitzen Wohl unter einem
bereiften Baum, Der tät’ wie Silber
blitzen Er blitzte wie Silber und
Kristall In liebliche
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An einen zweiten (Künstler)

Ich sehe dich mit lässig sichrer
Hand Den feinen Nacken einer Göttin
schreiben, Dazu den Hohn um deine
Lippen treiben: »`s ist nichts
dahinter!« oder: »eitler Tand!« Se
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Jugendgedenken

Ich will spiegeln mich in jenen
Tagen, Die wie Lindenwipfelwehn
entflohn, Wo die Silbersaite,
angeschlagen, Klar, doch bebend gab den
ersten Ton, Der mein Leben lang, Erst
heu
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Schlafwandel

Im afrikanischen Felsental Marschiert
ein Bataillon, Sich selber fremd, eine
braune Schar Der Fremdenlegion. Lang
ist ihr wildes Lied verhallt In
Sprachen mancherlei; S
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Spielmannslied

Im Frührot stand der Morgenstern Vor
einem hellen Frühlingstag, Als ich,
ein flüchtig Schülerkind, Im
silbergrauen Felde lag; Die Wimper
schwankte falterhaft, Und ich ents
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Rosenwacht

Im Glase blüht ein frischer
Rosenstrauss, Daneben webt ein
Jünglingsleben aus; Ins Zimmer bricht
der volle Abendglanz Welch schönes
Bild in einen Totentanz! Von rotem
Gold
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In Duft und Reif

Im Herbst verblichen liegt das
Land, Und durch die grauen Nebel
bricht Ein blasser Strahl vom
Waldesrand, Den Mond doch selber sieht
man nicht. Doch schau! Der Reif wird
Blü
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Feldbeichte

Im Herbst, wenn sich der Baum
entlaubt, Nachdenklich wird und
schweigend, Mit Reif bestreut sein
welkes Haupt, Fromm sich dem Sturme
neigend: Da geht das Dichterjahr zu
End
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Aroleid

Im Wallis liegt ein stiller
Ort, Geheissen Aroleid; Es seufzt ein
Gram im Namen fort Seit lang
entschwundner Zeit. Ein Berghirt hing
in Todsgefahr Am steilen Firnenran
... weiterlesen


Des Friedens Ende

Im Zwielicht ruht das Stoppelfeld,
Nachsommerlüfte wehn, Und fliegend
über das falbe Land ein Jüngling ist
zusehn; Sein Kranz ist wie von Tränen
schwer, des Jahres letztemTau, Verfolgt

... weiterlesen


Gewitter im Mai

In Blüten schwamm das
Frühlingsland, Es wogte weiss in
schwüler Ruh; Der dunkle feuchte
Himmel band Mir schwer die feuchten
Augen zu. Voll Reu und Leid hatt’
ich den Mai
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Stilles Abenteuer

In dem Winkel einer Schenke
sassen Einstmals Jäger nach
vollbrachtem Jagen. Sie erzählten sich
die feinen Künste, Wie des Wildes
Heimlichkeit zu sehen, Alle Kreatur sei
zu beschle
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Sonnenuntergang

In Gold und Purpur tief
verhüllt Willst du mit deiner Leuchte
scheiden, Und ich, noch ganz von dir
erfüllt, Soll, Sonne, dich nun
plötzlich meiden? Du hast mein Herz
mit Lust entz
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Scheiden und Meiden

Ja, das ist der alte Kirchhof, Der in
blauer Flut sich spiegelt, Offen steht
sein morsches Gitter, Niemand ist, der
es verriegelt! Hier der kleine Berg
voll Rosen Dicht und ü
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Abendregen

Langsam und schimmernd fiel ein
Regen, In den die Abendsonne
schien; Der Wandrer schritt auf
schmalen Wegen Mit düstrer Seele
drunter hin. Er sah die grossen
Tropfen blinken
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Herbstlied

Lasst uns auf alle Berge gehen, Wo
jetzt der Wein zu Tale fliesst, Und
überall am nächsten stehen, Wo sich
der Freude Quell ergiesst, Uns tief in
allen Augen spiegeln, Die d
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Ein schuldlos Unwahrer

Launig erlog die Natur und bemalte den
stattlichen Golem, Dann, auf sich
selber gestellt, log das Gebilde sich
durch; Was er berührt, wird unwahr,
Gold zu gleissendem Tombak, Kläg
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Himmelsleiter

