(An Emanuel Geibel, gestorben zu Lübeck am
Palm-sonntagmorgen, den 6. April 1884.)
Nun kommt der Lenz, da Du gegangen
Ins Land, das aller Müden Ziel,
Und scheidend noch auf Deine Wangen
Ein Strahl von seinem Lichte fiel.
Als Widerspiel
Erscheint mir, daß zur Zeit der Lieder
Du stiegst ins ew’ge Schweigen nieder,
Der uns der Lieder sang so viel!
Und doch, wenn schärfer ich’s betrachte,
So war es just die rechte Zeit,
Daß friedlich sich Dein Aug’ umnachte
In himmlischer Ergebenheit!
Zur Fahrt bereit,
Sah längst ich Deinen Nachen schwanken,
Und Deiner Seele Glutgedanken
Sie trugen Dich von hinnen weit!
Fahr’ wohl! — Mit stiller Wehmut schauet
Der Freund Dir nach ins Abendrot;
Dort, wo das Reich der Nächte grauet,
Im fernen Westen schwebt Dein Boot.
Nur Eins ist not!
Wir steuern alle nach dem Hafen,
Wo uns’re guten Väter schlafen,
Und ein Erlöser ist der Tod!