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Perlenmuschel

- Gedicht von J.C. Wieser

Perlenmuschel

Die Muschel liegt am Meeresstrand`,
Verschlossen noch und ungekannt,
Und ihrer Perle schönes Prangen
Ist von der Schale eng umfangen.

Ob sie die Fluth, vom Sturm bewegt,
Zum kühlen Schooß des Meeres trägt?
Ob sie die Hand des Fischers findet,
Eh` noch des Tages Licht entschwindet?

Versinkt sie in der Tiefe Grund,
So schließt auf immer sich ihr Mund,
Und all` dem zarten Perlenleben
Kann nicht`s des Daseins Lust mehr geben.

Erlangt der Fischer ihren Werth,
Wird auch das Glück von ihm geehrt,
Und liegt die Perle nicht in Händen,
Die Licht und Glanz zum Dunkel wenden?

Das Herz ist wohl der Muschel gleich,
Am Hoffen und an Wünschen reich,
Und mild in süß geborg`ner Hülle
Umschließend des Gemüthes Fülle.

Wer dich als Lebensgut erhält,
O Herz, mit deiner heil`gen Welt,
Verdient er in so reinem Strahle
Die Perle auch der Ideale?

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