Müde sass ich in der Dämmrung Von des
Tages Lärm und Staube, Eingelullt von
Abendsäuseln, Schlummernd in der
Rebenlaube; Da begann von Licht und
Blumen Gar ein seltsam sch
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RegenSommer

Nasser Staub auf allen Wegen! Dorn und
Distel hängt voll Regen Und der Bach
schreit wie ein Kind! Nirgends blüht
ein Regenbogen, Ach, die Sonn’ ist
weggezogen Und der Himm
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Unruhe der Nacht

Nun bin ich untreu worden Der Sonn’
und ihrem Schein; Die Nacht, die Nacht
soll Dame Nun meines Herzens
sein! Sie ist von düstrer
Schönheit, Hat bleiches Nornenges
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Nixe im Grundquell

Nun in dieser Frühlingszeit Ist mein
Herz ein klarer See, Drin versank das
letzte Leid, Draus verflüchtigt sich
das Weh. Spielend meine Seele
ruht, Von der Sonne üb
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Klage der Magd

Nun ist der Lenz gekommen, Nun blühen
alle Wiesen, Nun herrschen Glanz und
Freude Auf Erden weit und breit; Nur
meine böse Herrin, Sie keift und
zetert immer Noch wie
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Der alte Bettler

Nun legst du, alte wettermüde
Föhre, Den allerletzten Jahresring dir
an, Da ich im Walde schon rumoren
höre Mit seiner Axt den grauen
Zimmermann. Er wird so wenig deinen K
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Morgenwache

Nun, da diese alten Herrn Tief im
Rausche sanken, Oben auch von Stern zu
Stern Morgennebel wanken: Rücken wir
zusammen Unterm Gartentor, Jetzt in
neuen Flammen
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Doppelgleichnis

O ein Glöcklein klingelt mir früh und
spät Silbernen Schalles in die Seele
herein, Zart wie ein Luftlied, welches
von Westen weht, Unermüdlich
plaudernd, so lieb und fein!
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Meergedanken

O wär’ mein Herz das tiefe Meer Und
seine Feinde die Schiffe, Wie
schleudert’ es sie hin und her An
seines Zornes Riffe! Und endlich
schläng’ es unter sie, Hin
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Das Weinjahr

Rüstet die Kelter, die Kufen und
Tonnen, Denn es verglühet ein seltenes
Jahr! Schon naht der Herbst und es
glastet die Sonne Wie sie geglastet den
Sommer entlang! Hört, im
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Zeitlandschaft

Schimmernd liegt die Bahn im tiefen
Tale, Über Tal und Schienen geht die
Brücke Hoch hinweg, ein Turm ist jeder
Pfeiler, Kunstgekrönet in die Lüfte
ragend, Zu den Wolken weite Bo
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Das grosse Schillerfest 1859

Schnee und Regen floss hernieder Auf
novemberbraunen Bergen, Trostlos rangen
alle Wipfel Mit den schweren grauen
Wolken. Von den Büschen troff es
klagend, Jeder Dorn
... weiterlesen


Schifferliedchen

Schon hat die Nacht den
Silberschein Des Himmels aufgetan: Nun
spült der See den Widerschein Zu dir,
zu dir hinan! Und in dem Glanze
schaukelt sich Ein leichter dunkl
... weiterlesen


Die Begegnung

Schon war die letzte Schwalbe fort Und
wohl seit manchen Tagen auch Die letzte
Rose abgedorrt, Nach altem
Erdenbrauch. Es flimmerte der
Buchenhain Wie Rauschgold rot i
... weiterlesen


Drei Ständchen

Schöne Bürgerin, sieh, der Mai Flutet
um deine Fenster! Alle Seelen sind nun
frei Und es zerfliessen der
Tyrannei Grämliche Gespenster! In
die Tiefe tauche kühn,
... weiterlesen


Waldfrevel

Seht den Schuft am Waldessaum Mit
gewandten Sprüngen fliegend, Einen
jungen Eschenbaum Auf den breiten
Schultern wiegend! Hat die Axt, die er
gestohlen, Vornen in den Stamm g
... weiterlesen


Melancholie

Sei mir gegrüsst, Melancholie, Die mit
dem leisen Feenschritt Im Garten meiner
Phantasie Zu rechter Zeit ans Herz mir
tritt! Die mir den Mut wie eine junge
Weide Tief an den
... weiterlesen


