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Der finstere Waffenschmied

- Gedicht von Ludwig Storch

Der finstere Waffenschmied

  Auf dem Ambos frisch und hell
  Hammerklang mit frohem Liede.
  Tritt ein finsterer Gesell
  Trotzig in die Waffenschmiede,
  Spricht den Gruß mit Hammerklang;
  Da verstummet der Gesang.
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Und vom Meister Schmied begehrt
  Er die Arbeit mit dem Hammer.
  Dieser langt ein rost`ges Schwert
  Aus der vollen Waffenkammer.
  `Schmied` ein neues Schwert daraus,
  Und du bleibst in meinem Haus.`
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Wieder tönet Hammerklang
  In der rus`gen Waffenschmiede;
  Aber nimmer tönt Gesang,
  Keiner bringt`s zu einem Liede,
  Keinem ist es wohl und recht
  Um den finstern Schmiedeknecht.
Das Eisen glübt und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Klirr! — der alte Stahl zerspringt
  Unterm Schlage seines Hammers.
  Gräßlich wild das Schwert erklingt,
  Wie ein Schrei des tiefsten Jammers,
  Dröhnend durch das ganze Haus. —
  Alle faßt ein stummer Graus.
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Kohle flammet, Kohle zischt
  An des Schwertes rost`ger Klinge.
  Bläst der Balg, die Glut erlischt.
  Meister, das sind böse Dinge.
  Ist`s ein Dämon, der im Schwert
  Gegen Gluth und Schlag sich wehrt?
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Ruhig schaut der Meister zu,
  Ernst und mit betrübten Zügen.
  `Schwere Sünde thatest du!
  Dir wird sich das Schwert nicht fügen.
  Der Geselle steht erblaßt,
  Wie von Schreck und Angst erfaßt.
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Auf des Schwertes rothen Rand
  Legt der Meister seinen Finger.
  `Merk` dir: eine reine Hand
  Ist der finstern Macht Bezwinger,
  Und es nützt ein frommer Spruch
  Mehr als Fluch und Zauberbuch.`
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Kohle sprüht und Hammer klingt,
  Und der Stahl fügt sich den Schlägen,
  Bis das neue Schwert gelingt,
  Dank des Meisters Zaubersegen.
  Und es singt der düstre Schmied
  Leis vor sich ein traurig Lied.
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Plötzlich zuckt der scharfe Stahl
  In die Hand, die ihn geschmiedet,
  Und des Blutes rother Strahl
  Auf der beißen Klinge siedet.
  `Weh dir!` zürnt des Meisters Wort,
  `Du vollbrachtest schlimmen Mord!`
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  `Wiss`, dies ist ein Henkerschwert,
  Richtstahl, schwere Schuld zu rächen,
  Und dein sündig Blut begehrt
  Heut er streng für dein Verbrechen.
  Deines eignen Hammers Schlag
  Brachte deine Schuld zu Tag.`
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Drauf der Finstre: `Ich gesteh`
  Meine That.` —  Er spricht`s mit Zagen.
  `Meinen Vater hab` ich — weh`! —
  Meuchelmörderisch erschlagen,
  Und mit Arglist den Verdacht
  Auf ein andres Haupt gebracht.`
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.

  Und der Stahl, der ihn verrieth,
  Straft den bösen Vatermörder.
  Hammerklang und frohes Lied
  Tönen in der Schmiede förder,
  Oft doch auch ein traurig Lied
  Von dem finstern Waffenschmied.
Das Eisen glüht und der Hammer klingt.
Die Kohle sprüht und der Funke springt.


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