Dynamit

Seit ihr die Berge versetzet mit
archimedischen Kräften, Fürcht’
ich, den Hebel entführt euch ein
dämonischGeschlecht! Gleich dem
bösen Gewissen geht um die verwünschte
Patrone,
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Auf Maler Distelis Tod

Sie haben Ruh’, die Kutten braun und
schwarz, Die Fledermäuse, Raben,
Eulenköpfe, Spiessbürger alle mit und
ohne Zöpfe, Und was da klebt im zähen
Pech und Harz! Er hat
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Nachhall

Sieh den Abendstern erblinken Tief im
Westen, schön und hell! Lieblich ist
und gut zu trinken Dieser Nachtluft
lauer Quell! Komm heraus, du junges
Leben! Komm, so lei
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Siehst Du den Stern

Siehst Du den Stern im fernsten
Blau, der schimmerernd fast
erbleicht? Sein Licht braucht eine
Ewigkeit, bis es dein Aug’
erreicht. Vielleicht vor tausend
Jahren schon
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Am Sarg eines neunzigjährigen Landmannes vom Zür

So bist du eine Leiche! So ist die alte
Eiche Doch endlich abgedorrt! Es ist
ein lang Stück Leben, Das wir dem
Staube geben, Ein ausgeklungen
Gotteswort. Da wi
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Morgen

So oft die Sonne aufersteht, Erneuert
sich mein Hoffen Und bleibet, bis sie
untergeht, Wie eine Blume offen; Dann
schlummert es ermattet Im dunklen
Schatten ein, Doch e
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Tod und Dichter

Tod: Deiner bunten Blasen
Kinderfreude Hängt und bricht an
meiner Sensenschneide, Wirf zur Seite
nunmehr Rohr und Schaum, Mache dich
auf, aus ist der Traum! D
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Nikolai

Unabsehbar auf der Steppe lieget nah und
lieget ferne Ohne Ton die
Himmelsglocke, sonder Farbe, sonder
Sterne. Unaufhörlich Schneegestöber
niederweht auf Dorn undSteine, Deckend
i
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Seemärchen

Und als die Nixe den Fischer
gefaßt, Da machte sie sich
abseiten; Sie schwarnm hinaus mit
lüsterner Hast, Hinaus in die
nächtlichen Weiten. Sie schwamm in
gewaltigen Kreis
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Das Köhlerweib ist trunken

Und singt im Wald; Hört, wie die
Stimme gellend Im Grünen hallt! Sie
war die schönste Blume, Berühmt im
Land; Es warben Reich’ und Arme Um
ihre Hand.
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Der Nachtschwärmer

Von heisser Lebenslust entglüht Hab’
ich das Sommerland
durchstreift, Darüber ist der Tag
verblüht Und zu der schönsten Nacht
gereift. Ich steige auf des Berges
Rücken
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Geübtes Herz

Weise nicht von dir mein schlichtes
Herz, Weil es schon so viel
geliebet! Einer Geige gleicht es, die
geübet Lang ein Meister unter Lust und
Schmerz. Und je länger er darau
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Der Berliner Weihnachtsmarkt

Welch lustiger Wald um das graue
Schloß Hat sich zusammengefunden, Ein
grünes bewegliches Nadelgehölz, Von
keiner Wurzel gebunden! Anstatt der
warmen Sonne scheint
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Die Aufgeregten

Welche tief bewegten
Lebensläufchen, Welche Leidenschaft,
welch wilder Schmerz! Eine Bachwelle
und ein Sandhäufchen Brachen
gegenseitig sich das Herz! Eine Biene
summte hoh
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Unter Sternen

Wende dich, du kleiner Stern, Erde! wo
ich lebe, Dass mein Aug’, der Sonne
fern, Sternenwärts sich
hebe! Heilig ist die
Sternenzeit, Öffnet alle Grüfte; St
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Parteileben

Wer über den Partein sich wähnt mit
stolzen Mienen, Der steht zumeist
vielmehr beträchtlich unter
ihnen. Trau keinem, der nie Partei
genommen Und immer im Trüben ist
geschwommen
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Rhein und Nachbarlieder

Wie ahnungsvoll er ausgezogen, Der
junge Held, aus Kluft und Stein! Wie
hat er durstig eingesogen Die Milch des
Berges, frisch und rein! Nun wallt der
Hirtensohn hernieder, Hi
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Mir glänzen die Augen

Wie der Himmel so klar; Heran und
vorüber, Du schlanker Husar! Heran
und vorüber Und wieder
zurück! Vielleicht kann’s
geschehen, Du findest dein Glück!
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Lacrimae Christi

Wie des Rauches Silbersäumchen Vom
Vesuv den Himmel
sucht! Feigenbäumlein,
Feigenbäumchen, Und wie süss ist
deine Frucht! Und ein kühlender Zephir
fächelt Über den warm
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Der Kirchenbesuch

Wie ein Fischlein in dem Garn Hat der
Dom mich eingefangen, Und da bin ich
festgebannt, Warum bin ich
dreingegangen? Ach, wie unter breiten
Malven Taubesprengt ein Röslein bl
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Venus von Milo

Wie einst die Medizäerin Bist,
Ärmste, du jetzt in der Mode Und
stehst in Gips, Porzlan und Zinn Auf
Schreibtisch, Ofen und Kommode. Die
Suppe dampft, Geplauder tönt,
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Im Schnee

Wie naht das finster türmende Gewölk
so schwarz und schwer! Wie jagt der
Wind, der stürmende, Das
Schneegestöber her! Verschwunden ist
die blühende Und grüne Wel
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Erster Schnee

Wie nun alles stirbt und endet Und das
letzte Lindenblatt Müd sich an die
Erde wendet In die warme Ruhestatt, So
auch unser Tun und Lassen, Was uns
zügellos erregt, U
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Am Brunnen

Wie strahlet ihr im Morgenschein, Du
rosig Kind, der Blütenbaum Und dieser
Brunnen, frisch und rein - Ein
schönres Kleeblatt gibt es kaum. Wie
dreifach lieblich hat Natur
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Stille der Nacht

Willkommen, klare Sommernacht, die auf
betauten Fluren liegt! Gegrüßt mir,
goldne Sternenpracht, die spielend sich
im Weltraum wiegt! Das Urgebirge um
mich her ist s
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An das Herz

Willst du nicht dich schliessen, Herz,
du offnes Haus! Worin Freund’ und
Feinde Gehen ein und aus? Schau, wie
sie verletzen Dir das Hausrecht
stets! Fühllos
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Schlechte Jahreszeit

Wo ist der schöne Blumenflor, Den wir
so treu gehegt? Vom Hoffen und vom
Grünen sind Herz, Garten kahl
gefegt! Und wie in einer Nacht
ergraut Ein unglückselig Haupt,
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An einen Schulgenossen

Wohin hat dich dein guter Stern
gezogen, O Schulgenoß aus ersten
Knabenjahren? Wie weit sind auseinander
wir gefahren In unsren Schifflein auf
des Lebens Wogen! Wenn wir die
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Napoleons Adler

Während des Gefallnen Flamme Im
Ozeanos verzischt, Auf des höchsten
Berges Kamme Sich sein Aar das Aug’
erfrischt; Von dem ew’gen Schnee
umschauert, Den die Gemse nie be
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Auf der Landstrasse

Zieht eine arme Pilgerin, Gebückt und
schwach, am dürren Stab Zur
gnadenreichen Jungfrau hin; Der
Rosenkranz rollt auf und ab, Obwohl er
sie nicht hindern kann, Auch ihres L
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Frühlingsbotschaft

Zum Gerichte rief der Frühling. Denn
mit Strenge zu verfahren Gegen
ketzerisch verstockte Übelsinnige
Verzweiflung, Haben seine
Heiligkeit Bei der Sonne Glanz
geschworen.
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Revolution

`Es wird schon gehn!` ruft in den
Lüften Die Lerche, die am frühsten
wach; `Es wird schon gehn!` rollt in
den Grüften Ein unterirdisch Wetter
nach. `Es geht!` rauscht es in allen
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Der falsche Hafisjünger

`Ich bet’ in aller Frühe Und jeden
Abend wieder, Damit ich fromm
erglühe, Hafisens süsse
Lieder. Ich murmle sie beständig Im
Pharisäermunde; Denn sie sin
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Rote Lehre

`Ich bin rot und hab’s erwogen Und
behaupt’ es unverweilt! Könnt’
ich, würd’ ich jeden köpfen, Der
nicht meine Meinung teilt!` In des
Baders enger Stube Vet
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Der Schöngeist

`O welch ein Duften, Rosalinde! Im
blütenüberfüllten Tal! Durch das
Gewölk, zerstreut vom Winde, Bricht
brennend rot der Abendstrahl; Wie Feuer
fliesst der Frühlingsregen,
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